Emotionale Haverie

Läuft im Fernsehen was trauriges, bin ich eigentlich nicht die, die Tränen vergießt. Allgemein ist es eher kompliziert mir Tränen zu entlocken, ich zerdenke das Problem, ja jede Tragödie bevor sie mir auf die Pelle rücken kann. Nicht klug, vielleicht auch nicht gesund, aber so ist es eben.

Jetzt, da die Sonnerferien begonnen haben, gehen die Kinder am Morgen mit dem Menne aus dem Haus. Sie gehen in ein Tages-Feriencamp, damit wir arbeiten können. Soweit so gut. Eben verließen sie dann das erste Mal das Haus, in einer Reihe stapften sie los und krabbelten ins Auto. Ich stand in der Tür und eine Welle irgendwas überkam mich. Während mein Frontallappem alles gab und mir meine goldene Zukunft skizzierte („Bald ziehen sie alle aus!“ „Du wirst ganz allein sein!“ „Niemand wird dich brauchen“) produzierte meine Amygdala eine Mischung aus Stolz und Liebe, was wiederum die endokrinen Systeme dazu verleitete allerlei Bindungshormone zu kippen. Meine Füße bekamen den Befehl zu laufen, sie zu stoppen und als das Auto los fuhr, kullerten ein paar einzelne Tränen über meine Wangen. Die Babys werden groß.

Und ich werde nicht allein sein, und sie werden mich immer brauchen. Manchmal, manchmal nicht und dann vielleicht wieder ganz doll. Alles wird anders, jetzt und immer wieder. Aber eine Mama bleibt eine Mama, so ist das eben. Und genau das, was mich eben an der Tür überrollte, wird mich und sie für immer verkletten. Auch im Auslandssemester in Gambia, auch wenn sie nach Neuseeland ziehen und sogar dann, wenn ich nicht weiß wo sie sind. Und könnten sie nicht trotzdem noch ein bisschen ganz klein bleiben? Ein einziges Jahr noch…

Kurzurlaub 

Wir waren einen Tag im Urlaub. Ganz nah dran, bei einem lieben Freund von früher, auf dem Land. Auf dem Programm stand Grillen und Klönen mit ein paar Leuten aus unserer Schulzeit. Das Häusle ist für unsere Verhältnisse sehr ländlich gelegen. Die Kinder haben Garten, Kletterbaum und angrenzendes Feld sehr genossen, fast so sehr wie unsere kinderlosen Freunde, die sich haben beklettern lassen. Für und war es wie Urlaub!! 

Viel zu lange wusste ich nicht, ob man unser Leben mit Kindern noch mit den Leben unserer alten Freunde verbinden kann. Heute bestätigt sich, was ich zunehmend vermutet habe: Es passt. Irgendwie war ich stets davon ausgegangen, dass wir nerven und sich kein kinderloser Mensch dieser Welt freiwillig mit uns abgeben würde. Wie eine Art selbstgewählte Isolation habe ich es hingenommen wie es war. Wie dumm. Danke für den tollen Tag, wir hatten einen super Urlaub. 

   
 

Sie sind weg

..Jetzt sind sie weg (weg)

und ich bin wieder allein, allein. 

Jetzt sind sie weg (weg)

es war nie schlimmer allein zu sein…

Vollkommen halb-verwaistes Mutti sucht neue Betätigungsfelder. Meine großen Hörnchen sind heute morgen vollkommen froh und glücklich ins Abendteuer ‚Klassenfahrt‘ gestartet. Und so langsam merke ich: Sie sind echt weg!!

