La vida es un pero

Prinzipiell verstehe ich den menschlichen Organismus gut. Ich bin mit den Funktionen der Ein- und Ausgänge vertraut, durchblicke Energiezufuhr und Verwertung und kann recht zuverlässige Vorhersagen über so manchen Prozess machen. Ich weiß was unsere Organe können und was so passiert, wenn es nicht mehr klappt. Auch hirnanatomisch bin ich im Bilde. Ich weiß, warum ich bei der Arbeit rauche, zu Hause jedoch nicht. Ich weiß warum Schneeflocken, die zart auf meiner Jacke liegen bleiben, mich euphorisch hopsen lassen, und ich weiß wie Kaffee wirkt. Eine winzige Kleinigkeit bleibt mir jedoch ein Rätsel.

Wieso gibt es Migräne?

Unregelmäßig, manchmal alle zwei Wochen, manchmal drei Monate lang nicht, schleudert sie mich rücksichtslos zu Boden. Auslöser? Selbst nach jahrelanger Recherche unbekannt. Heute habe ich den Wind in Verdacht, vielleicht habe ich auch schief geschlafen, schlecht gegessen oder mich dem kosmischen Gleichgewicht entzogen. Selbst medizinisch ist dieses Schmerz wenig erforscht. Als Uraschen kommen zu enge oder zu weite Blutgefäße in Frage. Oder andere Sachen. Behandeln kann man mit verschiedensten Medikamenten; in der Regel wirken sie eh nicht. In 18 Jahren Migräne habe ich 100 Ärzte, 200 Medikamente und 500 Fachleute konsultiert, die auch schon mal Kopfschmerzen hatten. Helfen konnte keiner.

An Tagen wie heute lässt es einen verzweifeln. Wir Menschen verpflanzen Organe, klonen alles mögliche, reparieren Embryonen im Mutterleib und können Gemütszustände mit lustigsten Präperaten ändern. Wieso um alles in der Welt kann keiner was gegen dieses Aua machen. Das habe ich nicht verdient. Mitleid erwünscht, ich nehme auch Kekse.

Ein Neurologe könnt ihr helfen

Seit der Pubertät leide ich unter Kopfschmerzen. Viele Jahre lang habe ich versucht sie zu ignorieren, eine Hebamme war es, die mir 2007 zum ersten Mal die unsichere Diagnose „Migräne“ gab. Seit dem habe ich diverse Ärzte und Mittel ausprobiert. Alles blieb ohne ernsthaften Erfolg, das meiste sogar ganz ohne. Selbst über die Ursache ist man sich uneinig. Spannungen, Stress oder doch die Hormone? Mir ist es fast egal, denn keine der infrage kommenden Ursachen kann ich ganz ausschalten. 

Da es in den vergangenen Tagen wieder einmal sehr fies war, ging ich abermals zum Arzt. Zum ersten Mal schlug man mir nun vor zum Neurologen zu gehen. So telefonierte ich mich heute morgen durch die Stadt. Die erste Praxis bot mir einen Termin in Dezember an. Ich lehnte dankend ab und telefonierte weiter. Eine halbe Stunde später rief ich erneut in der ersten Praxis an. Dezember klang inzwischen himmlisch! Einen Neurologen zu finden, der ein so altes Problem behandelt, ist eine hohe Kunst. Natürlich verstehe ich, dass es nicht akut ist und dass es viel schlimmere Dinge gibt. Aber 6 Monate… 

