Berlin III

Nach drei Tagen in der Hauptstadt, sind unsere Füße platt und unsere Herzen voller Eindrücke. Wir haben unglaublich viel erlebt und so viel gesehen. Ein alleiniges Highlight für alle Hörnchen war das U-Bahn fahren. Die großen Bahnhöfe, die vielen Menschen und das Rumpeln der Züge im Tunnel haben die Hörnchen tief beeindruckt; ins besondere dem C-Hörnchen hat es glatt die Sprache verschlagen. Und dennoch waren die U- und S-Bahnen sowie die Doppeldecker Busse nur Mittel zum Zweck; sie brachten uns von A nach B.

Und was wir alles sagen! Neben den klassischen Sehenswürdigkeiten Brandenburger Tor, Siegessäule, Alex, Gedächniskirche, Europa-Center und Bundestag, schlenderten wir gemütlich durch Kreuzberg und den Görlitzer Park, fanden dort einen Kinder-Bauernhof und einen Spielplatz, besuchten das Legoland Berlin und die Körperwelten. Außerdem waren wir an der East-Side-Gallery und haben den Bahnhof Zoo inspiziert. Jeden Tag haben die Hörnchen mit ihren kurzen Beinen viele Kilometer gerissen, hunderte Fragen gestellt und viel gelernt.

Als besonders Highlight besuchten wir an einem Abend noch den Red Carpet der Filmpremiere zu „Once upon a time in Hollywood“ und mit mehr Glück als Verstand sahen wir Brad Pitt, Leonardo DiCaprio und Quentin Tarentino an uns vorbei latschen. Ich fand’s cool!

Im Vorfeld hatten viele Menschen angezweifelt, ob es so klug ist mit vier (kleinen) Kinder so einen Urlaub zu planen. Ich zweifelte nicht, war aber dennoch gespannt. Nach den Tagen kann ich klar sagen: Das geht!! Die Hörnchen sind wahre Großstadt-Tiere. Sie waren umsichtig, interessiert und sind nicht einmal verloren gegangen. Selbst das übliche Gequengel hielt sich stark in Grenzen, war das Programm doch so interessant.

Berlin II

Aus Kostengründen nächtigen wir in der Jugendherberge, zusammen mit ca. 100 Jugendlichen. Die Teens auf Ausreise sind ein beschauliches Volk. Sie treten in Kleingruppen auf und essen im Rudel. Zum Frühstück und Abendbrot müssen wir dringend vor ihnen kommen, sonst geht für 60 Min. nichts; das kann man organisieren. Ansonsten ist es ein wenig wie ein großer Rückblick in eine vergangene Welt.

Kichernd schieben sich vier bis sechs Mädchen in HotPans über den Flur, irgendwas ist ja immer erstaunlich komisch. Zeitgleich verlässt eine Gruppe angehender Bartträger ein Zimmer. Lauthals tun sie kund, dass Digga noch nicht ferddisch is und der annere, alda noch scheissen gehen muss. Einer verbirgt eine offenbar geschmuggelte Dose Bier unter dem Shirt; zu auffällig. Die Mädchen kichern sich weiter Richtung Tür und der verlassen den Flur außer Atem, ohne ein vollständiges Wort gesprochen zu haben.

In den Toiletten stehen sie, ganz ohne Übertreibungen, Wache wenn eine mal Groß muss. „Achtung!!“, piept eine und die andere unterbricht offenbar hektisch, während mein Hörnchen die danebenliegende Kabine bezieht und laut kundtut, wie genau die riesige Kaka-Wurst aussieht, die sie da produziert. Die Teens sind unbeeindruckt.

Beim Essen sind sie sich alle einig, egal ob Junge oder Mädchen: „Fick dich Alder, ich ess nur Nachtisch!“ blökt ein Prolo vom 1.45 m durch den Speisesaal und meine Hörnchen stimmen alle zu.