So habe ich jetzt also nicht nur von 1000 auf null Semesterferien, sondern auch 50% meiner Arbeit verloren. Seltsames Gefühl!! Neue Projekte müssen her: 

Heute hat der Menne den Teppig der Treppe sowie den des Flures rausgerissen und den Flur gestrichen. Morgen kommt neuer Boden rein und etwas Feinschliff. Soll ja nicht langweilig werden hier. Und irgendwie sollte ich nach gut sechs Wochen Abstinenz vielleicht auch mal wieder ernsthaft putzen. Mal sehen.. Hihi! Auf also zu neuen Ufern! Semesterferien bis Ende April! Jippiiiii

Enten-fertig

… na ja, fast fertig. Was uns zu unserem Glück nun noch fehlt, ist eine Duschabtrennung. Na ja, und vielleicht ein paar angeschraubte Regale. Aber das ist alles Peanuts. Morgen. Nun erst einmal ist es fertig. Und hinreißend. Und es stinkt.

Ja! Ganz mächtig sogar. Diese Silikonmatsche, die in alle Ecken gespritzt wurde. Es Tränen einem die Augen; wirklich. Kaum auszuhalen. Aber das wird jawohl verfliegen. Bald. Und morgen!! Da werde ich den ganzen Tag über im Schalfanzug bleiben und auf und ab laufen und keinen Baumeister im Haus haben. Sozusagen aktives Allein-sein!!   

    
 

Ich geh auf’s Klo

Heute ist ein Feiertag. Der Menne muss arbeiten, fast den ganzen Tag. Ich sitze zu Hause, mit vier mittelmäßig gelaunten Kindern und langweile mich zu Tode. 

Ich mag diese tristen Tage nicht, an denen keiner Lust hat hier zu sein, aber auch keinem was einfällt, was man tun kann. 

Heut Nachmittag, da gehen wir dann raus. Und bis dahin muss ich mich irgendwie unsichtbar machen, damit sie mir nicht den letzten Nerv rauben. Und eben kam mit der Geistesblitz. Ich geh auf’d Klo!! 

In dem Buch „Angelas ashes“ beschreibt Fank McCourt:

The rain drove us into the church – our refuge, our strength, our only dry place. At Mass, Benediction, novenas, we huddled in great damp clumps, dozing though priest drone, while steam rose again from our clothes to mingle with the sweetness of incense, flowers and candles.

Und genauso ist es hier auch. Auf dem Klo habe ich meine Ruhe. Himmlische Einsamkeit, ich werde nicht verfolgt und plötzlich bin ich unsichtbar. Was für ein schöner Ort!!

Home alone 

Ein seltsamer Zustand. 

Ich bin allein. 

Ganz allein zu Hause. Und das auch noch völlig unerwartet. Beide Kleinen haben sich ohne Probleme im Kindergarten abgeben lassen. Und nun sitze ich hier, in Rufbereitschaft. Ganz allein; mit meinem schlechten Gewissen. 

Leider bin ich außerordentlich schlecht darin, meine Kinder abzugeben. Vielleicht habe ich sie aucheinfach gern um mich, oder aber ich bin zu egoistisch sie auch mal gehen zu lassen. Jedenfalls fällt es mir arg schwer, es als ‚gut‘ anzuerkennen und mir womöglich zuzugestehen, dass ich die Zeit auch ruhig ein wenig genießen darf.

Und so sitze ich nun hier. Allein mit mir und dem Gewissen und versuche mir glaubhaft einzureden, dass es gut ist. 

Große Kinder 

In den vergangenen Tagen habe ich wahnsinnig viel Zeit mit mir selbst verbracht. Ich konnte jeden Abend stundenlang lesen. Ich habe meine Stimme geschont, in Ruhe gegessen und gute Gespräche mit Erwachsenen geführt. 

Ich habe keine Windeln gewechselt, nur mich selbst geduscht, meine eigenen Zähne geputzt und meinen eigenen Hintern abgewischt. Ich habe kein Essen klein geschnitten und kein Schlaflied gesungen. 

Und so entspannend und cool diese Erfahrung auch war, so bietet sie auch einen erschreckenden Ausblick auf das, was mich in einigen Jahren erwartet. Einsamkeit, Stille und irgendwas komisches, das ich mir noch nicht vorstellen kann.