Regeln und Raufen

Ich finde schon, dass ein paar Regeln sein müssen. In einem gemeinsamen Haushalt finde ich es wichtig, dass alle sich wohl fühlen. Hierdurch kommen gewisse Absprachen zustande, die zB. Lautstärke oder Ordnung betreffen. Ich möchte nachts schlafen, zumindest fast immer, deshalb sind wir nachts leise. Damit nicht einer alles aufräumen muss, räumt jeder seins und da keiner geschlagen werden möchte, schlägt keiner – so einfach kann es sein. Ich bezeichne diese Gattung von Regeln als „Regeln des Zusammenlebens“, sie sind eine Art Grundfeste, haben viel mit Respekt und Wertschätzung zu tun und sind elementar für’s Zusammensein.

Eine weitere Gattung von Regeln sind die „Autoritären Regeln“. Diese stülpe ich meinen Kindern über, weil ich meine sie schützen zu müssen und davon ausgehe, dass der Horizont der Hörnchen nicht ausreicht um das Corpus Delikti richtig einzuschätzen. Ein Beispiel hierfür wäre das C-Hörnchen, das mit sechs Jahren gern wahnsinnig knappe Kleider getragen hätte, die ihren Popo rausgucken lassen; ohne Hose. Sie fand das schick, ich unverantwortlich. Zwar versuchte ich dem Hörnchen klar zu machen, was meine Beweggründe sind, wollte, dass sie meine Entscheidung versteht, war aber in keiner Minute bereit von meinem Standpunkt abzuweichen.

Die dritte Gattung an Regeln sind die, die ich als Verhandlungsmasse bezeichnen würde. Die Uhrzeit, zu der man zu Hause sein soll, ob man noch Fernsehen darf oder ob es eine Scheibe Käse auf die Hand gibt. Jeden Tag gibt es hunderte dieser kleinen Situationen, in denen ich eine Meinung habe und das Hörnchen eine andere. An diesem Punkt sehe ich es als meine Aufgabe das Anliegen auf die genannten autoritären Regeln sowie die Regeln des Zusammenlebens zu überprüfen. Fällt es nicht in eine dieser Kategorien, ist es wert darüber nachzudenken. Das Hörnchen lernt zu argumentieren, sich für seine Sache stark zu machen. Ich lerne meinen Standpunkt zu überprüfen und ihn gegebenenfalls zu korrigieren. Denn in 90% der Anliegen gibt es keinen guten Grund meine Meinung als Manifest zu sehen; im Gegenteil. Fast alles kann man von verschiedensten Seiten betrachten und wieso sollte die eigene immer die beste sein? Im Zweifel für den Zweifel – denn vom Ja-sagen ist noch keiner ein großer Denker geworden.

Unter Beobachtung 

Zum Abschluss des Tages waren wir heute mal essen. Ganz fein, in ’nem echten Restaurant. Mit sitzen am Tisch und halber Lautstärke. Alles easy, ich weiß, dass sowas mit meinen Hörnchen mal geht und somit habe ich mich sehr auf lecker essen gefreut. 

Und so sitzen wir da, in freudiger Erwartung auf das Essen, und dann kommt die Leitung unserer Kita rein. Egal, unwichtig, nebensächlich? Nee! Da hat man die Rechnung aber ohne meinen Perfektionismus gemacht. Mit vier kleinen Kindern in der Öffentlichkeit fühlt man sich eh schnell beobachtet, tatsächlich werde ich auch regelmäßig angesprochen. Positives wie auch negatives wird da einfach mal rausposaunt. (Die haben Sie aber alle ganz toll im Griff! Oder: Sind die alle vom selben Vater???) Wenn dann aber sogar so eine theoretische Autorität herein spaziert, gerate ich innerlich enorm unter Druck. 

Was soll ich sagen, alle Hörnchen waren großartig, ich bestimmt auch und somit werden wir nicht Thema  der nächsten Dienstbesprechung sein. Glück gehabt, oder hätte ich dich ganz einfach ruhig bleiben können?