Ich sehe dumme Menschen

Unter der Woche bin ich eine Meisterin der Abgrenzung. Schlimme Schicksale, Grausames, Trautiges – alles mögliche läuft durch meinen Kopf. Fast alles bleibt auf der rationalen Ebene, wird analysiert und dann mit dem Problemträger bearbeitet. Das ist mein Job, so läuft der Hase. Im Herzen oder zu Hause kommt von all dem wenig an. Dadurch, dass ich die Dramen des Alltags ohne emotionale Färbung behandle, kann ich sie zu Feierabend da lassen, wo sie hingehören: Im Büro.

Im Privaten geht beides. Ich agiere in der Regel aus dem Herzen, höre zu, leide mit und berate als Freundin. Fast nie schalte ich die Analystin dazu, denn als Freund erwartet man selten eine Analyse der eigenen Problemlage. Abgrenzung ist hier kaum nötig, meine Freunde sind Teil meines Lebens und gehören somit fest in meinen Alltag.

Und dann laufen wir eben durch den Supermarkt, so einen großen lauten hässlichen doofen Supermarkt, und ich realisiere, dass ich offenbar neben all den Dramen auch all meine Schutzmechanismen im Büro gelassen habe. Ohne jeden Filter prasselte die Dummheit, die Ignoranz, die Hetzte und all der Stress der Menschen auf mich ein. „Ich sehe dumme Menschen! Die sind wütend und dir wissen nicht, dass sie dumm sind!“ schoss es mir durch den Kopf hab ich wusste nicht, ob ich heute nicht auf Leben kann, oder ich wirklich Teil einer Apokalypse geworden war. Schutzlos beendete ich das Unterfangen „Einkauf“, vergraben im Pullover und dennoch ausgeliefert. Menschen sind so hässlich wenn man genau hin sieht, so griesgrämig, boshaft und gemein. Alle scheinen einander zu hassen und ich hoffe, dass das nur in diesem Laden so war, oder nur heute oder eben nur in meinem Kopf.

Stunde Null

Yeah, die Kinder sind aus dem Haus. 1,2,3,4, alle weg. Was man jetzt alles machen kann. Ich entschied mich in aller erster Instanz für ein paar Tränen, Kaffee und Zigarette. Noch eine Zigarette und noch ein paar Tränen. Was bin ich nur für eine Klette.

In zweiter Instanz dann putzte ich das Haus, gründlich. Und ja, danach sortierte ich vorsichtshalber die Unterhosen des D-Hörnchens nach Form, Größe und Farbe; man weiß ja nie. Himmel, und das waren erst die aller ersten paar Stunden. Nein, ich bin nicht gut in sowas. Ein Dank an das offene Ohr der Besten soll an dieser Stelle nicht fehlen.

Eins kann man schon einmal festhalten: Für den Tag, an dem das erste Hörnchen auszieht, und den an dem das letzte geht und die Tage, an denen die anderen gehen werden, sollte ich mich entweder mit lieben Menschen zu Trinken treffen oder mir ein Bett in einer guten Klinik suchen.

Wahre Größe 

„Darf ich ich in dein Zimmer?“ Fragt C-Hörnchen das D-Hörnchen. „Nein! Geh raus!“ antwortet D-Hörnchen. C-Hörnchen geht in ihr Zimmer und beginnt allein zu spielen. D-Hörnchen stellt sich in die Tür und fragt:“Darf ich in dein Zimmer?“ „Nein!“ antwortet C-Hörnchen bestimmt. „Ich darf ja auch nicht in dein Zimmer

!“ 

Für eine halbe Minute sind beide in ihren Zimmern, Tür an Tür. D-Hörnchen klagt:“Ich will nicht alleine spielen!“ und C-Hörnchen klagt:“Allein spielen ist doof!“ Sie geht zu D-Hörnchen’s Tür, klopft und fragt:“Darf ich in deinem Zimmer mitspielen?“ D-Hörnchen keift abermals:“Nein!!“ C-Hörnchen geht wieder rüber, traurig. D- Hörnchen heult:“Ich will nicht allein spielen!“ Er geht zu C-Hörnchen’s Tür, öffnet und fragt ob er mitspielen darf. 

C-Hörnchen schaut ihren Bruder mitleidig an und sagt:“Dann komm rein!“ Sie sah zu mir und sagte:“Sonst müssen wir ja beide allein spielen.“

Indoor X-Box

Heute ausflugten wir in den IndoorSpielplatz. Zusammen mit meiner Schwester und ihren Lieben verbrachten wir einen enorm entspannten Tag; fast kinderfrei. 

