Heulen hilft!

Wie warscheinlich die meisten Kinder, haben auch meine Hörnchen, rund um das dritte Lebenjahr, eine Phase, in der sie versuchen alle möglichen Belänge mittels der Tränendrüse durchzusetzen. Der Menne und ich sind uns da zum Glück einig: Heulen nützt nichts und sprechenden Menschen kann geholfen werden. Mit einem gewissen Maß an Konsequenz und Nerven haben wir die bisherigen drei Heul- und Trotzphasen gut geschafft. Bis heute..

Es war Abschlussfest in C-Hörnchens Kita-Gruppe. Ein Spiel wurde gespielt, in dem je eine Familie  einige  Schätze aus einem Eisklotz bergen sollte. D-Hörnchen regte sich wahnsinnig auf, weil er keinen eigenen Eisblock bekommen hatte. Er schrie und heulte und zeterte und veranstaltete einen riesen Zirkus. Ich erklärte ihm in gleichbleibenden Worten, dass wird den Einblock teilen müssten und schenkte meine Aufmerksamkeit den emsig arbeitenden B- und C-Hörnchen. Nachdem D-Hörnchen etwa 5 Minuten lang getobt hatte und ich immernoch die Ruhe selbst war, passierte das Unglaubliche: Eine Erzieherin brachte dem tobenden Hörnchen einen eigenen Eisblock, und lehrte ihm somit: Heulen hilft!
Doch damit nicht genug. Später im Nachmittag wurden Schultüten an die zukünftigen Schulkinder verteilt. In einer schönen Zeremonie wurden die Kinder verabschiedet und den Erziehern gedankt. D-Hörnchen tobte erneut! Er wollte auch eine Tüte, koste es was es wolle. Abermals erklärte ich in ruhigen Worten den Sachverhalt und erklärte, dass NUR die Schulkinder eine Tüte bekommen würden. Als ich grade dabei war das tobende Kind aus dem Raum zu bringen, um den Moment nicht weiter zu stören, passierte es erneut: D-Hörnchen bekam eine ‚Und-heulen-hilft -doch-Schultüte‘. Ich hätte schreien können; bin gespannt wie länger er sich DAS merkt. Was lernen eigentlich Erzieher so?

1000er Faltbuch

Gesten Abend war ich auf dem Elternabend vom großen Hörnchen. Die Mathelehrerin berichtete, dass die Kinder zum Beginn des 3. Schuljahres ein ‚1000er Faltbuch‘ fertigen sollten, um sie auf den Zahlenraum bis 1000 einzustellen. Die Mutter eines lieben Mädchens, direkt neben mir, griff in den Ordner ihrer Tochter und förderte ein wunderschön, akkurat gefaltetes kleines Heft zu tage. Die Lehrerin lobte, wie schon das Kind diese Arbeit ausgeführt hatte. Motiviert vom Lob griff auch ich in den Materialordner meines Sohnes.

Ich griff in etwas gnüddeliges. Dann zog meine Hand einen knüddeligen Haufen heraus. Mein Sohn hatte offenbar etwas weniger Motivation sich diesem Thema zu nähern. Das Büchlein war kaum ausgefüllt und wenig gefaltet. Der Lacher der anderen Eltern war auf meiner Seite und auch die Lehrerin konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Und ich nahm die Situation als mein ganz persönliches Lob. Nur zu gut kann ich mein Hörnchen verstehen. ICH hätte da auch keine Lust zu gehabt.

Ich legte ihm sein Heftchen wieder in den Ordner  und machte eine kleine Notiz dran:

„Toll, wie gut du schon falten kannst. Mama:“