Proud to be your mum!

Das A-Hörnchen erzählte eben, sie hätten in der Schule über „Obdachlose und so“ gesprochen. Dank meines Jobs ist das Thema bei uns häufig diskutiert, wir sprechen offen und viel über Wohnungslosigkeit, die Gründe und die Folgen. Ich erkundigte mich beim Hörnchen, worum es gegangen sei und er sagte es ginge um „deine Leute“ am Hauptbahnhof. Viele hätten Angst vor „denen“ und fänden sie ekelig. Andere sagten es sei schlimm, dass da keiner helfe, wieder andere seine der Meinung, jeder von „denen“ sei selbst schuld und solle halt aufhören. Ich hörte gespannt zu und fragte ihn ganz am Ende, ob er auch was gesagt hätte.

„Oh ja! Ich hab ganz viel gesagt“, antwortete er zu meiner großen Überraschung, und dann legte er los. Zunächst hat er den anderen erklärt, dass Wohnungslosigkeit jeden treffen kann, und dass es nicht so einfach ist wieder eine Wohnung zu finden. Er erklärte seinen Mitschülern, dass es zu wenig Wohnungen gibt und, dass viele von den Menschen, die auf der Straße wohnen, auch ein bisschen verrückt sind und das deshalb noch weniger gut können. Er erklärte, dass viele auch Alkohol trinken und Drogen nehmen und dass das eine Krankheit ist. Er erklärte die Mechanismen von Sucht und Entzug um deutlich zu machen, dass die Betroffenen nicht „einfach aufhören“ können. Am Ende hat er noch deutlich gemacht, dass es sehr wohl Hilfen für Bettoffene gibt, und dass viele Menschen am Bahnhof arbeiten um den Leuten da zu helfen; auch seine Mama.

Ja, er hat ein wahres Plädoyer hat er da gehalten, für die Menschlichkeit, für das Miteinander und dafür, die Menschen zu akzeptieren. Der Kerl ist 12 Jahre alt und steckt auf dem Gebiet der Menschlichkeit so manchen in die Tasche – und in jedem Fall fast alle Politiker.

Wusstet ihr

Wusstet ihr, dass Alkohol vom Körper in drei Stufen verstoffwechselt wird? Im ersten Schritt verwurstet das Enzym Alkoholdehydrogenase (ADH) den Alkohol Acetaldehyd. Hierauf folgt der zweite Schritt vom Acetaldehyd zur Essigsäure, das zuständige Enzym hierfür ist das Aldehyddehydrogenase (ALDH). Erst danach wird die Essigsäure durch eine ganze Reihe von Enzymen zu Kohlendioxid und Wasser und kann dann ausgeschieden werden.

Spannend sind hier bei drei Fakten:

1. Wirklich schädlich für den Organismus ist das Acetaldehyd. Vieleln Asiaten fehlt das Enzym ALDH, wodurch sie die schädliche Zwischenstufe nicht verstoffwechseln können. Deshalb werden sie von kleinsten Mengen betrunken und diese sind wiederum viel schädlicher als sie es für eine Person mit ALDH wären.

2. Den Kater verursacht ebenfalls das Acetaldehyd. Schädlich und so.

3. Auch der Typische Geruch des „morgens nach der Nacht davor“ ist den Abbauprodukten geschuldet. Er hat also nichts mit Ethanol im Atem zu tun, viel mehr ist es das Acetaldehyd, das wir ausatmen und das aus jeder Pore steigt, mit dem wir unsere Umwelt beglücken. Somit kann man vom Atem eines Menschen der am Vorabend getrunken hat, nicht betrunken werden – ganz entgegen dem Volksmund.

Und wieso mir das grad einfällt? Ganz einfach, ich sitze in der Bahn in der Mann neben mir hatte definitiv eine harte Nacht.

Sucht

Gestern schrieb ich über den „internationalen Gedenktag für verstorbene DrogengebraucherInnen“, heute möchte ich noch ein paar Sätze mehr über Sucht verlieren. In der Bevölkerung sind Junkies nach wie vor mit der allgemeinen Meinung konfrontiert, sie „würden es ja nicht anders wollen“. Diese Ansicht ist für mich einer der größten Fehler im Umgang mit Sucht. Das, was ein süchtiger Konsument auf sich nimmt, was er an Strapazen, Logistik und Erniedrigung erträgt um seine Sucht zu befriedigen, tut kein Mensch freiwillig. Sucht macht keinen Spaß, hat nichts mit exzessiver Party zu tun. Sie ist purer Schmerz, der ertragen wird um noch schlimmeren zu vermeiden.

