Der Aufstieg und Fall…

„Vier Kinder, Haushalt und dann noch arbeiten, toll wie du das alles schaffst!“

Ich weiß nicht wie oft ich dieses Satz schon gehört habe, hunderte Male bestimmt, vielleicht mehr. Der Grund ist banal: Offenbar bin ich enorm gut darin, es aussehen zu lassen als würde ich alles gut schaffen. In Wahrheit gibt es verschiedenste Phasen und ich durchlaufe sie zyklisch.

Phase eins: Alles ist gut.

Ich arbeite ein wenig nebenher, so 20h die Woche schaffe ich gut. Im Haushalt hilft mir eine Putzhilfe, die Kinder machen wenig Ärger, wenn aber doch etwas anfällt, habe ich Zeit um aufkommende Probleme aufzufangen und alles zu lösen. Ich bin zufrieden und habe alles unter Kontrolle.

Phase zwei: Ein bisschen geht noch

Ich entlasse die Putzhilfe weil ich mir komisch dabei vorkomme gelegentlich nichts zu tun zu haben. Selber putzen ist cool, ich mache das gern. Ich hab ja schließlich alles unter Kontrolle und was macht schon ein bisschen Haushalt. Easy

Phase drei: Noch ein bisschen

Ich bin nach wie vor nicht überlastet und komme so auf die gute Idee auf der Arbeit Stunden aufzustocken. Ein paar mehr, vielleicht 5 oder sieben. Ich gelobe wie sehr ich meinen Job liebe und wie gut es mir tut etwas eigenes zu haben.

Phase vier: Auslastung

Ich bin bis zum Ärgsten ausgelastet. Das System läuft. Wie ein Uhrwerk balanciere ich 28,5 Wochenstunden, Überstunden, Haushalt und all das große drumherum. Ich verfalle in den Zombie-Modus, funktioniere unter Hochdruck und lächle diverse Probleme geschickt weg. Nach außen habe ich alles unter Kontrolle, innen beginne ich schlecht zu schlafen, höre auf zu essen und bekomme Magenschmerzen.

Phase fünf: Ende

Der Heldenmodus ist nicht mehr aufrechtzuerhalten, ich knicke ein. Diese Phase dauert zwischen drei Stunden und mehreren Wochen. Ich verliere den Überblick, habe allen Fraktionen gegenuber ein schlechtes Gewissen. Die Kinder kommen zu kurz, der Job auch. Das Haus verdreckt und ich kacke körperlich ab. Geht es dann aufs Finale zu, bin ich ein weineneder Haufen Fleisch, der gerettet werden muss.

Heute ist Ende 5. Ich habe in den vergangenen Monaten einige Stunden für eine Kollegin in Elternzeit übernommen, nebenher geht es in der A-Hörnchen Schule heiss her. Energie leer, bitte um Rettung. Und nein, ich schaffe das nicht alles; zumindest nicht lange.

Stress im Kopf

Sehr gern würde ich einen klugen oder wenigstens lustigen Beitrag verfassen. Und je mehr ich über das mögliche Thema nachdenke, desto größer wird die Suppe in meinem Kopf. Bevorstehende Ereignisse mischen sich mit kleinen Anekdoten der Kinder, mischen sich mit to do-Listen und allerlei anderem. Jeder Gedankenstrang endet im Chaos und aus dem selbigen ragt ein nächster. Nervig ist es allemal, wenn man nichts auf die Kanne bekommt, aber was tun? Die Lösung, zumindest in meinem Einzelfall, heißt: Stressabbau. Die vergangenen Wochen waren ein harter Ritt, das Leben war recht anspruchsvoll. Stress ist das Resultat und der setzt uns Menschen zu.

Kurzfristig betrachtet ist Stress ein Segen. Eine temporäre Anspannung macht den Menschen leistungsfähig. Hohe Mengen von Cortisol werden ausgeschüttet, der Körper setzt zusätzliche Zuckerreserven frei, Hirn und Muskeln arbeiten auf Hochtouren. Das war praktisch um dem Säbelzahntiger zu entkommen und bewährt sich auch heute, zB. vor wichtigen Terminen.

