Kommt mal eben rein

Editors; Papillon. Grad eben lief es in meiner Playlist. Immer wenn ich dieses Lied höre, denke ich an meine Freundin K., an durchtanze Nächte in der Disco, die direkt neben meiner Arbeit ist. Ich denke an wunderbares Gekicher im Raucher Raum und an irre Begegnungen. An eine Nacht im Auto, in der wir vor Lauter Neuigkeiten kaum bis in die nahe Disco kamen, an Abende beim Inder und gutes essen. Oh, was fehlt mir das alles.

Abend in der Stadt; Aufbruch. Der letzte Kneipen Abend vor dem Lockdown im Februar 2020. Es war inzwischen sieben Uhr morgens, ich hatte dutzende nette Menschen kennengelernt und mehr als genug getrunken. Der Bar-Mensch legte zum Ende dieses Lied auf, wir grölten es laut und innig mit. Draußen zwitscherten die Vögel. Alle gingen ihrer Wege. Die Kneipe gibt es heute nicht mehr; sie hat es nicht überlebt.

David Bowie; Major Tom. Ich bin ca. 14 und auf einer sehr abgefahrenen Party. Die ganze Nacht läuft Bowie, ich gebe vor alles gut zu kennen, unterhalte mich angeregt mit einem alten Typen, muss beweisen, was ich alles weiß. Am Montag drauf kaufe ich viele CDs; lerne Bowie lieben und vorher auswendig. Sicher ist sicher. Den Typen habe ich nie wieder gesehen. Bowie blieb.

Illusion, VNV Nation. Das letzte Konzert vor dem Ende der Welt. Am 6. Dezember 2019 im Logo in Hamburg. Es war so gut, so eng, so muffig. Die Menschen klebten aneinander, badeten im Schweiß der anderen und tanzen 2,5h durch. Extase und absolute Leichtigkeit. Wir blieben über Nacht in Hamburg, schliefen in einem hammer Hotel und genossen Freiheit, Unabhängigkeit und das gute Leben. Auf St. pauli war Weihnachtsmarkt und wir tranken Glühwein und waren und und alternativ.

Bonnie & Clyde; Die Toten Hosen; eine Hymne die vieles transportiert. Erste Erfahrungen mit großen Konzerten, Punk (oder was man dafür hielt), erste große Liebe und grenzenlose Möglichkeiten. 14 sein ist schon ganz groß; zumindest wenn man nicht im Lockdown lebt und der einzige Sozialkontakt seit 13 Monaten online oder mit Abstand ist. Was ist denn mit Knutschen und all dem? Mein armes Kind.

It´s no good, Depeche Mode; der Beginn einer ganz großen Liebe. Erinnerungen an ganz ganz viele Konzerte, Mitsingen bis zur Heiserkeit, tosenden Applaus, totale Euphorie. Eigentlich war lange klar, dass ich Dave Gahan mal heiraten werde. Weiß auch nicht, was da schief gelaufen ist 😉 Nicht zu vergessen die Depeche Mode Partys; komische Leute aber gute Musik. Tanzen. Oh, wie es mir fehlt zu tanzen. Außerdem war Dave auf meiner ersten Bravo, damals in der 4. Meine Mama warnte mich vor derart Verfehlungen und wahrscheinlich machte es das erst so gut. Danke Mama.

Little Girl; H-Bloxx; haha. Der Soundtrack zur Abschluufeier der 6. Klasse. Die erste Party überhaupt. Ich sah aus wie eine kleine Nutte, hielt mich für die aller hottest Dame der Schule. Wir tranken Saftpäckchen bis zur Dramüberreizung und rauchten Salzstangen auf dem Schulklo. Punx not Dead 💀 Und ich habe es ach geschafft.

Schrei nach Liebe; die Ärzte; Punk. Da ist er wieder. Die Ärzte kamen früh in mein Leben und blieben bis heut. Der große Bruder meiner aller besten Freundin M. Brachte sie mit und wir hatten heimlich die “Ab 18”-Kassette kopiert. Wir waren so Punk, wir hatten sogar karierte Hosen bevor sie modern wurden; und gafakte Dr. Martens. Live hab ich sie nur ein einziges Mal gesehen, vor genau 20 Jahren. Ein fulminantes undercover Konzert unter dem Alias “Die Zuspäten”. Und, so Corona will, in nur etwa 1,5 Jahren darf ich die Helden meiner Kindheit, meiner Jugend und jeder anderen Phase meines Lebens nochmal sehen. So Corona will.