Sucht, und hierbei ist es ganz egal, ob es stoffliche oder andere Süchte sind, findet im Suchtzentrum des Hirnes statt, dem Nuceus Accumbens. Hier entsteht das, was man im Volksmund die psychische Abhängigkeit nennt. Erst im zweiten Schritt kommt in einigen Fällen eine körperliche Abhängigkeit dazu. Man unterscheidet in primäre (psychische) und sekundäre (körperliche) Abhängigkeit. Nicht alle Suchtmittel machen sekundär abhängig, jedoch alle greifen auf der psychischen Ebene.

Primäre Abhängigkeit entsteht aus einem einfachen Mechanismus: Man tut etwas, zum Beispiel an einem Spielautomaten spielen, hat Erfolg, findet es gut und es ist geschehen. Nun sagt man immer gern: Ich hab das schon 1000x gemacht und bin ja nicht süchtig! Richtig, nicht jeder Erfolg und nicht jedes Suchtmittel führen in die Sucht. Es muss eine gewisse Vor-Gefährdung geben, einen Verstärker, der den Menschen dafür prädestiniert das Suchtmittel anzunehmen. Im Falle der Spielsucht heißt das, dass der Betroffene bestenfalls spielt, weil er zB. Geldsorgen hat. Er hat einen gewissen Druck. Ist er womöglich zudem noch sozial schlecht integriert und sucht Freundschaft und Anerkennung, sorgt der plötzlich Gewinn von Geld auf drei Ebenen für Abhilfe: Die Geldprobleme werden geringer, andere Menschen interessieren sich und er bekommt Anerkennung. Diese Erfolge schütten im Hirn Glückshormone aus, der Mensch gerät in einen Rausch, alles ist leicht. An dieser Stelle tritt der Nucleus Accumbens auf den Plan. Er merkt sich alles ganz genau, speichert jedes Detail von Leichtigkeit und Glück; vor allem aber merkt er sich den Weg dorthin!

Tritt nun ein ähnlicher Notstand auf, also zum Beispiel Geldnot und Einsamkeit, weiß der Accumbens die Lösung. Ja, er weiß noch ganz genau wie der Weg war und vor allem wie erlösend der Moment war, in dem alles gut wurde. Es sei noch einmal gesagt, ob stoffliches Suchtmittel, also Alkohol, Koks oder Zucker oder nicht-stoffliches wie zum Beispiel Spielen, Sport oder Sex, ist an dieser Stelle egal. Der Rausch wird im Hirn erzeugt, entweder aus eigenen Mitteln oder durch zugesetzte Stoffe. Der Wunsch und die Not, den Rausch und die damit verbundene Leichtigkeit immer wieder zu spüren macht die Sucht.

Erst im zweiten Schritt kommt in einigen Fällen die körperliche Abhängigkeit hinzu. Sie kommt immer dann zu Stande, wenn ein Suchtmittel die Prozesse im Körper beeinflusst und sich in den Stoffwechsel mit einbaut. In vielen Fällen beginnt der Körper, die eigene Produktion von Botenstoffen herunterzufahren. Bleiben die Stoffe dann aus, kommt es zu Entzugserscheinungen. Schüttelfrost, laufende Nase, Durchfall, Krämpfe; das sind meistens die ersten Vorboten des Entzugs. Treten diese auf, ist es wieder der Nucleus Accumbens, der weiß was zu tun ist: Nachlegen, Glück erzeugen.

Was hier ganz deutlich wird, ist das a) niemand vor Sucht geschützt ist; es sind immer innere und äußere Umstände, die Suchtmittel zu dem werden lassen, was sie sind und b) kein Süchtiger durch den puren Entzug des Suchtmittels geheilt werden kann. Therapie muss in mindesten drei Schritten stattfinden: Dem körperlichen Entzug, der psychischen Therapie und einer Adaption, einer Art Langzeittherapie mit Rückführung in ein geregeltes Leben. Für all das wird Zeit, Personal und Geld benötigt, all das fehlt fast überall. Statt dessen setzt man Süchtige aller Art unter Druck, drängt sie zurück in ihr altes Leben und damit immer wieder in ihre persönlichen Muster von Konsum und Kompensation. Menschen machen Dutzende Kurzzeittherapien um dann, nach wenigen Wochen, wieder in ihre alte Wohnung, die alte Umgebung und die alten Probleme zurückkehren – zum Glück weiß ja der Nucleus Accumbens jederzeit was zu tun ist.

Shameless 

Eine Serie hat mich in ihren Bann gezogen, und das obwohl ich diesen Serien-Hype überhaupt nicht schätze. Shameless heisst sie und sie ist absolut.. Shameless! 

