In materiellen Dingen

A-Hörnchen hat ein sehr hohes Hochbett. Oben ist ein Bücherregal eingebaut, in dem er seinen Hausstand unterbringen kann. Da das Hörnchen ja leider allergisch gegen Hausstaub ist, ist es aber notwendig dort oben halbwegs Ordnung zu halten, so dass ich dort regelmäßig putzen kann. 

Vorhin kroch ich auf der Matratze herum um ein frisches Laken aufzuziehen, was ich sehr nett von mir finde, da fielen mir Dutzende Stifte und Zettel ins Auge. Ich sagte von oben herab:“A-Hörnchen, hier ist wieder alles voller Kram!“ Ich machte mich auf den Rückweg und erwartete Protest. Da erklärt mein Sohn mit in die Hüften gestemmten Händen:“Hast du mal darüber nachgedacht, dass das Zeug da in echt gar nicht ist und immer nur dann materialisiert, wenn du da oben bist?“ Ich fiel fast von der Leiter und dachte ich höre nicht recht. Lautes Lachen unterdrückend bat ich ihn noch schnell das Problem trotzdem zu lösen da erklärte er:“Wie soll das gehen? Ich sehe ja gar kein Problem!“ 

Klug, frech und echt schlagfertig! Was soll ich da denn noch zu sagen. In Zukunft bezieht er sein blödes Bett selber. Und vielleicht hat er ja Glück und in Zukunft materialisieren sich Bettlaken. 

Gemein zu mir 

Manchmal neige ich zur Folter. Nicht etwa dazu andere zu foltern, nein. Ich traktiere mich selbst; mit gnadenlos übertriebenem Perfektionismus. 

Die Sache ist in etwa so: Bin ich bei anderen zu Besuch, stört mich auch  das größte Chaos nicht. Ich kann über alles hinweg sehen und lüge wirklich nicht wenn ich sage:“Ist doch egal, ich fühle mich wohl.“ Im Gegenteil, ich mag ein gewisses  Durcheinander und finde es macht oftmals grade den Charme einer fremden Wohnung aus. 

Anders mit verhält es sich mit meiner Wohnung. Die hat, zumindest wenn sie gesehen wird, immer tip top zu sein und ich schäme mich gern in Grund und Boden wenn etwas nicht so ist wie ich es von mir selbst wünsche. Nun sein wir aber mal realistisch: Es ist immer irgendwas, in schlechten Phasen sogar ziemlich viel, und so mache ich es mir selbst sehr schwer einen Besuch einfach zu genießen. Am liebsten würde ich um ihn herum putzen um zu signalisieren:“Ja ja, ich weiß; aber ich arbeite dran!“ 

Das paradoxe, bin ich in einem gestylten super-sauber Haushalt zu Besuch, fühle ich mich oftmals viel weniger wohl, da ich chronisch Angst habe etwas schmutzig zu machen oder durcheinander zu bringen. Was mache ich mir das Leben schwer, weiß ich es doch sogar. Ich sollte mir einen Therapeuten suchen. Oder einfach mal mein Hirn ausschalten und den Bauch benutzen. 

Scheiß drauf!

In zwei Tagen ist Klassenfahrt. A-Hörnchen darf sein Schnitzmesser mitnehmen. Er hat drei davon: Ein obligatorisches Schnitzmesser mit fester Klinge und Lederscheide (doof und peinlich), ein klassisches Schweizer Taschenmesser (ganz nett) und ein Leatherman (Hammer!!). Es war also schnell entschieden, der Leatherman soll mit auf Tour. Gar nicht so einfach wie sich rausstellte. Das gute Stück befand sich im Schuppen im Sprint. Leider hat der blöde Papa im Letzten Herbst drei Bänke und den Gartentisch vor den Spint gestellt, so dass A-Hörnchen seinen Schatz nicht erreichen konnte.

Nun, heute war dann Großkampftag. Papa und Hörnchen haben in harter Gemeinschaftsarbeit die ganzen Möbel aus dem Schuppen in den Garten geochst. Alles schwere Vollholzmöbel, aber es hat geklappt. Nach einer Stunde kam er endlich an seinen heißbegehrten Spint. Erwartungsvoll und siegessicher zugleich öffnete er die Tür. Er stieg auf einen Podest um ins obere Regal des Spintes gucken zu können, und da lag es.

Kein Messer.

Wo das blöde Ding jetzt ist, weiß der Kukuk. Im Zimmer, im Garten, im Keller, im… „Ach scheiß drauf“, sprach das Hörnchen! „Ich nehm´ das normale Schnitzmesser mit!“

Der Gewinner des Abends

Jeder der glaubt, Steuererklärungen seien ätzend, der hat noch nie den Papierstau einer größeren Familie sortiert, der binnen dreier Jahre anfällt. 

