Verteidigung

9/11 – man hatte kein pathetischeren Datum finden können um die Erhöhung des Verteidigungshaushaltes zu beschließen. 4 Milliarden mehr für’s Militär. Das seien rund 2% wirbt die Regierung.

2% also, aber wovon eigentlich. Naheliegend wäre ja der gesamte Haushalt, der jedoch stellt sich ganz anders dar:

Satte 38,5% des Gesamthaushaltes veranschlagt die Bundesregierung 2018 für Verteidigung. Das klingt viel, und natürlich viel mehr als 2%. Eine höhere Zahl müsste also her und was liegt da näher als das Bruttoinlandsprodukt zu bemühen – liegt doch der Zusammenhang zum Volk und seiner Produktivität quasi auf der Hand.

Das Bruttoinlandsprodukt ist der Wert aller Waren und Dienstleistungen, die innerhalb des Landes binnen eines Jahres produziert werden; also all das, was die Bewohner des Landes herstellen, investieren, von ihrem Geld in alles mögliche umsetzen usw. Ein Wert also, der deutlich machen soll, wie erfolgreich ein Volk so ist und wie produktiv die Wirtschaft ist. Tatsächlich ist das BIP ein träger Wert. Hohe Krankenstände zB wirken sich zwar in den Betrieben stark aus und erzeugen hohen Leidensdruck, im BIP ist das Bundeweite Desaster jedoch nicht zu sehen. Die Kompensation der Missstände findet im kleinen statt, in Betrieben, in Familien und vielleicht in der Kommune. Eine Zahl wie das BIP misst nur die schiere Masse, nicht den Preis, den ein Volk dafür gezahlt hat.

Und was das nun alles mit dem Verteidigungshaushalt zu tun hat? Nichts! Natürlich hat der Bundeshaushalt das Potential das BIP zu steigern, sicher haben auch viele Haushalte das Potential die Menschen zu stärken, es ihnen zu erleichtern Leistung zu erbringen, jedoch hakt es hier ungemein. Soziales, Familien, Gesundheit, Bildung, Landwirtschaft,… Jeder der Bereiche hat zu wenig, weist ein enormes Entwicklungspotenzial auf und eben die Möglichkeit den einzelnen zu stärken. Statt aber in die gefühlte Sicherheit, die individuelle Lebenssituationen der Menschen zu investieren, hat man sich für die Verteidigung entschieden. Vor wem? Nun ja, die Frage bleibt letztlich offen. Terror, Menschen auf der Flucht, den anderen eben. Vor all denen, die wir nicht kalkulieren können, vor denen wir uns schützen sollten. Und so triggers die Regierung weiter die Angst, die Hikflosigkeit und all das und unterstreicht die Tatsache, dass wir am Arsch sind.

Radfahren für den Frieden

Seit Wochen treffen wir morgens, auf dem Weg zum Kindergarten, eine Gruppe Soldaten in Uniform; auf Fahrrädern. Seit Wochen sprechen D-Hörnchen und ich darüber, was die machen und wozu die da sind. Soldaten. Ein Mysterium für einen vierjährigen, der nur den Frieden kennt. Soldaten kämpfen, so wie bei Star Wars. Sie sind die Guten und sollen und anderen Menschen beschützen, wenn die Bösen kommen. Wer die Bösen sind, fragte das Hörnchen. Mit der Antwort:“Na so welche wie Darth Vader eben.“ ließ er sich nicht abspeisen. Die Bösen also. Nun ja, die Bösen sind auch Soldaten, aber Soldaten von den anderen eben.

D-Hörnchen ist erst vier, und manches ist ihm noch unbegreiflich. Dennoch verstand er blitzschnell, dass wenn es Gute und Böse Soldaten gibt, es dann ganz schwer festzustellen ist, welche welche sind. „Die anderen finden unsere Soldaten böse, oder?“, versicherte er sich. Ja, so ist es wohl. Am Ende sind sie eben alle lieb oder alle böse oder alle Mittel. Es kommt doch sehr auf den Standpunkt an, und plötzlich zeigt sich, wie gnadenlos banal und sinnlos Krieg ist.

D-Hörnchen fragte mich noch viel über den Krieg, das Kämpfen und den Sinn darin. Wir konnten keinen finden, was soll auch sinnvolles dabei sein, wenn die Soldaten der einen die Soldaten der anderen tot machen und alle anderen, die keine Soldaten sind sich auch weh tun. Zum Schluss quittierte D-Hörnchen das Thema mit der Feststellung:“So lange unsere Soldaten immer nur Fahrradtour machen, ist bestimmt alles in Ordnung!“ Ich mag den Ansatz. Was soll an so einer allmorgendlichen Radtour schon falsch sein. Wenn das alle so machen würden, wäre die Welt ein bisschen besser.