Ge-denken

Heute ist der 9. November und in diesem Jahr sind die Progrome der Nazis 80 Jahre her. 80 Jahre, in denen das unvorstellbar möglich wurde, in denen Menschenrechte scheinbar aufgehoben wurden und Millionen getötet. 80 Jahre, in denen ein Volk entnazifiziert wurde, in dem Prozesse gehalten und 80 Jahre, in denen doch nichts geschah. Heute sind wir dem Thema Hass und Gewalt so nah, wie lange nicht mehr. Öffentliche Diskriminierung ist an der Tagesordnung, Progrome wieder denkbar. Die Politik deckelt und verharmlost was geschieht und die jenigen, die für Menschnewürde und Zusammenhalt auf die Straße gehen fürchten um ihre Sicherheit. Die Geschichte wiederholt sich – und wir alle sehen dabei zu.

Gedenken, in diesem Wort steckt auch denken. Denken, das bedeutet auch selbstständig nachzudenken, sich mit dem auseinander setzen was passiert. Im Anblick eines Facebook-Memes zum 9. November einmal kurz zu ge-denken kann nicht alles sein. Um die Geschichte dieses Mal aufzuhalten braucht es mehr. In erster Linie Mut und Aufmerksamkeit. Jeder einzelne muss Unrecht und Verletzungen der Menschenrechte erkennen und sich einmischen. Die anderen sind laut und überzeugend – also lasst uns lauter und überzeugender sein.

Kein Mensch ist illegal, wir sind alle Menschen!

Popeln

Das A-Hörnchen fragte mich wieso kleine Kinder eigentlich so gern popeln. Das konnte ich ihm erklären. Und da ich die Frage mag, möchte ich euch die Antwort auch nicht vorenthalten. 

Gehirne sind simpel und funktionieren nach dem Lustprinzip. Alles was schnellen Erfolg bringt und gut ist wollen sie nochmal. Je schneller und zuverlässiger das Erfolgserlebnis, desto größer der Drang das Erlebnis zu wiederholen. Diese Mechnaismus findet im sogenannten Nucleus Accumbens, dem Lust- und Belohnungszentrum statt. Dieses Hirnareal möchte zB. gern Schokolade essen, Limo statt Wasser trinken und hat eine Vorliebe für Alkohol und Zigaretten. Letztlich ist es auch der Ort, an dem Drogenkonsum zu Drogensucht wird. Das Prinzip ist immer das selbe: War gut, will ich nochmal! 

Popeln deckt verschiedene wichtige Voraussetzungen ab, der Accumbens fordert: Hohe Erfolgsaussichten, klare Erwartungshaltung und keine Schäden an sich selbst (letzteres ist kein Ausschlusskriterium; siehe Drogen, Alkohol,…). Es ist also einfach so, kleine Kinder popeln ständig weil sie es mögen. Sie erwarten Popel, sie bekommen Popel. Prinzipiell mögen bestimmt auch Erwachsenen- Gehirne Popeln. Gesellschaftliche Konventionen verbieten es Ihnen jedoch diesem Drang in der Öffentlichkeit nachzugehen. 

Was machst du da?

Mein Menne steht vor der Tür. Vor ihm: Treppe. In seiner Hand: Besen. Seine Arme machen schwenkende Bewegungen, die Körperhaltung leicht gebeugt. Das D-Hörnchen kommt des Weges und stellt fest: „Oh! Du fegst die Treppe!“ Er geht und der Menne tut was er tat. A- Hörnchen kommt es wegen und spricht: „Was machst du da?“ Der Menne antwortet knapp: „Wonach sieht es denn aus?“ A-Hörnchen kombiniert schlau und antwortet: „Du fegst die Treppe!“ Er geht. Der meine tut was er tat, als Sekunden später das C-Hörnchen hinter ihm steht. „Was machst du da?“. Wieder antwortet der Menne: „Wonach sieht es denn aus?“ und auch C-Hörnchen kombiniert schlau und antwortet: „Du fegst die Treppe!“. Auch sie geht und macht somit Platz für das B- Hörnchen, das sekunden später in der Szenerie auftaucht: „Was machst du da?“ Der Menne antwortet knapp und in deutlich verzweifeltem Unterton: „Wonach sieht es denn aus?“ B-Hörnchen  antwortet: „Du fegst die Treppe!“ und geht ebenfalls. Zurück bleibt ein verwirrter Mann und ein Hauch von Slapstick; oder Loriot.

Und was sagt uns diese kleine Geschichte? Ich habe auch keine Ahnung. Möglicherweise liefert sie den signifikanten Beweis, dass man mit drei Jahren noch gucken kann, mit 5,7 oder 10 Jahren jedoch leider nicht mehr. Vielleicht sagt sie auch etwas über das Denkvermögen von Kindern aus und beweist, dass die beste Zeit Kinder intensiv zu beschulen zwischen 3 und 5 Jahren wäre. Möglicherweise sagt es aber auch nur aus, dass meine ach- so- schlauen Kinder elendig denkfaul sind. Wer weiß das schon…

Gräfin Zahl

Unser B-Hörnchen hat ein neues Hobby:


Sie verbindet Zahlen, weil zählen nämlich so Spaß macht. Zum Geburtstag gab es ein Malbuch mit diesen Zahlen, die verbunden werden sollen. Bis 350 geht es rauf und sie ist mit Feuereifer  dabei. Beeindruckend fand ich es ohnehin. Noch viel mehr jedoch als ich es heute einmal selbst versucht habe. Zwar ist es mir gelungen, das Bild in gut 25 Minuten fertigzustellen, jedoch hat es mir gewaltig Konzentration abverlangt. Hut ab also vor meinem kleinen Mädchen, das so viel Ruhe und Grips aufbringt, und dann auch noch Spaß daran hat. 