Aaaaaaaaarrrggghhhh!! Fest steht: Nun hab‘ ich Rücken! Stundenlanges auf dem Fußboden kauern und Zettel von A nach B schieben steht mir nicht. Nein nein. Und überhaupt, wo auf all den Bescheiden und Rechnungen und bla bla bla steht überhaupt, was man wie lange aufbewahren muss. 

Was soll ich sagen, wer mir nicht sagt wie lange er bleiben will, der rutscht auf den Altpapierstapel. Der ist somit der Sieger des Abends. Mein Rücken der Verlierer, und meine Buchhaltung so sortiert wir die Socken bei der Bundeswehr. Und nu ist Zapfenstreich. 

Spätschicht

Etwa alle 10 Wochen werden ich, meine Nerven und meine Fähigkeiten im Familienmanagement arg auf die Probe gestellt. Etwa alle 10 Wochen hat mein Mann für sieben Tage Spätschicht. Dann geht er um 12 und kommt wenn alles erledigt ist. 

Tatsächlich ist es jedes Mal wieder eine Herausforderung. Ich bin recht verwöhnt, regulär ist der Menne um 17.00 Uhr zu Hause. Klar muss ich dann auch kochen und machen und tun, aber summarum teilt sich alles durch zwei. 

Alle zehn Wochen halbiert sich das Arbeitsaufkommen dann aber nicht. Überraschenderweise bleibt es gleich und dann habe ich das Gefühl, dass es einfach nicht aufhört. Alle abholen, den Nachmittag mit müden Kindern, kochen, evtl. Kinder wieder einsammeln,  räumen, Essen, weiter räumen, zu Bett bringen, Unmengen von Dreck beseitigen, noch weiter aufräumen, hier und da noch mal gute Nacht sagen, Wäsche legen; 

und wie von Zauberhand kommt dann der Herr des Hauses wenn alles erledigt ist.  Bestimmt nicht mit Absicht, aber bestimmt auch nicht mit Unbehagen.  

Er hat „ok“ gesagt. 

Heute war hier Groß-Kampftag. Alle vier Kinderzimmer glitzen und glänzen; das ist bei weitem nicht immer so. 

Tatsächlich nehme ich es meistens nicht so übergenau mit der Ordnung im Kinderzimmer. Ein angefangenes Legoschiff, eine halbfertige Pferdewelt. Das ist wertvoll und gehört erhalten; wie zB die Puppenküche mit angegliedertem Restaurant. So kommt es, dass regelmäßig ein halbwegs liebenswertes Chaos entsteht, welches dann ja doch irgendwann zwecks saugen und wischen bereinigt werden muss. 

Heute war es dann also soweit. Wie immer sollten alle mit anfassen, und wie immer war das Unterfangen bei den Grossen als fester Tagesordnungspunkt geplant. Keine Verabredungen, keine Ausreden. Putztag. 

Und dann geschah pünktlich um 16.00 Uhr das Unglaubliche. Ich rief A-Hörnchen aus dem Garten rein und er antwortete mit einem knappen ‚ok‘ und kam rein. Das habe ich noch nie erlebt.   

Ganz aus Versehen 

Meinen Großen ist heute ein Versehen passiert. 

Ganz aus Versehen haben sie alle Kisten in C-Hörnchens Zimmer ausgekippt. Ganz aus Versehen haben sie alles im ganzen Zimmer verteilt. Ganz aus Versehen sind sie auf den Sachen herumgetrampelt und haben somit ganz aus Versehen die Schwester und ihr Eigentum mit Füßen getreten. 

Brrrrrrr!!! Man bin ich sauer. Wozu bringe ich euch Respekt und Achtung bei wenn sowas folgt. Argh!! Warum machen die sowas??

Die kommenden Tage wird dann wohl aufgeräumt und sortiert. Und hoffentlich verstanden warum Mama so enttäuscht war!

Heimliche Liebe

Ich habe eine Liebschaft. Eine Affäre, eine grosse Liebe. Ob mein Mann davon weiß? Ich weiss es nicht.

Der Angebetete? Kein er, nein. Eine zauberhaft, chaotische Sie. Jung, stürmisch, unkompliziert. Zauberhaft einfach!

Wer sie ist? Sie…

… sie ist die unterste Schublade in meinem Küchenschrank.

Ich habe das große Glück, eine große und moderne Küche mein eigen zu nennen. Alles was ich brauche, oder nicht brauche, kann ich in grossen, komfortablen Schubladen und Karussell-Schränken unterbringen. Kein Problem also. Na ja, bis auf das ich leider unfähig bin, in diesem schönen, großen Schubladenparadies Ordnung zu halten. Der eine oder andere hat sie schon mal aufgeräumt, ich finde sie dann auch kurz recht neckisch. Aber eigentlich ist es das Chaos was mich reizt. Der Kleingeist hält Ordnung… und so liebe ich weiterhin mein kaum zu bändigende Chaos in meiner geliebten Schublade. Brotdosen, Tortenplatte, Tupper, Handtücher, Schürzen,… Hach, Sie weiß was ich mag!!