In fremden Schuhen

Nach zwei Tagen hinter dem Herd bin ich platt. Wir gebügelt bin ich heute nach weiteren sechs Stundnen und 10 kg Milchreis aus der Küche gekorochen. Kochen ist ja das eine, Geschirr spülen, Aufräumen, Putzen und den Müll wegschaffen das andere. Mein kleines Abendteuer „Grossküche“ lässt mich nur zu einem Schluss kommen: Hut ab vor denen, die das täglich machen! 

Wie praktisch es doch ist mal in fremden Schuhen zu laufen. Der eigene Job kommt einem manches Mal ungerecht und anstrengend vor, ich habe deutlich gesehen, dass zumindest meiner es nicht ist. Denn dank der perfekten selektiven Wahrnehmung, die wir Menschen haben, sehen wir vor allem die positive Seiten fremder Jobs. Barkeeper haben es gut, die können den ganzen Abend klönen und Bier trinken, Stewardessen können umsonst fliegen und Ärzte verdienen ein Schweinegeld! Ich habe selber solche Gedanken und versuche mich hierbei zu zügeln. Alles hat zwei Seiten. 

Barkeeper haben es laut und chaotisch. Sie haben mit Besoffenen zu tun und werden angepöbelt wenn es mal 5 Minuten länger dauert. Stewardessen sind nie zu Hause und haben einen vollkommen verdrehten Tag-Nacht-Rythmus und Ärzte schieben höllische 48 Stunden-Dienste und sollen nach 37 Stundnen im Dienst noch akkurat operieren. Klingt plötzlich alles nicht mehr besonders attraktiv. So komme ich zu dem Entschluss, dass einfach jeder was anderes gut kann und jeder was anderes gut ertragen kann. Sätze wie: „Das du das kannst!“ Oder „Das könnte ich ja nicht!“ sagen jedoch nichts über die Härte oder die Qualität einer Arbeit aus. Sie zeigen nur, dass nicht jeder alles kann. Am Ende zählt es, dass jeder das macht was er kann und vor allem mag. Denn alles andere macht krank. 

Wie die Zeit vergeht

Grad las ich einen Beitrag meiner Blogger-Kollegin. Mulke beschreibt hier, wie die ersten Schritte ihres Sohnes ihr ihre Freiheit wiedergeben und ihre Gefühle durcheinander bringen. Der Beitrag rührte mich zu Tränen und animierte mich zum schreiben.  

Vor ein paar Tagen fiel mir dieses Bild in die Hände:

Dieses Bild zeigt den Kinderwagen meines C-Hörnchens. Er steht im Bus. Denn zu dieser Zeit fuhren wir jeden Tag mit dem Bus in den Kindergarten des A-Hörnchens. 15 Minuten Busfahrt, und da die Haltestelle so weit weg war vom Kindergarten, folgten 10 Min. Fußweg. Diesen Ritt schafften wir nur dank Kiddy Board, Roller und Laufrad und immer wieder verlangte er uns alles alles ab. 

Als ich dieses Bild sah fielen mir die damit verbundenen Strapazen wieder ein. Der Schweiß und die Tränen, die es gekostet hatte, und die Nerven. Ganz ehrlich, im Nachhinein ziehe ich den Hut vor mir und weiß nicht wie ich das geschafft habe. Meistens war ich sogar noch gut gelaunt, schwanger und habe studiert. 

In solchen Momenten wird mir bewusst, wie leicht mein Leben inzwischen ist. Alle laufen, keiner Stillt. Alle sind trocken und sagen (meistens) was sie wollen. Man spielt gemeinsam Spiele, die auch Spaß machen und verbringt laue Tage am See. Was waren das für unglaubliche Jahre!