Ich hasse Pubertäten

Leider komme ich zu der Erkenntnis, dass ich keine vier Pubertäten überleben werde. Genau genommen schaffe ich vermutlich keine einzige, denn das was allein die aller ersten Ausläufer machen, treibt mich an den Rand des Wahnsinns.

Ich selber war eine pubertierende Pest. Heute ziehe ich den Hut vor jedem, der es zwischen dem 13. und dem 17. Lebensjahr mit mir ausgehalten hat. Ja, ich war ein störrischer, nerviger Kotzbrocken, habe meine Eltern durchgängig an den Rand des Wahnsinns getrieben, und nicht nur die. Ich war dagegen, egal worum es ging. Ich musste alles testen, ging an jede Grenze und überschritt so einige. Nun ja, es ging vorbei, alle haben überlebt.

Heute ist es mein A-Hörnchen, dass mich neue Grenzen erreichen lässt. Mit einem unfassbaren Diskussionstalent, Treffgenauigkeit und beachtlicher Penetranz dominiert er derzeit jede Sekunde meines Alltags und zeigt mir immer wieder aufs neue, dass ich das Leben noch lange nicht zu Ende Gedacht habe. Wir streiten mit Leidenschaft, laut und intensiv. Wir argumentieren uns schon heute in Grund und Boden und müssen immer wieder das Gefüge von Autorität und Augenhöhe ausloten. Das Freiheitsbestreben meines Sohnes ist beachtlich, er erobert sich jeden Tag ein paar Quadratmeter mehr und arbeitet hart daran sich vom mir dominanter Ober-Mama abzugrenzen. Eine harte Aufgabe. Dennoch habe ich keinen Zweifel daran, dass er am Ende ein großartiger, persönlichkeitsstarker und selbstständiger Junger Erwachsener sein wird. Meine Währung sind Nerven, mein Lohn das Ergebnis – starke Kinder.

Und jetzt bitte einen Portion Mitleid; oder Kekse. Oder Schnaps. Oder beides.

Kommunikation mit Niveau

Auf dem Tisch liegt ein Freundebuch. Als besonderes Gimmick hat es einen Button, der eine dämliches Melodie spielt wenn man drauf drückt. Nun finden es natürlich alle vier Hörnchen total lustig, auf diesen Button zu drücken und mich damit Stück für Stück in den Wahnsinn zu treiben. Immer besser wurden die Argumente für und gegen das Drücken, den Vogel schoss das A-Hörnchen ab.

Das B-Hörnchen sollte dringend auf den Button drücken und mich dadurch zur aller letzten Instanz des Wahnsinns treiben. B- Hörnchen’s Finger liebäugelte ausgiebig mit dem kleinen Knopf, auf dem die Worte: „hier drücken!“ standen. Argumente flogen über den Tisch und nach einem kurzen Wortgefecht sprach das A-Hörnchen : „Das steht da im Imperativ! Das muss man machen!“

B – Hörnchen wiederstand dem Reiz, natürlich. Weder Bruder noch Imperativ können ihren Willen beeinflussen. Und ich freue mich einfach über ein langsam ansteigendes Diskussionsniveaus. Denn das muss man dem A-Hörnchen lassen: Er diskutiert entwaffnend gut.

Sauber argumentiert. 

Eine Fahrradtour war für heute geplant. Dumm wie sich schnell rausstellte. Regen, Wind und Kälte machen es ungemütlich und bah!! Die Hörnchen wussten beim Mittagessen Rat: Wir gehen in einen Indoorspielplatz! Vier Hörnchen jubelten allein bei der Vorstellung, uns erwachsenen schauderte es mächtig! So fiel auch unsere erste Reaktion aus:“Nee! Auf keinen Fall!“ Sofort hatten wir zahlreiche Argumente gegen diese Indoor-Höllen parat und setzten diese den versammelten Hörnchen vor. 

Die Hörnchen brauchten etwas unter einer Sekunde um sich zu einer festen Wand zusammenzuraufen. Und so saßen sie dann da und entkräfteten alle unsere tollen Argumente. „An die Lautstärke gewöhnt man sich, wir geben für andere Sachen viel mehr Geld aus, wir gehen da fast nie hin, das D-Hörnchen kann mit uns großen spielen und außerdem sagt ihr im Sommer immer, dass das Wetter zu gut ist für den Indoorspielplatz. Jetzt ist das Wetter zu schlecht zum raus gehen.“ 

Das hat gesessen. Nach dem Mittag zogen die Hörnchen sich zum Kinderkonferenz zurück, und wir uns zum Elterngespräch. Die Sache war schnell klar, was soll man dagegen schon sagen. Nun erwartet uns also ein Nachmittag in der Hölle. Hip hip, Hurra!

Größere und kleinere Diskussionen

Heute Abend war in der zukunftigen Schulklasse meiner Tochter der 1. Elternabend. Zu Beginn bat die Lehrerin die Eltern, ein mal zu sagen zu welchen Kind sie gehören, und ob sie schon ältere Geschwister an der Schule hatten. 

Ein Vater stellte sich vor und sagte seine Tochter käme als erstes Kind an diese Schule. Weiter sagte er:

„Unsere grosse Tochter war an der.. äh… die war an der … “ Die Mutter zischte:“Schule sowieso!“ Vater wiedersprach empört:“Nein, da war die nicht. Das war die Schule..wie heißt die denn noch…“ Binnen dieser wenigen Sätze waren die Eheleute in eine Diskussion verfallen, die es in sich hatte. Auch nach über einer Minute, in der alle anderen fragend in ihre Richting starrten, konnten sie sich nicht einigen. Der Ton wurde immer rauer. 

Eine Mutter fasste sich ein Herz und versuchte die Situation zu entschärfen indem sie sagte, die Tochter wäre bestimmt schon sehr groß und lange aus der Grundschule. Extrem angefressen zischte die Mutter noch schnell das Wort ‚6. Klasse‘ und dann war zum Glück der nächste dran.