Keines ist wie sie

Nach der großen Trauer um ein geklautes Fahrrad, tun sich eine bohrende Frage auf: Was nun? Wenn einem der Hund stirbt, soll man sich nicht gleich nen neuen holen, nach der zerbrochenen Liebe nicht gleich die nächste und mein Mann sagt ich soll endlich aufhören mein Herz an Gegenstände zu hängen. Darf ich mir also gleich wieder ein neues Fahrrad kaufen? Und ist es überhaupt möglich ein vergleichbares, gutes Rad zu finden, mit dem ich glücklich werden kann?

Ihr Lenker war abgesägt, das klingt erstmal grausam, war aber für uns beide eine gute Lösung, da ich den klassischen Rennradvorbau schlecht fahren kann. Lorelai wirkte dadurch zierlich und grazil. Allgemein war sie eher schmal bei ihrer Rahmenhöhe von 52cm. Lenkerband und Endstücke hatte ich grad erneuert, sie sah zauberhaft aus. Ich habe ihre Pedalen sehr geliebt, die nur von einer Seite komfortabel zu fahren waren. Es hat mich viel Übung gekostet, elegant und zügig an den Ampeln loszukommen ohne mich zu verletzten. Ihre Ritzel, und ins besondere die kleine 8er Kassette, waren stark abgenutzt. Es wimmelte von Haifischzähnen. Nur ich wusste wie sie zu schalten war; mit Gefühl udn im richtigen Moment. Den könnte man im Tritt spüren. Lorelai’s Kette war ein wenig zu lang geworden. 108 Kettenglieder; mit der Zeit in die Jahre gekommen. Die Erneuerung war für das kommende Wochenende geplant. Ihr Rahmen hatte einiges mitgemacht. Der eine oder andere Sturz und vor allem aber Laternenpfähle haben ihr zugesetzt. Ich hatte zuletzt ein Schloss mit Stoffüberzug und habe darauf geachtet, ihr nicht zu schaden. Einen Ständer hatte sie nie; das Gewicht… 9,5 kg hat sie gewogen, keine 10.

Und nun, Schluss mit dem Gejammer. Schließlich habe ich mich schon öfters von geliebten Dingen verabschieden müssen. Habe ich mal von Bob erzählt… ?

Diebstahl wieder willen

Wir sitzen in einer schrecklich modernen Mall im Food Court und speisen so vor uns hin. Eine Oma, die vier Hörnchen, der Menne und ich. Es ist sehr friedlich und halt irre jung, fresh und modern. Und als das C-Hörnchen fertig mit essen ist, erlaube ich ihr den spannenden Laden 15 Meter weiter nördlich zu besichtigen. Sie stiefelt auch los und ist in Sichtweite. So guckt sie mal hier und mal da, und ich guck so zu ihr, als sie den Rückweg einschlägt und ich aufhöre zu gucken.

Das nächste was ich sehe ist ein kleines Mädchen in einer gut besuchten, modernen Mall, das mit einem Arm voller Puzzles neben mir steht und voller Begeisterung quietscht:“Kann ich das alles haaabbbeeennn??“ Plötzlich war mir gar nicht mehr so fresh, jung  und modern und ich quietschte meinerseits:“Oh neiiiin!“, sprang auf, und schaffte es dennoch unglaublich gelassen und cool zurück zum Geschäft zu gehen und dem Hörnchen irre ruhig und sachlich zu erklären, weshalb sie die gesammelten Schätze a) sofort und unbeschadet zurückzulegen hat und b) auch nicht einfach so entführen dürfte.

Da war dem kleinen Wesen vor lauter Agilität und Moderne glatt entgangen, dass dieser seltsame Ort immer noch ein einfaches, spießiges Geschäft ist, und auch wenn er sich als hippe Kommune zu verkaufen versucht, nicht zum Diebstahl einladen wollte.

Verschollen im Busch

Einmal, in kürzerer Vergangenheit, auf dem Spielplatz:

Alle wollen los. Alles ist gepackt. Alle stehen da, mit dem Fahrrad an der Hand. Alle Helme auf dem Kopf. 

Alle? Nein. Ein kleines C-Hörnchen schaut verzweifelt von A nach B und weiß nicht so recht. Auf die Frage, wo denn ihr Fahrrad wäre, antwortet sie mit Tränen durchsetzter Stimme:“Das hab ich vergessen!“

So war es. Mein zauberhaftes, kleines Mädchen hatte ihr Fahrrad im Gebüsch versteckt, damit es keiner klauen konnte. Und dann hatte sie leider vergessen wo. 

Zum Glück wusste die versierte Freundin noch, welcher Busch es denn war und konnte uns helfen.