Learn to fly; Foo Fighters; Ich kannte den Namen der Foo Fighters, mehr nicht. Bis ich sie 2019 beim Hurricane sah und fast durchdrehte vor “ist das gut”. Dieser Dave Grohl kann das so gut, was er da tut und als ich dann noch kapierte, dass das der selbe Typ ist, der damals bei Nirvana; alter!! Seit dem also mag ich die Foo Fighters; wenigstens für diesen einen Abend und die bahnbrechende Erkenntnis.

Open your eyes, Guano Apes. Bis heute eins der besten mit-Gröhler-Lieder der Welt. Hab die auch mal Live gesehen, fand Sandra Nasic so toll und angeblich soll jemand, den ich kenn und mag da nen Stick gefangen haben aber irgendwie weiß ich davon nix mehr.

Once in a lifetime; Wolfsheim. Der direkte Draht zu diesen kleinen aber feinen düsteren Partys in dieser kleinen, feinen, verrauchten Disco. DJ F.E. Legt auf und ich kam immer so gern. Ein klein wenig war es immer wie Klassentreffen; jeden, den man lange nicht gesehen hatte, traf man dort ganz bestimmt, auf ein Bier oder ein Tänzchen oder beides. Es war familiär und heimelig und für mich damals die erste Flucht nach den Jahren des Stillens und der Schwangerschaften. Ich war so dankbar und so frei frei frei.

One; Metallica. Auch diese Band habe ich früh lieben gelernt. In meinem Kinderzimmer hingen Metallica Poster direkt neben denen von take that und ich schwöre, dass die sich gut verstanden haben. Auch diese Band habe ich 2019 noch einmal live sehen dürfen. Als sie “One” anstimmten freute ich ich so sehr, dass meine Begleitung unsicher war, ob alles ok sei. es war so enorm ok!!! Ich liebe Konzerte. Ich könnte eigentlich ununterbrochen und … hach.

Wisst ihr, ich könnte ewig so weiter machen; aber das bringt ja alles nix. Ein bisschen noch durchhalten, ein bisschen noch warten und dann werden wir alle erleben, was noch übrig ist von all dem, was wir mal für ganz normal hielten. Zumindest die Menschen, die ich mag, sind bisher alle noch da; Corona konnte mir noch keinen nehmen. Dafür bin ich sehr dankbar. Alles andere wird sich finden; auch wenn jeden Tag deutlicher wird, dass es anderes sein wird. Und hoffentlich dennoch gut.

Haltet durch ihr Menschen, und hört Musik. Und habt euch lieb.

Als die Lieder Texte bekamen

By the time I got to New York

I was living like a king

Then I used up all my money

I was looking for your ass

This way or no way

You know, I’ll be free

Just like that bluebird

Now ain’t that just like me?

Oh I’ll be free

Just like that bluebird

Oh I’ll be free

Ain’t that just like me?

(David Bowie/ Lazarus)

Bowie lang für das A-Hörnchen und mich im Auto, wie so oft. Und ich sang mit, wie so oft und mit viel Hingabe. „Will er frei sein wie ein Vogel?“ fagte das A-Hörnchen auf einmal. „Oh ja!“ antwortete ich ihm und erzählte von Bowies letztem Album, seinem bevorstehendem Tod und eben dem Lazarus. Mein Hörnchen lauschte aufmerksam und zum ersten Mal schien sein Englisch auszureichen um Zugang zu der großartigen Welt der textlichen Musik zu bekommen.

Ich habe früh angefangen Musik zu lieben. Die ersten Platten lieh ich bei Mama aus; ABBA, Beatles und Queen. Ohne jede Englisch-Kenntnisse ein hoffnungsloses Unterfangen. Es war.. so lala. Mit der 5. Klasse kam der Englisch-Unterricht und damit die große Offenbarung. Mit Dictionary, Stift und Papier bewaffneten arbeitete ich mich durch die Musikwelt.