Mein großer Wunsch während der Schulzeit war es Medizin zu studieren. Ich bin mir sicher, ich wäre eine gute Ärztin geworden. Ich liebe den Körper und seine Funktionen. Ich hätte dieses Studium voller Leidenschaft  absolviert und wäre für diesen Traum überall hingegangen. Leider ist das System „Uni“ anders aufgebaut. Und so hinderte mein schlechtes Abi mich an der Medizin. Bis heute finde ich das traurig und nicht zu verstehen. Wie kann ein Land, dass so einen Ärztemangel hat, willigen Menschen Steine in den Weg werfen. Die Eignung für einen Beruf zeigt sich nicht über die Note im Abi. Und umgekehrt zeigt die Note im Abi nichts über den Abiturienten. Ich habe neben der Schule viel (25 Std.) gearbeitet und war schon zu Hause ausgezogen. Ich führte ein selbstständiges Leben und hatte leider wenig Zeit für die Schule. Aber was genau sagt das nun über meine Eignung für ein Studium aus? Gar nichts! Und deshalb wäre es so sehr an der Zeit, etwas an diesem System zu ändern. Ein besser Arzt wird nicht, wer während der Schulzeit von dominanten Eltern zu Höchstleistungen gedrillt wurde und ein besserer Jurist ist man dadurch ebenfalls nicht. Chancengleichheit ist an der Reihe. Und das gilt im übrigen auch für die geschundenen Kreaturen, die mit 18 Jahren so gar keine Lust auf ein Studium haben. Alles ist möglich und Schulnoten sind nunmal für den Arsch. 

Quartett mal anders

Ich hatte ja schon öfters meine ausgesprochene Leidenschaft für alles Medizinische erwähnt. Ich mag menschliche Körper und deren Funktionen. Ich mag alle Ausnahmen, die die Natur sich einfallen lässt und zudem mag ich es die Lateinischen Begriffe für alles mögliche zu kennen und wenn es sich anbietet auch die jeweiligen Arzneien. Ach! Was wäre ich ein guter Arzt geworden! 

Gestern ergatterte ich eine Rote Liste 2017. Für die Leihen unter uns, die Rote Liste ist das jährlich erscheinende Nachschlagwerk für Arzneimittel. Es ist ein dickes Buch, mit dünnen Seiten und kleiner Schrift, und sie ist eben rot. Ich hatte schon ein Exemplar von 2012. Dieses gehört seit etwa zwei Wochen zum Portfolio des A-Hörnchens und so war die Freude über das Buch bei uns beiden riesig! Eben spielten wir dann Quartett. 

58 023, sagt dann der eine und der andere sucht. Sincronium 100mg, sagt dann der eine und der andere Pravastatin AL 10 mg. Gewonnen hat der, der die höhere mg Zahl hat, oder denen Buchstabe später im Alphabet kommt. Sonderregel: Zäpfchen loosen immer! 

Das ging eine ganze Weile so, Auge um Auge; Zahn um Zahn.  Es ist so schön wenn man jemanden hat, der einen versteht!! Und so leben wir jetzt in einer eigenen Welt, in der Advantan echt übel ist, 


dies hier hingegen richtig gut. 


Und das mieseste was einem so passiere kann ist definitiv das hier:

Die nette Frau am Telefon

Ich rufe beim Arzt an und schildere der netten Auszubildenden am Telefon mein Problem:“ Ich habe viel Blut im Urin und bekomme Fieber. Außerdem habe ich starke Schmerzen.“ Die junge Frau am Telefon bittet um einen Moment und bietet mir dann einen Termin in 9 Tagen an. Entsetzt betone ich mit Nachdruck, dass ich wirklich krank sei und mich sehr schlecht fühlte. Erneut bittet sie um einen Moment und bietet dann einen Termin in 6 Tagen an. 

Ich atme ruhig ein, ruhig aus und teile ihr mit:“Ich habe eine bakterielle Infektion der Harnwege. In sechs Tagen werden bestimmt auch die Nieren betroffen sein. Zudem habe ich Fieber, was ein deutliches Zeichen für eine akute Inektion ist. Ich brauche schnelle Hilfe!“ Die Dame am Telefon wirkt plötzlich wie wachgerüttelt und antwortet:“Können Sie jetzt gleich kommen?“ 

60 Minuten später verlasse ich die Praxis, mit einem Rezept für’s Antibiotikum und der Erkenntnis, dass die Nieren bereits betroffen sind. Wird alles wieder gut. Hätte ich aber auf die junge Frau am Telefon gehört, hätten meine armen Nieren sicher einiges mitmachen müssen. Und was lernen wir aus diesem Mist? Dass es zu wenig Ärzte im Lande gibt, und dass man die arme, kleine Azubine im 1. Ausbildungsjahr lieber nicht allein am Telefon lassen sollte. 

