Bittere Enttäuschung

Heute morgen teilte ich den drei großen Hörnchen mit, dass ich länger arbeiten müsse und nicht zu Hause sei, wenn sie aus der Schule kämen. Das Entsetzen hielt sich in Grenzen, die drei tuschelten irgendwas und waren zufrieden. Zwischen dem Kichern hörte ich deutlich die Worte „Fersehen“ und „Süßigkeiten“. Alles klar, dachte ich mir. So kann es sein.

Tja, manchmal kommt es anders und so weiter. Meine letzte Klientin kam nicht, die Arbeit war unerwartet früh zu Ende und so war ich einige Minuten vor meinen Kindern zu Hause. Unerhört!

Als erstes kam das A-Hörnchen ins Haus. Beim Anblick meiner Schuhe quäkte er laut: „Was willst duuuu denn hier??“. Begeisterung hört sich anders an, dachte ich noch bei mir und rechtfertigte meine ungeplante Anwesenheit. „Ja toll! Wir wollten was machen…“ jammerte er mit hängenden Ohren, als die zwei Mädels das Haus betraten. „Oh neee, Mama!“, motzte auch das B-Hörnchen wenig begeistert.

Und so saß ich da, mit meinem Talent und meinem Nudelauflauf. Unerwünscht wie eine Zahnwurzelentzündung, vollkommen überflüssig. Ich ergriff die Initiative und machte einen fairen Deal: „Ich esse noch schnell auf, danach fahre ich lange einkaufen und dann hole ich langsam das D-Hörnchen!“

Gerettet. Als ich laaaaange 50 Minuten später kam war es still im Haus. Etwas überdeutlich rief ich „Haaalllloooo“ beim reinkommen und 30 Sekunden später kamen sie alle drei; breit grinsend. „Wir haben gespielt!“, erklärte das C-Hörnchen schmunzelnd und ich entgegnete: „Na ein Glück habt ihr nicht heimlich ferngesehen!!“

Nichts ist cooler als wenn Brüder und Schwestern sich gegen mich verbünden. Ich feiere diese kleinen Momente sehr und lege sie sorgfältig in meinem Kopf ab – für die Momente, in denen sie sich weniger cool finden.

Von Brüdern und Schwestern, anders

Das Einrad des B-Hörnchens wurde lange und intensiv von ihr benutzt. Die letzten Monate lag es allerdings staubig im Keller. Vor kurzem entdeckte das C-Hörnchen das Rad, begann zu üben. B-Hörnchen war außer sich vor Wut. „Das ist meins!“. Benutzen wollte sie es dennoch nicht.

Alle spielen zusammen Lego im Wohnzimmer. Urplötzlich beschließen die drei großen Hörnchen, dass D-Hörnchen nur die hell grünen Steine benutzen darf, raffen alles zusammen und lassen ihm alle sieben hell grünen. Die Begründung: Das ist so. Das Ergebnis: Literweise Tränen und lange Diskussionen.

Der Bau einer tollen Höhle im Wohnzimmer ist 45 Minuten lang super und artet binnen Sekunden zu einer beinahe-Keilerei mit fiesesten Beschimpfungen aus. Den Auslöser kennt schon Minuten später keiner mehr, aber alle hassen sich gegenseitig und spielen nie nie nie wieder miteinander.

„Komm wir spielen alle zusammen Schule!“ sagt das A-Hörnchen und alle zusammen laufen sie freudig nach oben. 46 Sekunden später heult das C-Hörnchen bittere Tränen. Sie durfte nicht mir rein, sie ist heute nicht alle.

Im Garten gibt es eine Schaukel – ein gewagtes Unterfangen mit vier Kindern. Denn wann immer ein Kind schaukeln möchte, wollen es die andern urplötzlich auch. An den 8-10 Tagen zwischen den Events möchte nie jemand schaukeln. Um auch ja der erste zu sein, rennen sie dann mit ohne Schuh und oder halb angezogen raus und binnen einiger Augenblicke heulen alle vier.

Am Esstisch erzählt jeder von seinem Tag; aus der Schule, von Begegnungen und die wichtigsten Erkenntnisse. Usus hierbei ist der stete Klugschiss. Sagt einer die Ampel war rot, weiß ein anderer sie war grün. Sagt einer stolz das Alphabet auf englisch, verbessert ein anderer irgendwas. Jeder weiß alles – besser!

Nachdem ich gestern von den wunderbaren Momenten zwischen meinen Hörnchen erzählt habe, möchte ich heute auch die andern Momente nicht vergessen. Täglich mehrfach, vielfach und manchmal dauernd gibt es nämlich auch Streit. Denn jeder hier ist einzigartig und das ist manchmal ganzschön anstrengend.

Von Brüdern und Schwestern

Das D-Hörnchen liegt krank im Bett, bebt vor Kälte und Schüttelfrost. Ich muss schnell runter, seinen Tee und das Fieberthermometer holen. Als ich wieder komme ist das C-Hörnchen unter seine Decke geschlüpft, wärmt ihn mit ihrer Körperwärme und liest ihm vor, so wie Zweitklässler lesen. Er genießt und genest. 39,8 Fieber und die beste Medizin ist seine Schwester.

