Als ich ein Baby war

D-Hörnchen hat unsere Familie gemalt. Eine große, dicke Mama mit dem D-Hörnchen im Bauch, das A-Hörnchen daneben. Am Rand des Bildes steht Papa. Auf meine Nachfrage, wo denn die Mädels waren, erklärte er mir, die waren noch in Papas Beutel.

D-Hörnchen mit seinen vier Jahren ist hochgradig am menschlichen Körper interessiert. Da er fragt und fragt und fragt, hat er schon eine rudimentäre Vorstellung davon, wo Babys herkommen. Rudimentär bedeutet in diesem Fall: Der Papa hat etwas um Babys zu machen, die Mama hate etwas und wenn die beiden es zusammen legen, ist das Baby in Mamas Bauch. Für die Praxis heißt das in etwa, dass die Papas die Babys im Beuel, also im Hoden, tragen und immer wenn eins kommen soll, geben sie es der Mama zum fertig machen.

Ich liebe Kinderlogik. Alles wird so zurcht geschoben, dass es am Ende irgendwie Sinn macht. Zudem finde ich es immer wieder erstaunlich, dass Kinder genau so viel fragen, wie sie vertragen können. Ganz langsam und vorsichtig tasten sie sich vor, immer genau in ihrem Tempo ohne ihre kleinen Seelen zu verletzen.

WarzenBrust

Beim Anziehen steht das D-Hörnchen mit nackigem Oberkörper vor mir. Er blickt an sich runter und nimmt die 99 cm kritisch in Augenschein. Nach einigen Sekunden des Innehaltens sieht er mich an und fragt mit kritischer Miene: „Warum haben Jungs Warzen Brust?“ 

Ich fand das eine ungemein kluge Frage, wenn auch irgendwie putzig formuliert. Wir hatten in letzter Zeit viel über Babys und Stillen und Milch und Brüste gesprochen. Auch das D-Hörnchen weiß jetzt bestens Bescheid. Nur dieses eine kleine Bisschen hatte er noch nicht verstanden; sehr berechtigt wie ich finde! Um eine sinnvolle Antwort geben zu können musste ich googeln, was ich dem Hörnchen das erklärte war in etwa: „Eigentlich sehen Mädchen und Jungen halt fast gleich aus; am Anfang im Bauch kann man noch keinen Unterscheid erkennen. Und da Brustwarzen keinem schaden, habe eben beide welche bekommen.“ D-Hörnchen fand das zum Glück ausreichend, denn mit Evolution möchte ich bei nem Dreijährigen dann doch noch nicht loslegen. 

Muddies

Ich habe mit jedem der Hörnchen verschiedenste Babygruppen besucht; Pekip, Babymassagen verschiedenster Art und Schwimmkurse. Bei all diesen Veranstaltungen trifft man auf verschiedenste Muttis mit denen man gut und gern auch nach dem Kurs noch einen Kaffe trinken geht. In aller Regel verfliegen diese oberflächlichen und von Stillproblemen geprägt Bekanntschaften irgendwann nach dem ersten Geburtstag der Kinder, spätestens aber mit dem beruflichen Wiedereinstieg der Mütter. Um es kurz zu machen, ich habe viele kommen und gehen sehen. 

Mit dem C-Hörnchen besuchte ich einen Kurs für Indische Babymassage. Sieben Mamas, sieben Babys und immer auch ein Kaffee danach. Dann bald auch ein Frühstück und ein Spaziergang. Dann, als der Kurs vorbei war private Treffen. Wöchentlich hockten wir im größten Chaos zusammen und jammerten über Kilos auf den Hüften, durchwachte Nächte. Wir schimpften über Männer und irgendwann über Arbeitgeber. Wir stillten ab und griffen beinah synchron wieder zur Zigarette. Der erste Sekt wurde celebriert ebenso wie der erste gemeinsame Urlaub. Sieben Kleinkinder und sieben Mamas in einem Haus. 

Im folgenden Jahr feierten wir Schwangerschaften und beweinten Trennungen. Trotz Umbruch und allgemeinem beruflichem Neuanfang bleiben wir uns treu.  Seltener aber ungebremst. Den Sommer krönte ein weiterer Urlaub. 

Inzwischen sind die Babys fünf Jahre alt, viele von ihnen sind große Geschwister geworden. Wir Muttis haben viel durch; neue Jobs, neue Wohnorte, neue Häuser. Trennungen, neue Liebe und so manch eine Kriese. Die Truppe ist geblieben. Sieben Muddies und inzwischen 14 Kinder treffen sich wann immer es klappt, feiern was zu feiern ist und betrauern was betrauert werden muss und produzieren das große Chaos mit der allergrößten Leidenschaft. 

Muddies! Ihr seit die besten!! Definitiv, für immer!! 

babys 

Manchmal frage ich mich ob ich jemans aufhören werde traurig zu sein wenn ich Schwangere oder Babys sehe. Also, ich bin das nicht immer und in freue mich für und mit jedem, der ein Baby bekommt, aber manchmal zwickt es. Und manchmal kullern Tränen. 

„Diese Kinderkriegerei hat es schon in sich!“, das hat meine Hebamme mal gesagt. Sie meinte damals die körperlichen Beschwerden. Ich meine immer mal wieder den Suchtfaktor. Schwanger sein ist Schwerstarbeit, Neugeborene pflegen auch. Und trotzdem könnte ich gut und gern nochmal. Diese zauberhaften Monente, dieser unfassbar Hormon-getränkte Zustand, in dem man einzig und allein aus Liebe und Bindung besteht ist es einfach alles wert. Immer wieder. 

Sicher, das trifft nicht jeden so hart. Manch einer ist nach einer Geburt kuriert, anderen reichen die Monate der Schlaflosigkeit, die ein Kind mit sich bringt. Ich für meinen Teil bin schwerstabhänig. Na ja, und was soll ich sagen? Mein Mann ist es nicht. Und so kamen wir zu dem Kompromiss: Drei mal ist Bremer-Recht, vier mal ist auch nicht schlecht- und das muss reichen. So ist er nicht vollkommen chronisch gestresst und ich muss halt ab und zu weinen. Schnieff 

Bäume

Ich gehe mit den Hörnchen durch den Park. C-Hörnchen fragt:“Wie sehen eigentlich Bäume mit drei aus?“ Ich suche etwas und zeige ihr einen jungen, vielleicht 3-4 Jahre alten Baum. C-Hörnchen fragt weiter:“Wie sehen Bäume mit fünf aus, wie mit sechs,…?“  Den ganzen Weg über vergleichen wir Bäume. So finden wir Baby-Bäume, Mama-Bäume und sogar Oma- und Opa-Bäume. Plötzlich hielt C-Hörnchen inne:“ Mama! Aber die Babys sind gar nicht bei ihren Mamas!“ 

Da wurde mir klar, dass mein kleines Mädchen keine Ahnung hat, wo die kleinen Bäume herkommen. Also gab es etwas Nachhilfe in Baumkunde. Kastanien werden zu Kastanienbäume, Eicheln zu Eichen und aus Apelkernen werden Apfelbäume. Und dann war es dem Hörnchen auch ganz klar, warum die Babys so weit weg von den Mamas wohnen; eben weil die Menschenkinder immer alles wegtragen. 

Anschließend haben wir einen Apfelbaum im Topf gepflanzt. Hoffentlich glückt das Projekt.