Mein Herz

In den 90ern erwarb mein Papa bei einem Fahrradhändler im Dorf ein gebrauches Rennrad. Es war in akzeptablem Zustand, vielleicht ein wenig zu klein; und pink. Er fuhr es einige Zeit, irgendwann zog es in den Schuppen. Dort blieb es lange. Ich hatte es nie ganz vergessen und übernahm den Schatz vor einigen Jahren. Als ich es bekam waren die Reifen platt. Es sah ein wenig jämmerlich aus, dreckig und alt. Ich war sofort verliebt. Ich brachte sie zu einem Rennrad-Opa und bat ihn sie gesund zu machen. Wie durch ein Wunder war sie vollkommen intakt. Bremsen, Mantel, Tretlager, Kette; alles war noch top. Ich taufte sie Lorelai und liebte sie sehr.

Ich fuhr viel und voller Leidenschaft. 9,5 kg Stahlrahmen und ich wurden zu einer Einheit. Meine Rennhexe und ich, so war das. Schon lange haben Fahrräder für mich viel mit Hingabe udn Freiheit zu tun, auf dem Rad bin ich glücklich.

Heute entriss man mir das Herz. Die Lorelai wurde geklaut. Als ich aus der Arbeit kam war sie einfach weg, spurlos verschwunden. Mich zerreißt es, wie kann sowas sein? Wie soll ich jemals wieder ein Rad finden, das ich so lieben kann?

Verschollen im Busch

Einmal, in kürzerer Vergangenheit, auf dem Spielplatz:

Alle wollen los. Alles ist gepackt. Alle stehen da, mit dem Fahrrad an der Hand. Alle Helme auf dem Kopf. 

Alle? Nein. Ein kleines C-Hörnchen schaut verzweifelt von A nach B und weiß nicht so recht. Auf die Frage, wo denn ihr Fahrrad wäre, antwortet sie mit Tränen durchsetzter Stimme:“Das hab ich vergessen!“

So war es. Mein zauberhaftes, kleines Mädchen hatte ihr Fahrrad im Gebüsch versteckt, damit es keiner klauen konnte. Und dann hatte sie leider vergessen wo. 

Zum Glück wusste die versierte Freundin noch, welcher Busch es denn war und konnte uns helfen.