B-Hörnchen schläft allein bei Oma. Als sie los will, schon mit Hut und Mantel da steht, geht sie zu ihrer Schwester, breitet sie Arme aus und halt sie ganz lange ganz fest. „Tschüss C-Hörnchen!“ presst sie heraus, als würden sie sich wochenlang nicht sehen. Danach geht sie zum D-Hörnchen, verwuschelt ihm liebevoll das Haar und hält auch ihn ganz fest. „Tschüss mein Baby-Vogel“ flüstert sie ihm ins Ohr und geht dann; für ganze 23 Stunden.

Als das A-Hörnchen sich vor der Klassenfahrt von seinen Geschwistern verabschiedet, liegen sich alle vier weinend in den Armen und beteuern ihre Liebe.

Beim Einkaufen mit A- und B-Hörnchen will ich den beiden und mir je einen Kinderriegel kaufen. Für beide ist klar, dass wir den Kleinen dann aber welche mitbringen müssen.

Auf dem Spielplatz sitzt das A-Hörnchen inzwischen bei mir auf der Bank. Plötzlich steht er auf und erklärt ohne Umschweife:“Ich muss mich mal eben um die Mädels kümmern!“ Seine Schwestern wurden auf dem Kletterturm von zwei Jungs genervt. Binnen Sekunden war Big Brother auf dem Turm und wies die Jungs galant verbal in ihre Schranken.

Im Schwimmbad gab es eine Schwimmmatte und eine Gruppe von vier älteren Jungs, die diese über Stunden nicht rausrücken wollten. Dann schloss sich meine Gang zusammen. „B- und C-Hörnchen, ihr taucht ran, das könnt ihr richtig gut. Zieht denen die Beine weg. Ich greiff dann die Matte wenn die überrascht sind und kletter schnell rauf. Ihr kommt dann hoch und wir paddeln schnell weg. Und D-Hörnchen, du schwimmst und die rum und kreischt. Das nervt die dann so, dass die abhauen!“ plante A-Hörnchen und eine Minute später spielten meine Kinder zu viert mit der Matte.

Ich kann es nicht anders sagen, die sind einfach toll. Jeder für sich und alle zusammen!

Gute Gründe zu streiten…

Die Hörnchen essen Datteln. B-Hörnchen legt einen Dattelkern zu den anderen Dattelkernen auf den Tisch und bemerkt:“Oh, der hat ’ne Nabelschnur!“. Eigentlich ist alles gesagt, aber auch D-Hörnchen muss etwas über den von ihm abgekauten Kern sagen und deutet auf einen. Das wiederum bringt das A-Hörnchen auf die Palme, ist doch der genannte Kern in Wirklichkeit seiner. So streiten sie; welcher ist der schönste und von wem stammt er wohl.

Ich bin fassungslos und beende das Drama vor der absoluten Eskalation. Als die Wogen sich gerade glätten beginnt C-Hörnchen ihre Bananenchips zu zahlen: „Ich habe neun Banananchips!“, teilt sie mit und so starten wir in eine neue Runde…

Hörnchen hat…

In etwa jeder zweite Satz eines Hörnchens beginnt so:“Mama, Hörnchen hat…!“ …hat geärgert, hat geschrien, hat gehauen, hat weggenommen,… Alle haben sie und alle machen sie es selber. Schon bei dem Beginn eines solchen Satzes stellen sich mir die Nackenhaare auf und ich habe schlagartig schon keine Lust mehr zuzuhören. Hat hat hat, immer wieder und vor allem immer wieder die selben banalen Dummheiten.

Vorhin waren A-, B- und C-Hörnchen Inliner fahren im Park. Abends ging der Menne sie einsammeln. Als das C-Hörnchen auf ihn zu fuhr, quäkte sie schon von weitem:“Papa!! A-Hörnchen hat..“. Der Menne schaltete augenblicklich auf Durchzug und bekam zum Glück dennoch mit, dass C-Hörnchen den Satz mit folgenden Worten beendete:“… mir beigebracht wie man bremst!“

Es ist so wundervoll wenn sie sich verstehen! Und ganz genau betrachtet tun sie das ziemlich oft. Nun ja, ebenso ziemlich oft streiten sie auch, zugegeben. Aber tief im Herzen, da haben sie sich lieb.

Für Immer!!

