Ich sehe dumme Menschen

Unter der Woche bin ich eine Meisterin der Abgrenzung. Schlimme Schicksale, Grausames, Trautiges – alles mögliche läuft durch meinen Kopf. Fast alles bleibt auf der rationalen Ebene, wird analysiert und dann mit dem Problemträger bearbeitet. Das ist mein Job, so läuft der Hase. Im Herzen oder zu Hause kommt von all dem wenig an. Dadurch, dass ich die Dramen des Alltags ohne emotionale Färbung behandle, kann ich sie zu Feierabend da lassen, wo sie hingehören: Im Büro.

Im Privaten geht beides. Ich agiere in der Regel aus dem Herzen, höre zu, leide mit und berate als Freundin. Fast nie schalte ich die Analystin dazu, denn als Freund erwartet man selten eine Analyse der eigenen Problemlage. Abgrenzung ist hier kaum nötig, meine Freunde sind Teil meines Lebens und gehören somit fest in meinen Alltag.

Und dann laufen wir eben durch den Supermarkt, so einen großen lauten hässlichen doofen Supermarkt, und ich realisiere, dass ich offenbar neben all den Dramen auch all meine Schutzmechanismen im Büro gelassen habe. Ohne jeden Filter prasselte die Dummheit, die Ignoranz, die Hetzte und all der Stress der Menschen auf mich ein. „Ich sehe dumme Menschen! Die sind wütend und dir wissen nicht, dass sie dumm sind!“ schoss es mir durch den Kopf hab ich wusste nicht, ob ich heute nicht auf Leben kann, oder ich wirklich Teil einer Apokalypse geworden war. Schutzlos beendete ich das Unterfangen „Einkauf“, vergraben im Pullover und dennoch ausgeliefert. Menschen sind so hässlich wenn man genau hin sieht, so griesgrämig, boshaft und gemein. Alle scheinen einander zu hassen und ich hoffe, dass das nur in diesem Laden so war, oder nur heute oder eben nur in meinem Kopf.

Warten

Wisst ihr was auf der ganzen weiten Welt das ist, was ich am schlechtesten kann? WARTEN! Und trotzdem habe ich immer wieder den strengen Eindruck, dass ich den Großteil meines Lebens nichts anderes tue. Ich warte auf Hörnchen, Freunde, Entscheidungen und alles nur erdenklich andere, auf das man so warten kann.

Warten. Warten macht mich madig, misslaunig und lässt mich stellenweise an meiner blanken Existenz zweifeln. Warten heißt keine Zeit zu haben was sinnvolles anzufangen. Warten heißt ausgeliefert zu sein und darauf zu warten, dass der andere Zeil des Konstruktes den Startschuss gibt endlich loszulegen. Warten ist ätzend!

Als kluger Mensch würde ich jetzt anderen raten, sich etwas kurzweiliges, nettes zu tun zu suchen um die Zeit angenehm zu überbrücken. Das klünge für mich nach einem guten Plan; außer wenn ich schon warte. Denn wenn ich erst mal am warten bin, dann blockiert klug und wird sofort und postwendend durch bockig ersetzt. Und so bleibt am Ende wieder nur das blanke, hässliche, unattraktive warten.