Ohne Auto

Seit gut 6 Jahren nennen wir einen großen, blauen Bulli unser eigen. Mit sieben Plätzen und allerlei Chichi ist er wirklich komfortabel. Ohne Probleme transportiert er uns sechs sowei auch große Lasten und alles mögliche andere. Manchmal steht er 5 Tage rum, in anderen Wochen nutzen wir ihn mehr. Urlaub haben wir bisher immer mit dem Auto gemacht, es war ja da.

Neben all dem großen Komfort ist unser Auto, das wir liebevoll das Mammut nennen, leider auch sehr teuer. Der große Dieselmotor kostete einiges an Steuern im Jahr, außerdem ist er mit rund 10l/100km sehr durstig. Auch die Versicherung ist nicht ohne. Zudem ist das Mammut leider von Anfang an recht wartungsintensiv. Um es zu sagen wie es ist: Es hat ständig was. Die irrsten Defekte findet dieses Auto und die Reparaturkosten belaufen sich immer im vierstelligen Bereich. Ohne Übertreibungen, das Mammut frisst uns die Haare vom Kopf.

Wir leben in einer Grossstadt. Alle täglichen Wege funktionieren problemlos ohne Auto. Für den Einkauf konnte ich mir ein Lastenrad vorstellen, ebenso für allerlei Ausflüge innerhalb der Stadt. Der Badesee liegt vor der Tür, unser Kleingarten ist gut zu erreichen usw. Auch andere Verpflichtungen oder Gimmiks wie Ärzte, Schwimmbad, Theater etc. sind per Rad oder wenigstens mit Öffis zu erreichen. Car Sharing gibt es hier natürlich, jedoch gibt es bei den umliegenden Stationen keinen 7- oder 9 Sitzer, was die Sachen etwas humpeln lässt.

Was für mich unkalkulierbar bleibt sind spontane Ausreißer. Ein Besuch bei meiner Schwester, 100km entfernt, gerät plötzlich zum mittleren Staatsakt. Klar geht das mit Zug, jedoch nicht so mal eben. Unser Urlaubsmuster müsste sich massiv verändern und einige Freizeitaktivitäten neu durchdacht werden. Was ich sehr am eigenen Auto liebe, ist die große Unabhängigkeit. Man kann machen was man will.

Ganz genau überlegt, kann ich das ohne Auto auch. Es wäre anders, manches müssten wir anders planen und manches wäre ein wenig unständlicher. Anderes würde sich deutlich entspannen; erst heute stand ich in größter Zeitnot viel zu lange in einem völlig unnötigen Stau.

Und dann bleibt da noch die grüne Seele. Wir verzichten auf Plastik wo es geht, essen fleischreduziet und haben selbstverständlich grünen Strom. Täglich liegen wir den Kindern in den Ohren sich über das Ausmaß ihres Handelns bewusst zu sein und ökologisch zu denken. Und dann, fahren wir mit dem Auto Oma und Opa besuchen; 5 km entfernt und perfekt via Straßenbahn zu erreichen. Schon dumm.

Möge die Schlacht beginnen

Übermorgen fahren wir in den Urlaub. Die zwei bis drei Tage zuvor heißt das für mich, einen größeren, strategischen Einsatz durchzuführen. 

Die Gegner:Platz, Chaos und most of it all: Kinder die meinen es besser zu wissen. Ich selbst bin inzwischen halbwegs routiniert. Der Bedarf ist in Listen zusammengefasst; was wo rein kommt, ist easy. Die Finesse für dieses Mal: Wir fahren auf eine autofreie Insel, das heißt: Das Gepäck muss so kompakt sein, dass es von uns als Fußkolonne zu bewältigen ist. Bollerwagen, Buggy und Rollkoffer sollen es richten. 

Weitere Finesse: Die Lebensmittel auf dem Eiland sind so teuer, dass ich es anstrebe, möglichst viel mitzunehmen. Sportlich, wenn man Finesse 1 bedenkt. 

Zuletzt muss das logistische Meisterwerk auch noch in unser Auto passen. Zwar ein Bus, jedoch ein sehr kurzer. Somit haben wir im Urlaub jedesmal das Problem, dass nach dem Einzug der Hälfte aller Dinge EIGENTLICH kein Platz mehr ist. Aber auch dieses Problemchen wird sich wieder lösen lassen. Zur Not lasse ich einfach ein Hörnchen hier. Die bringen sowieso alles durcheinander.