Sechs Kinder, verlassen von einer psychisch durchgeknallten Mutter, erzogen von der größten Schwester. Dar Vater, ein schwerer Alkoholiker, der die miesesten Dinger  dreht um an Geld zu kommen. Und jede Minute auf dem Bildschirm liegt irgendwo zwischen tief traurig, tot komisch und Betroffenheit. Immer wieder verschiebt sich das Nild von „Gut und Böse“ weil die vermeintlich guten so Böses tun und die Bösen die dann retten und am Ende war es so oft die Not der Antrieb des ganzen. 

Es zu Schauen hat etwas voyeuristisches, oft auch etwas beschämendes. Immer wider sagt mein Kopf: „Das ist ja alles nicht echt!“ Und dann spricht die Vernunft hinterher:“Oh doch! Tausendfach! So und noch schlimmer.“ All das Grauen, die Drogen, der Dreck, Straftaten, die Verletzungen und die Vernachlässigungen; all das ist fast alltäglich. Man sieht es nur nicht. Viel mehr will man es nicht sehen, denn mit offenen Augen im Leben begegnet einem die immer selbe Szenerie überall. Knappe Kassen, saufende Eltern, sich selbst überlassende Kinder. Mich Sicherheit auch in unserem Land, auch in deinem Stadtteil! Man muss es nur sehen wollen. 

Das nasse Gold

Vor einigen Tagen schrieb ich einen Beitrag über den Alkohol, in dem ich erklärte nicht mehr zu verstehen, wieso ich früher durchaus gern etwas trank. Seitdem ich diesen Text verfasst habe quält mich ein Ohrwurm des Nassen Goldes von Udo Lindenberg. 

Das Lied handelt vom Nassen Gold, von der geistigen Welt, die sich durch Alkohol und anderes erst eröffnet. Von Erkenntnis, von Kunst und von Kultur. Und nun muss ich es eingestehen, der Udo hat recht! Das Nasse Gold ist es, was das trinken früher liebenswert gemacht hat. Nächtelanges Philosophieren; vom 100tel ins 1000tel und Erkenntnisse, die nüchtern nicht zu erlangen sind. Keine Sekunde dieser Nächte möchte ich missen, keinen der Mitstreiter. 

So möchte ich dem bösen Alkohol nicht alle Berechtigung absprechen. Danke Udo für diese Erkenntnis. Die deiner Musik und die in meinem nüchternen Kopf. Und danke den Philosophen der Nacht, ich würde es jeder Zeit wieder tun – wenn die Kinder am nächsten Morgen nicht das sind:)

Alkohol

Mit dem Alkohol ist es komisch. Früher hab ich gut und gern getrunken, am Wochenende versteht sich. Wenn es mir am nächsten Morgen elend ging war das nie cool, aber toleriert habe ich es dennoch. Welchen Gewinn ich vom Alkohol hatte? Keine Ahnung! Genau genommen zeigt die Bilanz hauptsächlich Verluste: Geld, Wohlbefinden und Kontrolle machen sich von dannen während die Seele glaubt sich was gutes zu tun. 

Heute trinke ich fast leinene Alkohol mehr. Gelegentlich ein Bier, wenn ich Appetit drauf habe. Wirklich betrunken war ich seit Jahren nicht mehr. Und je weniger ich trinke, desto weniger verstehen ich warum ich es jeh getan habe. Erst gestern war ich auf einer auf einer Feier, auf der etliche es deutlich krachen ließen. Und dann, wenn man da so nüchtern zwischen sitzt ist es wirklich erschreckend. Während die einen mehr stolpern als gehen und das Klo dekorieren, leisten andere einen seelischen Striptease und kauen mir ein Ohr ab. Früher war alles besser und hoffentlich ist mein Leben gut so, wie es ist. Immer wieder die Geschichten von gesellschaftlichen Zwängen, Unzufriedenheit und Frustration. Ein Elend! 

Ich bin nicht unzufrieden, auch nicht frustriert. Mein Leben läuft in etwa so, wie ich es will. Und wenn es mal Schieglage bekommt, dann korrigiere ich es nach meinen Vorstellungen. Ich Gefälle nur mir, ich genüge mir selbst und verstelle mich nicht. Und vielleicht sind das die Gründe, warum ich es heute nicht vermisse gelegentlich die Kontrolle durch Alkohol abzugeben. Ich lebe in der Wirklichkeit und diese liegt imme an der Oberfläche. Ich verberge nichts und habe somit auch keinen Dang etwas raus zu lassen.