Anders ist es mit langfristigem Stress. Denn verweilt der Körper über einige Tage oder sogar Wochen in Anspannung, beginnt das Cortisol ihn zu schädigen. Ins besondere in Verbindung mit Adrenalin sind zwar zunächst noch minimale Höchstleistungen möglich, letztlich baut der Körper aber immer schneller ab. Der Schlaf beginnt schlecht zu werden, schließlich sind chronisch alle Antennen auf Empfang geschaltet. Durch die Überstimulation des Körpers werden auch zB. Talgdrüsen oder andere Hormonsysteme getriggert. Unreine Haut oder Zyklusstörungen sind die Folge, genau wie Stimmungsschwankungen. Der Appetit weicht dem Glauben, keine Zeit zum Essen zu haben, der Körper gerät in Unterversorgung. Schlafmangel und Nährstoffmang führen zu neuem Stress. Wird dieser Zustand eine Weile aufrechterhalten, was der Körper mühelos kann, beginnt das Cortisol sich auch im Hippocampus bemerkbar zu machen. Es blockiert die Strukturen, die für Gedächtnis und Konentration zuständig sind. Auch weniger anspruchsvolle Denkoperationen sind plötzlich anstrengend. Man beginnt Dinge zu vergessen, braucht viel mehr Energie um weiter zu funktionieren. Auch diese Probleme bereiten Stress.

Am Ende der Spiale steht das, was man als Burn Out kennt. Ein ausgebrannter Mensch, der sich selbst der Produktivität und dem „funktionieren müssen“ geopfert hat. Ich selber bin in den letzten Wochen irgendwo in Stufe zwei verloren gegangen. Nun, da meine Stressoren weitestgehend ausgeschaltet sind, gilt es runter zu fahren. Ein ausgeglichenes, gutes Leben ist hier zielführend. Meine Bedürfnisse von den Stressoren abzugrenzen, einen Gang runter zu schalten und im Notfall halt mal was nicht zu machen sind gute Ansätze, die mit Sicherheit wirken – wenn man früh genug beginnt.

The Weekend 

Inspiriert von einem Artikel aus dem Guardian (Who killed the weekend) möchte ich heute meine Wochenenden beweinen. Lange dachte ich, dass ich es vor allem bedaure am Montag so gerädert zu sein, tatsächlich aber sind Montage eben Montage. Das Problem sind die wenig erholsamen Wochenenden, all die Vorgaben und das Gefühl in diesen zwei Tagen alles nachholen zu müssen, was man in den ersten 5 nicht geschafft hat. Am Wochenende machen die Hörnchen ihren Schwimmkurs, wir kaufen ein und treffen uns mit Freunden, die wir unter der Woche nicht sehen können. Wir hechten von Event zu Event und erledigen das alles am besten noch mit einem selbstgebackenen Kuchen und Bulletten im Gepäck. Wir sind adrett und gut gelaunt, pünktlich und ausdauernd. Nicht zu vergessen die Tatsache, dass es unter der Woche kaum zu schaffen ist zu putzen und die Wäsche zu machen. 

Meine wahren Bedürfnisse am Wochenende? Ganz einfach eigentlich. Kaffe, Schlafanzug bis 16.00 Uhr und Essen. Raus wenn Lust, rein wenn fertig. Liebend gern mal liebe Freunde treffen, definitiv lieber simpel aus feudal. Gern auch Hausen im Dreck und .. Eben der Seele etwas Freitaum lassen. Regenerieren und den ganzen Trott, das durchgetacktete Leben und den Stress abschütteln und glücklich sein. Eigentlich, und das ist sicher, sind diese gammel-Tage die besten! Und das ganz bestimmt nicht nur für mich. Zielvorgabe für die kommenden Wochen: Üben wieder ein Wochenende zu haben. Ein stinkendes, madiges, ödes Wochenende. Herrlich! Ich freue mich jetzt schon!!! 

Von großen Kindern

Die Lebensphase, In der ich mich befinde, würde ich als so etwas wie qualvoll überlastet bezeichnen. Ich bete Durchhalteparolen an mich selbst herunter und versuchen nicht den Kopf zu verlieren. Wenn nicht Uni dann Arbeit und wenn beides fertig ist warten die Kinder   Sind die am Abend im Bett quält mich mein Kopf mit einem beispiellosem Denkmarathon. Erholung ist bitter nötig und rar. 

Heute sind die zwei kleinen Hörnchen bei Oma und Opa. Und ich fiese Unter-Mama habe einen Pakt mit dem Teufel geschlossen. Eine Stunde Baden gegen eine Stunde Fernsehen. Und so kommt es, dass ich mitten am Tag mutterseelenallein in der Wanne liege, zufrieden nichts tue und A- und B-Hörnchen zwei Treppen über mir auf dem Sofa hängen und glotzen. Egal. Und doch irgendwie cool. 