Pfeiffersches Drüsenfieber 

Öfter mal was Neues.. Die kleinen Hörnchen fiebern nun den 8. Tag; hoch und ausdauernd. Heute waren wir erneut beim Doc um es abklären zu lassen. Und so wurde heute aus einem harmlosen Infekt das, ebenfalls harmlose aber irre nervige, Pfeiffersche Drüsenfieber. Für uns heißt das, dass die Symptome noch einige Tage anhalten können und die Hörnchen unter Umständen noch einige Tage ganzschön abgeschlagen sein werden. 

Ich habe großes Mitleid mit den kleinen, erschöpften Kreaturen. Beide sehen wirklich krank aus und schleppen sich so durch den Tag. Ich würde es ihnen  so gern abnehmen. Nicht auszudenken, wie es mir nach acht Tagen hohem Fieber gehen würde; warscheinlich wäre ich nur noch ein Zombie. Arme kleine Mäuse! Hoffentlich ist das bald vorbei. Das 

Zu früh gefreut 

Letzte Woche telefonierte ich mit unserem Kinderarzt; nur um etwas wegen A-Hörnchen’s Asthma zu besprechen. Im Gespräch erwähnte er, dass wir uns ja diesen Winter wenig gesehen haben und ich sagte euphorisch:“Ja! Dieses Jahr sind alle fit, der Kelch ist an uns vorüber gegangen.“ Mahnend sprach der Doktor, ich solle so etwas niemals sagen

aber es war zu spät. 

Letzte Woche Mittwoch bekam B-Hörnchen Fieber. Donnerstag hatte C-Hörnchen Halsweh. Samstag morgen kotzte das A-Hörnchen und bekam Fieber. Gestern, am Montag schien einmal kurz alles still; bis heute das B-Hörnchen wieder fieberte, und ich D-Hörnchen krank aus der Kita holte. Wir sind verflucht. Ich hätte etwas so dummes niemals sagen dürfen. Nun sind wir verflucht. 

Der Kinderarzt 

Heute waren wir routinemäßig beim Kinderarzt. Hinterher besprach ich mit dem C-Hörnchen weshalb die Menschen so zum Arzt gehen. Krankheit, Vorsorge,… C-Hörnchen analysierte die Lage genau. Dann erkundigte sie sich nach dem alten Mann in der Praxis. 

Nach einigen Fragen wusste ich, dass sie den Kinderarzt selbst meinte, und wollte nun wissen, was denn mit ihm wäre. C-Hörnchen schaute besorgt und sagte:“Ist der auch krank?“ Ich verneinte lachend und schloss das Thema im Geiste ab. C-Hörnchen grübelte kurz weiter und fragte dann:“Aber warum geht der dann zum Arzt?“

Liebe Tochter; danke für das Gespräch!!

Organisationstalent 

C-Hörnchen hat heute einen Arzttermin. Statt um drei muss ich sie dafür um eins aus der Kita abholen. Nach meiner Rechnung war alles super: Das Mittagessen ihrer Gruppe endet gegen 13.10 Uhr. Wegen mir hätte sie sich halt etwas beeilt oder den Nachtisch ausgelassen. Passt schon, ich sah keinen Handlungsbedarf, außerdem wollte ich mein kleines Mädchen nicht durcheinander bringen. 

Als ich um 13.00 Uhr den Kindergarten betrat, grinste mich C-Hörnchen’s Erzieherin freudig an. C-Hörnchen hätte etwas umdisponiert. Anstatt um halb eins mit ihrer Gruppe, beschloss sie um zwölf mit der 1. Gruppe zu essen. Da diese nach dem Mittag eine Ruhestunde hält, organisierte sie außerdem, dass ein Erzieher mit ihr und wenigen anderen Kindern raus geht, da sie ja unmöglich zum Arzt könne, wenn sie in Ruhe wäre. Somit fand ich ein gut sortiertes C-Hörnchen, satt und fertig angezogen vor. 

Unnützes Wissen XI

Wusstet ihr…

… was Hellenologophobie ist?

Bei dieser wunderbaren Angsterkrankung hat der Betroffene Angst vor der griechischen Sprache und griechischen Fachausdrücken. Sicherlich im Alltag weniger dramatisch, ein Jura-oder Medizinstudium würde ich aber eher nicht anstreben.