Berlin I

Kaum eine Stadt hat mich so sehr bewegt wie Berlin. Also junge Jugendliche fand ich den Gedanken abzuhauen und in Berlin mein Glück zu suchen mega. Punk am Bahnhof Zoo; zum Glück habe ich mich nie getraut. Als junge Erwachsene war ich öfters in Berlin. Hier mal ein Wochenende, da mal ’ne Demo, ich versuchte möglichst viel der Stadt in mich aufzunehmen, genoss den Beat, die schlechte Luft und die vielen Menschen. Berlin machte mich lebendig.

Mit 23 war ich dem Ziel ganz nah; ein Studienplatz in Berlin. Die Sache war klar; Umzug und glücklich sein. Wenige Tage später erfuhr ich, dass ich mit dem A-Hörnchen schwanger bin. Wir entschieden uns gegen Berlin. Ein Medizi-Studium mit Baby, fernab von Familie und allem was man kennt – das traute ich mir nicht zu. Berlin war Geschichte. Seit 13 Jahren war ich nicht da. Bereut habe ich es nie, dennoch frage ich mich ab und zu wie es wohl geworden wäre…

Heute, 13 Jahre, vier Kinder und ein Leben später, sitzen wir im Zug nach Berlin. Die Hörnchen wollen die Hauptstadt sehen und ich kann es nicht erwarten ihnen meine geliebte Großstadt zu zeigen. Mein Herz schlägt mir bis zum Halse und ich kann es kaum erwarten. Berlin Berlin, wir fahren nach BERLIN!! Endlich.

Berlin

Berlin, was bist du geil! Zugegeben, mein politischer Gesist hat in den vergangenen Jahren arg gelitten. Vor allem der aktive Teil liegt furchtbar brach. Gesten wurde mir das mehr als bewusst. Die Afd rief zum Demo und alle kamen. Linken, ganz linke, mittel linke, mittlere, Omas, Mamas, Papas, Studenten, Arbeiter und eben jeder, der sonst keinen Bock auf rechte Scheisse hatte. Und ich, ich bedaure es sehr nicht da gewesen zu sein!!

Doch folgen wir einmal der Berichterstattung. Gestern demonstrierten zwischen 2000 und 5000 Anhänger und Unterstützer der Afd in Berlin; wir erinnern uns – peinliches Demogeld und so. Auf der anderen Seite, und das ist ganz und gar nicht peinlich, demonstrierten zwischen 25.000 und 75.000 Menschen gegen den Hass – und für die Liebe. Friedlich, mit friedlichen Mitteln und satten Worten. Quer durch alle sozialen Schichten, jedes Alter und Geschlecht war man zusammen gekommen um gegen den rechten Stumpfsinn ein Fest zu feiern. Kein Hass, keine Gewalt. Gemeinsam ging es gegen das, was wir zur genüge hatten – rechten Rotz der keinem nutzt außer sich selbst.

Ziele des Terrors

Stunden nach dem Unglück in Berlin will das Land geschützt werden. Poller sollen um die Weihnachtsmärkte, und Polizisten. Am besten Polizisten mit Pollen. Und Maschinengewehren. Und Hunden! Vergesst nicht die Hunde. Möglicherweise, so kommt es einem vor, ist doch die mangelnde Sicherheit an allem schuld, oder wer? In Zeiten von Angst, Panik und Unsicherheit werden Lösungen gesucht und zur Not an den Haaren herbei gezogen, aber helfen Poller gegen Terror? Und wenn nicht, was hilft denn dann gegen den Terror?