Schritt für Schritt ins Paradies

Manchmal überschlägt sich das Leben und man hat alle Mühe sich mit zu überschlagen. Vor wenigen Tagen erreichte mich die Nachricht, dass meine Bachelorarbeit korrigiert und mit 1,3 bestanden ist. Weinend vor Glück und Erleichterung war ich einfach nur froh. Am nächsten Tag meldete sich dann mein zukünftiger Arbeitgeber und die Sache nahm Fahrt auf.  Denn mein ursprünglicher Plan, bis April immatrikuliert und im Pausenmodus zu bleiben, veränderte sich in nullkommanix in die recht harte wenn auch coole Realität am 1. Februar meine erste Stelle als Psychologin antreten zu dürfen. Alles ging viel schneller als erwartet. 

Tatsächlich ging es nun so schnell, dass ich parallel arbeiten muss. Im Januar erwarten mich die letzten Referate an der Uni, am 1. Februar mein neuer Job und am 23. Februar meine letzte Klausur. Was sich nach Stress im Februar anhört ist auch im Dezember schon nicht ohne. Vorstellungsgespräch, Vertragstermine, Betriebsarzt. Das alles im Meer von Weihnachtsfeiern und Urlaubsvorbeteitungen. Ich tanze auf so vielen Hochzeiten, dass ich nur noch höchst kleinschrittig denken kann. Und zum ersten Mal im Leben bewundere ich Menschen, die „nur von einem Tag zum anderen denken“. Das gelingt mir nicht mehr. Ich denke ich Stunden, manchmal weniger. Ich denke in schritten. Und in meinem Kopf läuft in Dauerschleife Rio: Schritt für Schritt ins Paradies. Alles wird gut; am Ende! 

Ich nutze an dieser Stelle die Strunktur zur Selbstberuhigung. Ich stricke einen engen Fahrplan, der mir Sicherheit gibt und mich an alles denken lässt. Eine stupide Liste in der Hosentasche lässt mich all die Kleinigkeiten protokollieren, die ich nicht vergessen darf. Und so klappt es dann. Und immer dran denken:

Land in Sicht! Und Morgenrot weckt meine Seele auf. Ich lebe noch, und ich bin frei. Und die Tränen von gestern wird die Sonne trocknen .. und die längst verloren geglaubten, die werden von den Toten auferstehen. 

Übernommen?

Plötzlich weiß ich nicht ob ich mich vielleicht dieses Mal doch übernommen habe. Das letzte Semester hat es in sich. Ich hatte es unterschätzt, in etwa 100% seiner Inhalte. Und da ich dachte es wäre alles so locker hatte ich mir locker lustig die Bachelorarbeit gleich mit in dieses Semester gelegt. Und dann ist da noch dieser Nebenjob. Alles allein gut zu schaffen, aber im Quartett mit dem Quartett hier zu Hause…

Nach gründlicher Analyse meiner Situation habe ich beschlossen in den kommenden Monaten ein wenig die Arschbacken zusammenzukneifen. Jedes einzelne Element lässt sich nicht wirklich entschärfen und so bleibt mir nur eins: Augen zu und durch. Und sollte dieser Trip im psychischen  Waldbrand enden, kenne ich ja eine ganze Kohorte von fast-Psychologen, die mich wieder auf die Beine stellen kann. 

Ich bin nicht gut in langsam, und noch viel weniger darin einfach ein bisschen weniger zu machen. Und so passiert es, während ich  meinem Umfeld predige es langsam angehen zu lassen und an aller erster Stelle auf sich selbst zu achten, dass ich mich doch etwas in meinem Wust verzettel. Und trotzdem freue ich mich schon heute auf den Tag im März oder April 2017, an dem all das hinter mir liegen wird und ich diesen blöden Zettel bekomme, auf dem steht, dass ich es geschafft habe. 

Tretmühle 

Die Anzahl der Drogentoten in Deutschland hat 2015 um gut 18% zugenommen. Ein Skandal. Ein weiterer: Die Anzahl der Krankschreibungen wegen des sog. Burn-out Syndroms hat seit 2004 um gut 7,5%  zugenommen. 

Der eigentliche Skandal: Leben in Deutschland macht ganz offensichtlich krank, und das nicht erst seit gestern. Denn die Zahlen sprechen keineswegs nur eine Altersgruppe an, nein es werden schlicht alle krank. Die Gründe hierfür sind vielfältig und  fast jedem logisch nachvollziehbar, kennt es doch jeder der in der Tretmühle: ‚Leben und Arbeiten in der BRD‘ lebt.