Denn in den fast acht Stunden, die wir in diesem Ding verbracht haben, hatten wir erstaunlich wenig Kontakt zu unserem Kleinen Volk. Alle waren unterwegs, D-Hörnchen wurde viel von A-Hörnchen bespasst und A-Hörnchen wurde viel durch eine X-Box mit Kinect bespasst, die für die Großen da stand. Großartig!! Na ja, so halb, denn jetzt wollen wir (also A-Hörnchen und ich) eine haben, und der Menne nicht. Plöde! 

Ruhe

Da es mir ausgesprochen mies geht, gestattete der Menne, dass ich mich nach dem Abendessen ins Bett packe. Leiden

Ich schleppe mich zwei Treppen nach oben und falle auf mein Bett. Drei Sekunden nach mir erscheint das D-Hörnchen. Freudig klatscht er in seine kleinen Händchen und sagt:“Auch Bett!“. Wie könnte man da widerstehen. Ich hebe den Zwerg zu mir und denke mir, dass ich mich mindestens genauso gut mit ihm ausruhen kann. Beim kuscheln stelle ich fest, dass D-Hörnchen ungewohnt feucht ist. Tatsächlich ist er stellenweise richtig nass. Übergelaufen. 

Na ja, was soll es. Ich Pelle ihn aus Latzhose und Pulli und stelle fest, dass am Baby nicht nur Pipi klebt. Hilflos bitte ich das A-Hörnchen via Papas WhatsApp mir Lappen, Windel und frische Wäsche fürs Hörnchen zu liefern. 

Ich erhalte alles, und das A-Hörnchen bleibt gleich bei mir im Bett sitzen. Als das D-Hörnchen sauber ist, taucht auch das B-Hörnchen auf und beginnt sich mitzuteilen. Nun klingelt es an der Haustür. Da der Menne gerade das C-Hörnchen bettfertig macht, verlasse ich meine Insel und schleppe mich wieder runter. 10 Minuten später ist der Besucher abgefertigt und ich auch. 

Schön wenn man sich mal so ganz unerwartete ’ne Stunde hinlegen kann. 

Party ohne Kinder

Heute war ich auf dem 30. Geburtstag meiner Freundin eingeladen. Brunch. Ausdrücklich ohne Anhang. Vollkommen ok, waren doch fast ein Dutzend Mütter aus verschiedenen Krabbelgruppen da, hätten die alle ihre 2-4 Kinder mitgebracht, … Nee danke!

Um neun Uhr überstürzt los, hatte noch was anderes zu erledigen. Wenn ich mit meinen Kindern ausgehe, ist es mir in aller Regel recht egal wie ich aussehe, sieht eh keiner vor lauter Kinder. Heute wollte ich entzückend aussehen, und dünn. Nach dreimaligem Umziehen gab ich es auf. Die Haare wurden be-mützt.

10.30 Uhr dann Ankunft auf der Feier, just in time. Feststellung: Mütze kommt jetzt ja ab. Ab jetzt also: Mopp auf dem Kopp! Aus unserer Truppe von sechs Muttis war ich die erste. Die erste halbe Stunde stand ich an einem Sekt nippend in der Ecke. Komisch, mit meinen Kindern hätte ich sicher genug zu tun gehabt. Dann, um elf kamen die ersten Freundinnen, alle mit Babys, die natürlich mit durften. Somit war ich kurz beschäftigt, sprich ich bekam die Babys der anderen mal hier und mal da. Schön! Es folgten Geschenkübergabe, Smalltalk und viel stehen und sitzen. Ich fühlte mich unterbeschäftigt. Komisch, hatte ich mich doch so auf einen freien Vormittag gefreut.

Um 12.00 Uhr beim Essen brach es dann aus mir heraus:“ Ich fühle mich einsam!!“ Kein einziges umgekipptes Glas, kein Pipi-Gang. Kein Gemotze über falsch geschnittenes Essen, keine Malbücher… Mir war ganz ehrlich gesagt öde. Es war auch schön. Ich habe mich ungestört unterhalten, viel gesessen und in Ruhe gegessen. Aber ganz genau betrachtet fehlte was.

Liege Gastgeberin, es war ganz wunderbar und ich habe vollstes Verständnis für das wie es war. Nur damit hier keine Missverständnisse entstehen;)

Als ich nach Hause kam, hatte sich C-Hörnchen grad die Lippe an einer gebrochenen Latte vom Hochbett von B-Hörnchen aufgeschlagen. D-Hörnchen war von oben bis unten mit Schokopudding eingeschmiert und küsste mich freudig und A-Hörnchen kam grad mit einem Rucksack voller Schokolade vom Lidl. Da wusste ich: Alles ok!