Terror ist ein Machtmittel. Das Ziel des Terrors ist es das Sicherheitsgefühl der Menschen anzugreifen, sie aus der Reserve zu locken und somit für einen so empfundenen Missstand zu sensibilisieren. Die Toten und Verletzten bei den Anschlägen sind nur Beiwerk, quasi ein Kolateralschaden der Aufmerksamkeit. Die Ziele, also das World Trade Center, der Marathonlauf oder die Promenade in Nizza, werden ausgewählt, weil sie eine breite Fläche bieten und besonders schockieren. Es geht viel weniger um die Anzahl von Toten und Verletzten, vielmehr sind diese das in Kauf genommene Resultat der getroffenen Wahl. Die entführten Flugzeuge vom 11. September folgen nicht aus dem Grund in die Twin Towers weil dort besonders viele Menschen sterben würden. Die vollbesetzten Flugzeuge wurden zur besten Geschäftszeit in die Türme geflogen, weil die vielen Toten, Verletzten und die allgemeine Katastrophe besonders viel Aufmerksamkeit erregen würde. Die Gestorbenen und Verletzten werden somit zum Mittel zum Zweck, sie werden eingesetzt um uns abzuschrecken, uns Angst zu machen und uns davon abzuhalten unbeschwert zu leben. Wir selbst halten den Terror so am Leben, wir lassen ihn Teil unseres Lebens werden, Teil unseres Alltags und füttern ihn somit jeden Tag.

Was hilft also gegen den Terror? Poller und Polizisten sind es ganz bestimmt nicht! Gegen den Terror hilft es, ihn am Arsch zu lecken, ihn zu mißachten und ihn verhungern zu lassen. Angst sollen wir haben, starr sollen wir sein, zu erschrocken um zu denken, zu furchtvoll um zu leben. Unser Weihnachten will man uns verderben und uns in Trauer fangen. Drauf geschissen! Liebe Menschen, lebt weiter. Trauert um die Toten, pflegt die Verletzten und feiert das Leben. Wir sind freie Menschen und haben nichts zu verstecken. Geht auf Konzerte, besucht Weihnachtsmärkte und Einkaufszentren und lebt das Leben. Liebt eure Lieben und seit einfach besser.

Der Terror ist offenbar Teil unseres Lebens, so wie Zahnschmerzen und Norovieren. Aber mal im Ernst, denken wir an Wurzelbehandlung und Magen- Darm- Infekte wenn wir grade gesund sind? Haben wir jeden Morgen Angst davor Zahnschmerzen zu bekommen oder Spucken zu müssen? Im Leben nicht. Lasst uns unsere Wunden lecken, die Krankheit auskurieren und dann weiter leben. Und der Terror, dieser fiese Infekt, schlägt eh wieder dann zu, dann wenn wir ihn nicht erwarten. Denn Terror ist kreativ! Und wenn wir jetzt alle Weihnachtsmärkte mit Pollen umstellen, dann wird das nächste Ziel ein anderes sein. Der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt. Der nächste Anschlag wir kommen. Trotz aller Vorkehrungen, trotz Hände waschen und zähne putzen. Keiner weiß wann, was oder wo. Er wird Menschen töten, verletzten und in Angst und schrecken versetzten. Er wird uns schockieren und wir werden trauern. Und dann sollten wir weiter leben. Frei und unbeschwert.

Berlin 

Nun also Berlin. Die Gerüchteküche kocht. Terror, überall Terror, zumindest heißt es das. „Der Terrot ist in Deutschland angekommen!“ heißt es, ebenso wie neulich in München. Und wieder erhält man den Eindruck es wäre gradezu schick auch endlich Terror zu haben. Denn Terror gehört jetzt dazu. 

Um die wesentlichen Fakten zusammenzufassen: Was auch inmer, warum auch immer; es ist schrecklich. Menschen sterben, andere sind verletzt. Kinder verlieren Eltern, Eltern verlieren Kinder,  Freunde verlieren Freunde. Die Gedanken sollten den Betroffen und den Verletzten gehören, nicht dem Terror. Denn genau das ist die Nahrung des Terrors: Angst und Entsetzten! Terror muss im Gespräch sein, Terror muss präsent sein und er muss Angst machen. Je größer und lauter die Angst, desto größer die Panik, desto perfekter der Terror. 

Letztlich spricht ebenso viel für Terror wie für zwei 15-jährige, die nen LKW geklaut haben. Ebenso viel spricht für einen betrunkenen Fahrer, der aus Angst vor den Koseqzenzen geflohen ist. Auch ein Amok sollte wieder in Betracht gezogen werden, und die Dummheit. Vergesst niemals die Dummheit, denn ihr habt es mit Menschen zu tun.