Plötzlich alt

Heute war meine Schwester zu Besuch; sie ist 1,5 Jahre jünger als ich. In irgendeinem x-beliebigem Kontext, der hier garantiert nichts zu Sache tut, erwähnte sie, dass sie ja nun 34 wäre und bla. Ich gackerte auf und klärte sie hämisch darüber auf, dass sie wohl eher 33 wäre, schließlich sei ich 34 und gerade wäre die Hälfte im Jahr, in der ich nur ein Jahr älter sei. Gut gelacht, die ist ja putzig.

Dass ich 34 bin war zuletzt klar wie Kloßbrühe, wurde ich doch im neuen Job nur allzu oft gefragt, wie alt ich bin. 34, habe ich 1000x geantwortet. Logo.

Meine Schwester prustete nicht schlecht, lachte laut auf und klärte mich danach einfühlsam und liebevoll darüber auf, dass ich im Winter 1982 geboren sei und somit dieses Jahr 36 werden würde.

Glaubt es mir oder nicht, mir fehlt ein Jahr. In meiner Welt war ich 34, den 35. Geburtstag habe ich nicht erlebt und somit ist es seltsam, in einem halben Jahr schon 36 zu werden. Abgefahren, plötzlich einfach so ein Jahr älter zu sein. Und noch ein „sorry“ von Herzen, an all die, die ich versehentlich angeflunkert habe. War keine Absicht, ich bin so doof.

Der kleine Unterschied

Ob ich in diesem Jahr sportlich ambitioniert bin, wurde ich gefragt. Ich habe eine Weile nachdenken müssen um das zu beantworten und bin zu folgendem Schluss gekommen: Meine größte sportliche Herausforderung liegt in diesem Jahr darin, den Unterschied zwischen „Lust auf Sport“ und „Lust auf dünn-sein“ herauszufinden. Für mich persönlich eine harte Nuss!

Tatsächlich nämlich habe ich in den letzten Jahren viel daran gesetzt die Spuren von 34 Jahren Leben und vier Schwangerschaften zu verwischen. Ich habe meinem Körper den coolen Deal vorgeschlagen: Ich bewege dich viel und gebe dir wenig zu essen, dafür machst du, dass wir aussehen wie 16! Mit großen Ideen wie ‚vor dem Frühstück 10km laufen‘ habe ich versucht meinem Teil der Abmachung einzuhalten und muss euch nun mitteilen: Klappt nicht! Und viel schlimmer noch, es macht nicht mal Spaß! Und so stelle ich mich neuen Herausforderungen!

Mit 34 sieht man aus wie mit 34. nach vier Kindern sind manche Stellen an so nem Körper anders als andere. Essen macht Freude und tut gar nicht weh und niemand auf der Welt mag mich mehr nur weil mein Bauch weniger wabbelt. (Sollte das anders sein kann der jemand mich mal!!) Und wenn ich wirklich Lust habe mich zu bewegen, dann tu‘ ich das, und zwar mit Freude. In den letzen Tagen bin ich viel Rennrad gefahren. Es war herrlich und Balsam für die Seele. Ich quäle mich nicht in diesem Jahr, ich versuche es mal mit glücklich sein.

Zeitreise I

Auf dem Vortrag, den ich mit der besten Freundin besuchte, eröffnete der Redner seinen Satz mit den Worten:“ Heute, 50 Jahre nach dem Krieg….“ und holte dann zu einer Beschreibung des Ist-Zustahdes unserer Stadt aus.

Ich zuckte, um mich herum – Stille! Nur Zora hatte es bemerkt, ein Zucken, gefolgt von einem gemeinsamen Lachanfall. „Heute, 50 Jahre nach dem Krieg“; es war 1995 und wir waren 13. in den kommenden Stunden waren wir sehr 13. Wir ergötzten uns an all den großen Abenteuern, die wir noch erleben werden, benutzten ausgelassen das Futur II und bedachten die Möglichkeit, dass unsere alten und neuen Ich’s sich treffen könnten. Irgendwann drängte sich die Frage auf, was uns das Schicksal mit dieser Zeitreise sagen wollte. Was sollten wir in 1995 verändern?

1995 waren wir in der 7. & 8. Klasse. Wir standen an den Toren unserer Jugend und waren bereit die Welt zu verändern. 1995 gewann die SPD in Bremen die Wahlen, dicht gefolgt von der CDU und Werder Bremen wurde Meister. Aber sollten wir wirklich in den Lauf der Geschichte eingreifen? Tiefer und tiefer wühlten wir uns durch die eigenen Biografien und kamen dann doch zu einem Entschluss.

Nichts! Gar nichts sollen wir ändern. Alles was in den vielen Jahren nach 1995 vergangen sein wird, wird uns zu den großartigen Menschen machen, die wir 2018 sein werden. Jeder Stolperer, jede Dummheit, jeder Höhenflug und jedes Aua wird uns prägen und am Ende eben ausgemacht haben.

Und um es in Udo zu sagen:

Doch wenn ich nochmal von vorne starten könnte

Wenn ich in meinem Film noch mal alles

Alles neu schreiben könnte

Was würde ich ändern und was rausschmeißen

So’n Leben ist ja echt ’n ziemlich harter Streifen

Ich würd‘ alles so lassen und gar nix raustun

Denn so ’n blaues Auge gehört doch irgendwie dazu

2,4,6,8

Ein wunderschöner Ausflug zum Mittelalter Markt geht zu Ende, und mit ihm ein Jahr. Morgen wird mein A-Hörnchen 9. und damit kann ich ab morgen nicht mehr mit „2,4,6,8“ antworten wenn ich gefragt werde, wie alt meine Kinder sind. 

Ich mochte 2,4,6,8 sehr. Genau genommen habe ich mich bereits am ersten Tag von D-Hörnchens Schwangerschaft auf dieses Jahr gefreut und nun ist es vorbei. Heute morgen, am Eingangdes Spektakels habe ich es zum letzten Mal gesagt. Und von nun an geht es Schlag auf Schlag. In drei Monagen heißt es dann: 3,5,7,9. Komisch und krumm. Aber vielleicht gewöhne ich mich ja dran.