Feige und dumm

Zum wiederholten Male wurde die Fatih-Moscheen in Bremen mit Islamfeindlichem Mist beschmiert. Parolen, die den Ausdruck Parole kaum verdient haben, wurden da feige, bei Nacht und Nebel an die Fassade geschmiert und hinterlassen Angst und Unbehagen. Gratis dazu gibt es einen Einblick in die schier endlose Dummheit des Menschen. Was, wozu und wogegen soll es gut sein, Menschen zu bedrohen.

Religionen erfüllen für mich, als nicht religiösen Menschen, alle den selben Zweck. Sie erschaffen eine Gemeinschaft, stellen Regeln des Zusammenlebens auf, bieten Halt, Sicherheit und Orientierung. Daran ist nichts auszusetzen, mit Sicherheit ist es sogar für viele Menschen eine gute Lösung. Ich persönlich brauche keine Religion, respektiere die der anderen und bitte darum, nicht missioniert zu werden. Tatsächlich bin ich mir recht sicher, dass das Parolen-sprühende Volk mir soweit sogar zustimmen würde. Das worum es doch geht, was sie aber nicht begreifen, ist die Radikalisierung, das „über das Ziel hinaus“. Das macht Angst, verfolgt kein unterstützbares Ziel, will einschränken oder bedrohen. Mit Islam, Christen- und Judentum hat dies jedoch nichts zu tun.

Extreme gibt es in jeder Bewegung – und fast immer ist es mir zu doll. Die Grundfesten der RAF konnte ich gut tragen, dann wurde es zu viel. Ich stehe auf gesunde Ernährung und peacige Tierhaltung – Vorträge über militanten Veganismus möchte ich trotzdem nicht hören. Trotzdem, oder gerade deswegen, versuche ich Fremdem und Neuem gegenüber stets offen zu sein. Die Dinge auf dieser Welt, die ich mir rational und ohne Furcht angesehen habe, die kann ich bewerten. Und wenn man sich so eine Moschee und die damit verbundene Gemeinde einfach mal ansieht, mit dem Menschen spricht und einen guten Tee geniest, dann kann man fast nur feststellen, dass es am Ende eben egal ist ob diese Menschen Moslems, Christen, Juden oder Holländer oder Dänen sind. Mensch bleibt Mensch und wer dummes Zeug auf Häuser sprüht, der ist nunmal extrem dumm.

Ziele des Terrors

Stunden nach dem Unglück in Berlin will das Land geschützt werden. Poller sollen um die Weihnachtsmärkte, und Polizisten. Am besten Polizisten mit Pollen. Und Maschinengewehren. Und Hunden! Vergesst nicht die Hunde. Möglicherweise, so kommt es einem vor, ist doch die mangelnde Sicherheit an allem schuld, oder wer? In Zeiten von Angst, Panik und Unsicherheit werden Lösungen gesucht und zur Not an den Haaren herbei gezogen, aber helfen Poller gegen Terror? Und wenn nicht, was hilft denn dann gegen den Terror?

Terror ist ein Machtmittel. Das Ziel des Terrors ist es das Sicherheitsgefühl der Menschen anzugreifen, sie aus der Reserve zu locken und somit für einen so empfundenen Missstand zu sensibilisieren. Die Toten und Verletzten bei den Anschlägen sind nur Beiwerk, quasi ein Kolateralschaden der Aufmerksamkeit. Die Ziele, also das World Trade Center, der Marathonlauf oder die Promenade in Nizza, werden ausgewählt, weil sie eine breite Fläche bieten und besonders schockieren. Es geht viel weniger um die Anzahl von Toten und Verletzten, vielmehr sind diese das in Kauf genommene Resultat der getroffenen Wahl. Die entführten Flugzeuge vom 11. September folgen nicht aus dem Grund in die Twin Towers weil dort besonders viele Menschen sterben würden. Die vollbesetzten Flugzeuge wurden zur besten Geschäftszeit in die Türme geflogen, weil die vielen Toten, Verletzten und die allgemeine Katastrophe besonders viel Aufmerksamkeit erregen würde. Die Gestorbenen und Verletzten werden somit zum Mittel zum Zweck, sie werden eingesetzt um uns abzuschrecken, uns Angst zu machen und uns davon abzuhalten unbeschwert zu leben. Wir selbst halten den Terror so am Leben, wir lassen ihn Teil unseres Lebens werden, Teil unseres Alltags und füttern ihn somit jeden Tag.