Bis heute ist für mich primär der Zugang zum Text wichtig. Kann ich da mitgehen, mich wiederfinden und beziehen ist alles willkommen. Übrigens darf es inzwischen auch gern deutsches Textwerk sein. Aktuell hat es mit Judith Holofernes angetan, die in ihren Texten nur zu gut ihren Nagel auf meinen Kopf trifft. Haben ich mich einmal an einem Stück festgebissen, bleibt es; mit all den Emotionen, Gedanken und Erlebnissen, die ich einst an es gebunden haben. So kann das Abspielen einer willkürlichen Spotify-Playlist sowohl hoch-angenehme als auch deutlich anders aufgeladene Überraschungen mit sich bringen.

Ich danke all den großartigen Künstlern, Dichtern, Literaten und Textern dafür, dass sie mich immer wieder so begeistern können, mich über so viele Stunden so sehr begeistert haben und mich aus so manchen Tief gerettet haben. Ohne euch wäre das Leben irgehdwie dumpf.

Mich kriegst du nicht 

Vor einigen Tagen waren der Menne und ich auf einem Depeche Mode Konzert in Hannover im Stadion. Ein großartiges Konzert, ohne jeden Zweifel. Ich bekam alles was ich wollte, 40.000 Menschen feierten. Es war super. Im Rausgehen dann eine ernüchternde Erkenntnis. Wir schoben uns, gemeinsam mit tausenden anderen, eine enge Passage zwischen Gastronomie und den oberen Rängen entlang. Vor uns Menschen, hinter uns auch. Und dann kroch es ganz langsam meinen Nacken hinauf; das fade Gefühl. Zum ersten Mal hatte ich in einer solchen Situation das beklemmende Gefühl, nicht weggehen zu können und mir wurde klar, wenn es jetzt irgendwo knallt, irgendwas passiert, dann trampeln die mich tot. 

Mich macht diese Erkenntnis wütend und traurig zugleich. Bisher war ich ein großer Freund aller Massenveranstaltungen. Ich hatte nie ein Problem mit Menschen, mit Mengen und Massen. Im Gegenteil, ich habe es genossen in der Woge der Menge zu feiern und die Musik zu zelebrieren. Um so wütender macht es mich, dass der scheiss Terror mich nun doch erreicht hat. Wieder allem wissen und obwohl ich es ihm nicht lassen will ist dieses ungute Gefühl in mir geboren und ich befürchte es will bleiben. Terror, du bist ein Arschloch! Ich werde weiter feiern, tanzen und genießen. Mich bekommst du nicht! 

Rechnen

Grade versuchte ich mal eben schnell das Alter von Dave Gahan zu errechnen. Baujahr 1962, das wusste ich. 

Da meine Mutter 59er Baujahr ist, ermittelte ich zunächst ihr Alter, was mir aber nur mit Hilfe des Alters des B-Hörnchens gelang. Denn Oma ist genau 50 Jahre älter als das B-Hörnchen, das weiß ich auch. Also ist Oma 56. Also ist Dave Gahan, der ja drei Jahre jünger ist als Oma, 53. Logo 

Dann rechte ich fieberhaft weiter, wie viel älter er denn dann wäre als ich. Nach einigen weiteren, qualvollen Rechenschritten stellte ich fest, dass er genau 20 Jahre älter ist als ich. Und plötzlich wurde mir so einiges klar: Wenn er 62er BJ, und ich 82er, dann liegen da wohl genau 20 Jahre zwischen. 

Logik. Welten die begeistern. 

Lieber Mann bringt schöner Mann

Mein Mann kam heute recht spät von der Arbeit. Da ich aber ja keine schlechte Ehefrau bin, meckerte ich in den vollständigen ersten 45 Sekunden nicht über die Verspätung. In der 46. Sekunde dann lieferte er die wundervolle Erklärung für seien beeing late: Die brandneue CD von Dave Gahan. 

So manch einer weiß das vielleicht, was diesen Herren angeht, bin ich durchaus begeisterungsfähig und kann in unkontrollierten Momenten sogar latent zur Euphorie neigen. So werde ich nun also ganz genüsslich den Worten des wahrscheinlich schönsten Mannes der Welt lauschen. Hach…