Sand


Wir sitzen in dieser riesen Sanddüne. Die drei Hörnchen spielen begeistert. Ganz oben, an einer kleinen Hütte, steht das B-Hörnchen und gibt Kommandos. Ein lautet:“C-Hörnchen! Bring mal Sand hier rauf!“ Das Kind steht umringt von Sand. C-Hörnchen jedoch reagiert versiert und tut das einzig richtige: Sie schleppt schaufelweise Sand den steilen Hang hinauf. Wird schon stimmen; wenn B-Hörnchen Sand will, dann bekommt B-Hörnchen Sand.

Manchmal ist selber-denken total schlau. Manchmal macht es Sinn, ein und dasselbe Problem von zwei Seiten zu betrachten. Aber klar, warum einfach wenn es auch kompliziert geht.

Tür zu!

Wisst ihr, was ich wirklich nicht leiden kann? Verschwendung!

Ich hasse es, wenn man beim Händewaschen das Wasser laufen lässt, und meine Hörnchen einen halben Meter Klopapier für ihren kleinen Hintern nehmen. Ich rationalisiere Zahnpasta und Seife und ich hasse es sehr Essen wegzuwerfen. Mit viel Hingabe versuche ich möglichst ‚passend‘ einzukaufen und zu kochen. Regelmäßig gibt es Restepfannen oder Eintopf. Auch in Sachen Kleidung versuche ich effizient zu sein. Ich kaufe gern so, dass es möglich viele kleine Geschwister nachtragen können. Ehrlich betrachtet sehen die meisten Klamotten eh nach wenigen Einsätzen very used aus und kein Mensch erkennt mehr, ob sie nagelneu oder ganzschön abgenagelt sind.

Ich hoffe darauf, meine Hörnchen zu verantwortungsbewussten Menschen zu erziehen. Ressourcen erkennen und einsparen und mitdenken. Denken!! Hoffentlich werden sie einmal zu selbstständig denkenden Menschen. Denn oftmals kommt es mir schon so vor, als würde ich alle die Worte an die Hörnchen doch verschwenden. So viel Male, wie ich am Tag sage:“ Tür zu!“ oder „Licht aus!“, soviel Male dass nichts passiert. Und doch lässt es mich hoffen. Haben doch meine Eltern viele hundert Male zu uns gesagt:“Tür zu, wir heizen nicht für draussen!“, und irgendwie scheint das ja auch gewirkt zu haben.

Ich kann nicht denken!

Lach!! 

Beim Abendessen konnte das C-Hörnchen nicht aufhören, ihren großen Bruder zu ärgern. In einer Tour drückte und piekste sie an ihm herum; er fand das natürlich gar nicht lustig. 

Nach ca. 20 Ermahnungen, allein bei den drei Mahlzeiten heute, schickte ich sie auf den Flur. Sie weigerte sich, motzte und trotzte und zeterte. Alles Motzen half nichts und ich wiederholte meine Aufforderung. Hinzu füge ich den Satz:“Denk darüber nach, weshalb du raus musst!“ 

Da steht so ein kleines tobendes Fräulein in der Tür und brüllt fester, brodelnder Stimme:“Ich kann nicht denken!!“ Damit polterte sie auf den Flur und begann recht vernehmbar zu jaulen. 

In der Küche brach leises Gekicher aus. Zum Glück hatten A- und B-Hörnchen so viel Anstand, nicht laut loszulachen. 

Gedenken

Eigentlich hatte ich vor gehabt, an dieser Stelle der Opfer des Germanwings Fluges zu gedenken.

Als ich den Blog hierzu fertig hatte, fand ich es geradezu albern ihn zu veröffentlichen. Nicht falsch verstehen; es ist endlos traurig und dramatisch, dass so viele Menschen gestorben sind. Mindestens genauso dramatisch, oder sogar noch trauriger ist es, dass Menschen zurückgelassen wurden. Eltern, Freund, Geschwister,… Nicht auszudenken, wie das Leben nach so etwas weitergehen soll.

Letztlich aber ist es egal, warum Menschen auf dieser Welt sterben; es ist immer traurig, unnötig und immer bleiben Menschen zurück. Somit ist es vielleicht schlauer oder zumindest fairer an dieser Stelle all den Menschen zu gedenken, die gestorben sind und deren Zeit noch nicht gekommen war. So möchte ich nicht die Opfer von Paris vergessen, oder die zahllosen Flüchtlinge in Syrien. Nicht die Kinder die auf unserem Globus vollkommen unnötigerweise verhungern. Ich möchte auch denen gedenken, die Opfer von schlimmen Rieten oder Traditionen geworden sind, wie zum Beispiel Millionen Mädchen auf der ganzen Welt, die beschnitten werden. Niemals vergessen werden dürfen die Opfer der Shoah und ebenso die Millionen Menschen die unter anderen Diktaturen zu Tode gekommen sind.

Ich bin immer und an jeder Stelle für Anteilnahme. Genauso wichtig, oder vielleicht noch wichtiger ist es aber den Großen von morgen das Denken zu lehren und sie aus der Geschichte lernen zu lassen. Denn jeder Mensch der an Hunger, Terror, Krieg oder irgendeiner Form von Gewalt gestorben oder zu Schaden gekommen ist, ist einer zu viel.