„Wollen wir Winter spielen?“ fragt das D-Hörnchen seine Schwester. C-Hörnchen entgegnet ein kurzes „nein“ und will schon gehen. Da baut sich das D-Hörnchen drohend vor ihr auf und zischt: „Dann bin ich nicht mehr dein Bruder!“ C-Hörnchen denkt herrisch die Hände in die Hüften, setzt ihr klügstes Gesicht auf und erklärt: „Du bist immer mein Bruder. Sogar wenn du weggehst! Immer mein kleiner Bruder.“ D-Hörnchen schießt das Wasser in die Augen, verzweifelt schluchzt er: „Ich bin nicht klein!“ , C-Hörnchen aber holt zum finalen Schlag aus und fügt noch hinzu: „Hier wirst du immer der ganz kleine sein; kannst Papa fragen!“

D-Hörnchen zuckt. Eine Sekunde hält er inne, danach werden seine Gesichtszüge ernst und kraftvoll. Er sieht zu seiner großen Schwester auf, fixiert ihr Gesicht und schmettert ihr entgegen: „Hnd dafür wirst du hier immer die Doofste sein!“

Von Brüdern und Schwestern

Im Kinderbett ganz oben liegt das fiebrige D-Hörnchen. Es geht ihm miserabel, die Medikamente wirken noch nicht so recht. Ganz unten, drei Treppenhäuser entfernt, sitzt das C -Hörnchen in der Badewanne; fertig. Das Abendessen müsste gemacht werden und ganz nebenbei sollte der Koffer für die bevorstehende Klassenfahrt noch gepackt werden. Kein Menne weit und breit, keine Aussicht auf Unterstützung. Innerlich beginne ich zu kapitulieren, von den Aufgaben, vor dem Stress, aus Mitleid und überhaupt. Wie ein Geschenk des Himmels kommt da das B – Hörnchen hinein. 

Sie kriecht unter die Bettdecke des D- Hörnchens und sag mir: „Ich kuschel ihn warm! Du kannst andere Sachen machen gehen.“ Reich beschenkt verlasse ich das Kinderzimmer, Erlöse das C – Hörnchen, packe den Koffer und mache Abend essen. Eine halbe Stunde später kommen alle Hörnchen gut gelaunt zu Tisch. B -Hörnchen hat ihren kleinen Bruder noch vorgelesen und ihm wohlige Wärme gespendet, so dass er nun entspannt zu Abendessen konnte.

Szenenwechsel. Wir kommen an den Treffpunkt zur Klassenfahrt. Die Lehrer sind schon anwesend, ansonsten wenig Eltern und Kinder. Ich begrüße die Lehrerschaft und das B- Hörnchen beginnt aufgeregt ihren Koffer von A nach B zu stellen. Eine Lehrerin beginnt freundlich zu berichten, sie hätte kürzlich neulich auf dem Schulhof schon die kleinere Schwester kennen gelernt. Sie habe sich aus der Ferne gefagt, welche Mädchen dort so innig miteinander wären. B-Hörnchen habe dann erklärt, dass das Mädchen in ihren Armen das C-Hörnchen,  ihre kleine Schwester wäre.

Gibt es etwas schöneres, als zu sehen, zu hören und zu erleben, dass die eigenen Kinder sich lieben? Diesen Momenten weiß ich, dass ich alles richtig gemacht habe. Auch wenn ich manchmal vor lauter Aufgaben, Stress und Mitleid gar nicht weiß wo mir der Kopf steht.

Induktiv schlecht gestimmt 

Der Trend des Sommers: Wendepailletten! Der des vergangenen Winters übringebs auch, und der des kommenden. C-Hörnchen ist ebenfalls infiziert und trägt ihr Shirt mit Stolz. Und sie erklärt regelmäßig und in wichtigem Tonfall, dass das Shirt ihre Stimmung wiedergegeben kann. So wie diese Ketten, nur anders. 



Silber ist gute Laune, bunt ist schlechte Laune. Halb und halb ist mittelste Laune und all die Abstufungen sind eben andere Laune. Soweit so Logisch! 

Nun stand die Frage im Raum, ob denn das C-Hörnchen das Shirt entsprechest Laune designed, es also deduktiv funktioniert, oder ob das Shirt induktiv die Laune des Hörnchens bestimmt. C-Hörnern war empört und gab knapp zu verstehen, dass natürlich SIE das Shirt bestimmt und war beleidigt. A-Hörnchen könnte das nicht auf sich sitzen lassen und wischte mit einer flinken Bewegung alle Pailletten von Silber (gute Laune) auf bunt (schlechte Laune). Eine Sekunde später weinte das C-Hörnchen wütende Tränen. A-Hörnchen triumphierte: „Siehte‘! Das T-Shirt verändert sich und du bist schlecht gelaunt!!“

Kleine Brüder von großen Schwestern

Wenn wir Fahrrad fahren spielen wir Bibi und Tina, laufen wir durch den Wald machen wir einen Ausritt und steigen wir in den Bus, reiten Sabrina und Amadeus stets hinterher. Schon seit Jahren leben meine Töchter im Bibi und Tina Universum. B-Hörnchen ist Tina, C-Hörnchen ist Bibi. Ich muss immer die Mama spielen, die kann zwar schlecht singen aber ist immerhin nett. Kompliziert wird es wenn ein drittes Kind hinzu kommt. Das muss dann Alex sein – und das will in aller Regel keiner. 

Eben stritten C- und D-Hörnchen im Kinderzimmer. Ich habe keine Ahnung was sie dort taten aber irgendwie gab es Streit. Dann zog D-Hörnchen alle Register und sprach die ultimative Drohung aus:“C-Hörnchen! Wenn du nicht machst wie ich sage, dann bist du Alex!!!“ Denn so drohen kleine Brüder, die immer Alex sein mussten.