Was hilft also gegen den Terror? Poller und Polizisten sind es ganz bestimmt nicht! Gegen den Terror hilft es, ihn am Arsch zu lecken, ihn zu mißachten und ihn verhungern zu lassen. Angst sollen wir haben, starr sollen wir sein, zu erschrocken um zu denken, zu furchtvoll um zu leben. Unser Weihnachten will man uns verderben und uns in Trauer fangen. Drauf geschissen! Liebe Menschen, lebt weiter. Trauert um die Toten, pflegt die Verletzten und feiert das Leben. Wir sind freie Menschen und haben nichts zu verstecken. Geht auf Konzerte, besucht Weihnachtsmärkte und Einkaufszentren und lebt das Leben. Liebt eure Lieben und seit einfach besser.

Der Terror ist offenbar Teil unseres Lebens, so wie Zahnschmerzen und Norovieren. Aber mal im Ernst, denken wir an Wurzelbehandlung und Magen- Darm- Infekte wenn wir grade gesund sind? Haben wir jeden Morgen Angst davor Zahnschmerzen zu bekommen oder Spucken zu müssen? Im Leben nicht. Lasst uns unsere Wunden lecken, die Krankheit auskurieren und dann weiter leben. Und der Terror, dieser fiese Infekt, schlägt eh wieder dann zu, dann wenn wir ihn nicht erwarten. Denn Terror ist kreativ! Und wenn wir jetzt alle Weihnachtsmärkte mit Pollen umstellen, dann wird das nächste Ziel ein anderes sein. Der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt. Der nächste Anschlag wir kommen. Trotz aller Vorkehrungen, trotz Hände waschen und zähne putzen. Keiner weiß wann, was oder wo. Er wird Menschen töten, verletzten und in Angst und schrecken versetzten. Er wird uns schockieren und wir werden trauern. Und dann sollten wir weiter leben. Frei und unbeschwert.

Berlin 

Nun also Berlin. Die Gerüchteküche kocht. Terror, überall Terror, zumindest heißt es das. „Der Terrot ist in Deutschland angekommen!“ heißt es, ebenso wie neulich in München. Und wieder erhält man den Eindruck es wäre gradezu schick auch endlich Terror zu haben. Denn Terror gehört jetzt dazu. 

Um die wesentlichen Fakten zusammenzufassen: Was auch inmer, warum auch immer; es ist schrecklich. Menschen sterben, andere sind verletzt. Kinder verlieren Eltern, Eltern verlieren Kinder,  Freunde verlieren Freunde. Die Gedanken sollten den Betroffen und den Verletzten gehören, nicht dem Terror. Denn genau das ist die Nahrung des Terrors: Angst und Entsetzten! Terror muss im Gespräch sein, Terror muss präsent sein und er muss Angst machen. Je größer und lauter die Angst, desto größer die Panik, desto perfekter der Terror. 

Letztlich spricht ebenso viel für Terror wie für zwei 15-jährige, die nen LKW geklaut haben. Ebenso viel spricht für einen betrunkenen Fahrer, der aus Angst vor den Koseqzenzen geflohen ist. Auch ein Amok sollte wieder in Betracht gezogen werden, und die Dummheit. Vergesst niemals die Dummheit, denn ihr habt es mit Menschen zu tun. 

Weißer Flüssigsprengstoff 

Manchmal ist es so unglaublich, dass ich es nicht glauben kann, so unglaublich ist es. 

Eben, beim einkaufen, lud eine Frau ihren Einkauf in ihren Jute-Beutel. Sie lud und lud und ich registrierte sie kaum. Plötzlich wurde es unruhig. Aus dem Beutel der jungen Frau tropfte es weiß. Erst zaghaft, dann immer mehr. Der Kassierer machte hektisch einige Durchsagen und ich überlegte, ob es einen weißen, milchigen Flüssigsprengstoff gibt.

In den folgenden 20 Minuten stand ich da so an der Kasse und es wurde viel geputzt und entschuldigt. Der weiße Flüssigsprengstoff lief in diese Rollen an der Kasse und auch sonst in jede Ritze. Die vermeintliche Terroristin wirke, als ob ihr das alles sehr unangenehm wäre. 

Irgendwann sprach es sich dann durch die Reihe der Wartenden: Die Gute hatte in ihrem Säckchen 5 Becher Sahne. Mittels einer mittelgroßen Wassermelone hatte sie die Sahnebecher zur Explosion gebracht. Und alle Vorgänge im Supermarkt zum erligen. Beeindruckend !!