Angrillen 

Die Sonne lacht und so haben wir heute beschlossen anzugrillen. Und da wir mit jedem Jahr schlauer werden, haben wir mittags angegrillt. Denn abends, das wissen wir inzwischen, wird es leicht ungemütlich. Da friert der eine und ich hol ne Jacke. Dann friert der nächste und ich hole ne Mütze und am Ende, also nach 20 Minuten, schleppen wir alles rein und essen im Esszimmer. Dieses Mal also schlauer gedacht, Grillen am Mittag. Sommer Sonne Heiterkeit, herrlich! 

Im Punkt eins war das erste Fleisch des Jahres gar, der Tisch gedeckt und das Wetter kooperativ. Wir riefen die Hörnchen zu Tisch und der Spaß sollte beginnen. Als alle saßen fiel mir auf, dass Sonne und Migräne ungut sind und ich holte schnell meine Sonnenbrille. Dies stellte sich als erst recht unklug raus und so kam was kommen musste. A-Hörnchen holte seine Sonnenbrille, dann C- und B-Hörnchen. D-Hörnchen zog seine lange Hose aus, woraufhin A-Hörnchen nach oben ging sich eine kurze Hose anzuziehen. C-Hörnchen stieg drei Treppen und wechselte Jeans in Minirock. B-Hörnchen zog von dannen um einen Sonnenhut zu holen. Dieser war, zusammen mit all seinen Brüdern und Schwestern noch in einer Kiste. So musste ich hoch um sie alle zu bergen. B-, C- und D-Hörnchen bekamen Sonnenhüte und das A-Hörnchen lief los um seinen zu suchen. B-Hörnchen stellte fest, dass es in Leggins zu warm ist und wechselte in 3/4 Leggins. Es folgten böse Vorwürfe um noch nicht besorget Sandalen. 

Um 13.20 Uhr war das Essen dann beendet. Irgendwie hatten alle irgendwann mehr oder weniger gegessen, gemütlich geht anders. Memo an mich: Nächstes Jahn noch mal irgendwie anders. 

Verlernt zu lesen

In den vergangenen Monaten habe ich einen beachtlichen Uni-Marathon durchlaufen. Ich habe Tonnen von Büchern auswendig gelernt, hunderte Studien gelesen und ausgewertet, eine Bachelorarbeit geschrieben, Referate und Forschungsberichte. Mein Hirn ist im Training, ich bin schnell und effizient. Gestern wollte ich zur Belohnung ein echtes Buch lesen, einen Roman. Einfach so. Was dann geschah hat mich entsetzt.

Ich begann zu lesen: „Mauser fuhr auf seiner kleinen BMW Maschine die nebelige Landstraße hinunter nach Kettenacker…“ . Mein Hirn legt los: Ich brauche die topografischen Daten, die statistischen Verteilungsdaten der Bevölkerung und das BJ der Maschine. Welchen Einfluss üben die Daten „Nebelig“ und „kleine Maschine“ auf den Leser aus. Gut es signifikante Störeffekte,…

Das Buh geht weiter: „Er stellte die Maschine am vorgesehenen Parkplatz ab und schaute sich die Umgebung an.. Berge.. Hügel..Gras.. …“. Mein Hirn überspringt. Ich schalte in „querlesen“, überfliege die kommenden drei Seiten wage und komme da zum Stillstand, als er die Umgebungsbeschreibungen abgeschlossen hat. Nicht relevante Daten ausblenden. Seitenzahlen merken falls Daten doch relevant. Ich ertappe mich beim Auswendiglernen der Daten. 

Von hier an versuche ich konzentriert langsam und normal zu lesen. Fast unmöglich. Immer wieder bemerke ich, wie mein kopf Daten absichert und nach Relevanz sortiert. Orte, Zahlen, Fakten. alles wird sofort abgelegt und sortiert. Und der Clou: Mein Kopf baut es sogleich in den noch zu lernenden Stoff für meine nächste Klausur ein. Großes Kino: Klinische Störungsbilder im Herbstwald von Kettenacker. Nein danke, in den kommenden vier Monaten keine Romane mehr. Und danach werde ich mir das Lesen neu beibringen.