Hochzeitstag 

Heute vor 13 Jahren habe ich geheiratet. Den Mann, mit dem ich heute noch zusammen bin und mit dem ich vier Kinder habe. Erstaunlich, wie eine alte Frau in der Bahn einst sagte. Und unerwartet, wie viele Leute damals sagten, als wir mit 20 und 24 einfach so mal geheiratet haben. 

Eigentlich aber alles gar nicht so erstaunlich, wie ich sage. Denn ich denke wir machen das ganz gut. Außer Frage steht, dass wir ganz hervorragende Kinder hervorgebracht haben. Aber auch sonst sind wir nach 13 Jahren Ehe immer noch ein super Team. Einander achten und Freiräume akzeptieren. Ehrlich sein und offen miteinander sprechen. Und unverkrampft an die Sache herangehen. Alles ist so lange gut wie es gut ist. In dem Moment wo man versucht das Glück zu fest zu halten, zerquetscht man es womöglich und es geht kaputt. 

Unseren Hochzeitstag feiern wir jedes Jahr groß. Dieses Jahr haben wir ihn mit Freunden im Garten verbracht, die bestimmt nicht wussten, was für ein Tag ist. Später gab es Indisches Essen vor der Glotze und ein paar Blicke ins Fotoalbum von vor 13 Jahren. Besser kann ein Tag doch nicht sein! 

Mein Mann

Nun ist es aber offenbar so, dass sich hier ein scheinbares Ungleichgewicht entwickelt hat. Wovon ich spreche? Na von meinem Mann natürlich. Denn die Sache stellt sich wir folgt dar: In etlichen meiner Anekdoten taucht der Menne auf, nur allzu oft in eher negativem Kontext. Mal isst er dem Kinde einen Keks weg, ein anderes Mal baut er eine Bank falsch zusammen. Was ich aber viel zu wenig erwähne ist, wie toll der Typ eigentlich ist. Denn, soviel steht fest, ich habe ihn vor 12 Jahren nicht geheiratet weil er so doof ist. Nein nein! Das Problem, wenn ich es so nennen darf, scheint zu sein, dass mein Mann ein so elementarer Teil in meinem Leben ist, ein so präsenter und so wichtiger Gefährte, dass ich glatt vergesse daran zu denken wie großartig genau dies ist.

Ich habe vor 12 Jahren (mit gerade einmal 21 Jahren) einen Mann geheiratet, der damals ganz schnell aus dem ‚du und ich‘ ein WIR gebaut hat. Obwohl er, schon seit ich ihn kenne, viel arbeitet, hat er es dank meiner freundlichen Unterstützung noch nicht zu großem Reichtum gebracht. Mein immer mal wieder aufkeimendes schlechtes Gewissen beruhigt er stets mit der Aussage, wir seien Team sind, alles ist gut. So hat er mir in all den Jahren nie einen Vorwurf gemacht unrentabel zu sein. Nicht in der 1. Ausbildung, nicht in der 2. und auch nicht während der vielen Jahre der Elternzeit die er finanziert hat. Er war einfach immer da. Erst für mich und dann für uns.

Nun aber weg vom Geld. Zwar kann man nicht ohne, jedoch ist es ja längst nicht alles. Ich habe einen Mann, der sich einfach so bereit erklärt hat, das Projekt ‚kleine Großfamilie‘ mitzutragen. Denn machen wir uns nichts vor: Ein Mutti allein schafft das alles nicht. Der Erfolg dieses Unternehmens liegt darin, dass wir gut zusammenarbeiten, und er immer wieder zurück steckt. Mit Jedem Monat in dem ich anderen Eltern begegne, bemerke ich mehr und mehr, wie wertvoll dieser verlässliche und hilfsbereit Partner ist. Früher Feierabend wegen einer Kinderarzt-Terminei? Kein Problem! Urlaub verschieben, Schichten Tauschen, Bowling Abende ausfallen lassen,… Ich kann mich auf meinen Mann verlassen. Wir stehen an erste Stelle, obwohl wir ihn oft so nerven.

Auch als Papa ist er einfach ein Segen. Spielplatz, Schwimmbad oder Schulaufführung; wir treten fast immer im halben Dutzend auf. Für mich klingt das total normal, schaut man sich aber mal um, sind es fast immer einzelne Mamis die dort sitzen. Mein Mann will nichts verpassen und genießt die Jahre mit den Kindern. Auch hier zu Hause ist er alles andere als ein klassischer Teilzeit- Papa. Mein Mann kann den Laden hier einfach so übernehmen. Und auch wenn ich viel zu oft motze und meckere, so weiß ich ganz genau, dass DAS etwas wirklich besonderes ist. Viele, viele Papas bekommen den Alltag selbst mit einem Kind nicht auf die Reihe. Zum einen weil sie selten da sind, zum anderen aber auch, weil sie es nicht müssen und wollen. Ich weiß ganz sicher, wenn ich mir heute noch das Bein breche, würde es hier zwar anders aber nicht schlechter. Alles würde laufen. Schule, Kita, Essen, Wäsche, Gitarrenstunde und Ballett. Er würde den Laden schmeißen, und er hat ihn schon geschmissen. Zum Beispiel als ich kurz nach D-Hörnchens Geburt einfach mal vier Tage mit dem Neugeborenen weggefahren bin. Oder wenn ich mal ’nen Tag Auszeit nehme oder Abends ausgehe.

Tatsächlich, ich sollte mir viel öfter vor Augen führen wie gut ich es habe. Und wieviel schlechter ich es hätte treffen können.

Danke! Du bist nicht selbstverständlich!

 

Kleine Geheimnisse

Heute hatten der Menne und ich einen freien Vormittag. Alle Kinder waren in Kita und Schule, ich hatte mir frei gegeben und der Menne musste erst um 12 zur Arbeit. 

Am Vormittag waren wir unter anderen auf einen Kaffee bei den Schwiegereltern. Man sprach über dies und das und es war entspannend, mal ohne die Hörnchen bei Oma und Opa zu sein. 

Um halb 12 stiegen wir uns Auto und ich warf einen Blick auf mein Telefon. 

2.10.15

2.10.!! 

Das ist unser Hochzeitstag. Unser 12. Hochzeitstag. Ganz harmonisch haben wir ihn vergessen und dann lachend beschlossen, die eine,  halbe Stunde, die uns von ihm bleibt, vornehm essen zu gehen. Wir fuhren heimlich zu McDonalds. Heimlich, da die Hörnchen da ja nicht essen wollen, und wir Anfang diesen Jahres beschlossen haben, den Laden zu beukottieren. 

Nun ja, kleine Geheimnisse schweißen zusammen; und somit war es genau das richtige für diesen denkwürdigen Tag.