Schon in der Schule müssen unsere Kinder höher, schneller und weiter. Sie werden zu Höchstleistungen getrieben, ohne Rast. Die wertvollen Jahre der Pubertät verbringen sie auf dem Gymnasium zwischen Klausuren, Training und Geigenunterricht. An den Unis geht es dank Bologna im Dauerstress weiter. 10 Semester lang auswendiglernen und bitte keine Interessen oder Persönlichkeit. Kein Zeit, kein Platz. Danach werden sie mit 24 Jahren auf den Arbeitsmarkt gekotzt. Von da an heißt es: Schaffen! Die 40 Stunden Woche, seit langem widerlegt als ungesund und ineffizient, ist Programm, dazu Personalmangel und Überstunden. Erreichbarkeit und Bereitschaft sind selbstverständlich. 

Und da denkt man sich: Wer da nicht pimpt ist selber Schuld. Denn wer diesem Druck auf Dauer standhalten möchte, dem bleiben zwei Modelle: 

1. Der langsame und unauffällige Weg in den Abgrund: Das wenig heldenhafte Burnout 

2. Das Nachhelfen; mit allem was der Markt so hergibt. Das macht dann kurz leistungsfähig, führt aber allzu oft in den anderen Abgrund, eben die Sucht. 

Gesund bleiben, das ist der dritte Weg. Was so logisch und einfach klingt, ist in Wirklichkeit immer schwieriger. Ich selber habe das Gefühl seit Jahren um mich herum Menschen abstürzen zu sehen. Manchmal frage ich mich: Wann bin ich dran? Und manchmal denke ich, ich mache alles richtig. Ich werde es erleben, und hoffentlich begreife ich es, bevor es zu spät ist. Und wenn nicht ich, dann hoffentlich jemand der mich mag. 

K-U-R

Der Trend geht zur Kur, so zumindest mein Eindruck. Mein halbes Umfeld ist oder war auf Mutter-Kind-Kur. Mal war es ein voller Erfolg, mal war es eher so lala. Und immer öfter bekomme ich den Rat, doch auch mal auf Kur zu fahren. Aber will ich das? Und vor allem brauche ich das?

Der Gedanke drei Wochen ohne Menne mit den Kindern irgendwo zu sein ist recht eigenartig. Nicht zu verachten ist auch die Komponente, dass der Menne ja dann drei Wochen ganz allein wäre; nicht gut 😉

Zusätzlich stelle ich es mir wenig entspannend vor, allein und rund um die Uhr zuständig zu sein. Vielleicht habe ich es hier zu Hause doch viel zu gut und fände es auf Kur viel schlimmer. Tatsächlich finde ich es hier zu Hause auch gar nicht schlimm. Genau genommen ist das einzige, was ich mir regelmäßig wünsche etwas mehr Schlaf. Aber ob es den auf Kur gibt? Wohl kaum. 

Nein, warscheinlich habe ich auf Kur nichts zu suchen. Ich bin beinahe gesund, meine Kinder sind es auch. Ich bin nervlich robust, gut organisiert und zufrieden. Weitestgehend, manchmal wünsche ich mir Bier in verrauchten Kneipen. Aber das gibt es auf Kur auch nicht.

Gibt es eigentlich so ne Art ‚Früher-Wochen‘ für Mütter? Eine Woche ein Leben wie früher. Schlafen, rauchen, trinken und dann wieder schlafen. Hihi, ich glaube ich habe eine Marktlücke gefunden. 

Hausfrau am Limit 

Manchmal bin ich so genervt von meinem täglichen Dasein, da kann ich mir gut vorstellen, dass so manch eine arme Faru in ihrem echt kirre wird. 

Die Blumen brauchen frisches Wasser. Vase also zur Spüle getragen. Spüle voll mit Abwasch, der in die Spülmaschine soll. Diese ist aber just mit der ersten Ladung fertig geworden und muss ausgeräumt werden. Und eigentlich muss ich doch saugen. Und die olle Wäsche legen. Und wenn ich die Blumen jetzt ins Waschbecken auskippe… Das ist aber gerade sauber.. Es ist zwecklos. Warum denn eigentlich nich alles lassen wie es ist, stehe ich doch spätestens morgen wieder vor den selben Problemen und Aufgaben. 

Nun also frisch ans Werk; wollen ja nicht, dass am Ende die Jugendfürsorge kommt;)