Ich ruf die Polizei 

Heute war es so weit, das A-Hörnchen ist ausgezogen. Der Grund für den verfrühten Aufbruch war meine mehrfache Ermahnung, sein Zimmer aufzuräumen und der damit verbundenen Teilräumung im Anschluss. Genau genommen hatte ich das A-Hörnchen seit Tagen gebeten wenigstens den Boden und den Tisch zu machen ; bis exakt heute. Tat er nicht, da tat ich. 

Das A-Hörnchen drehte durch wie noch nie gesehen, völlig außer Rand und Band brüllte er mich an, schrie, tobte und zeterte. Mit hochrotem Kopf zerrte er an der Tasche, in die sein Hab und Gut nach und nach wanderte und, das freut mich sehr, behielt dennoch die Beherrschung mir nicht weh zu tun. Irgendwann tobte er aus dem Zimmer, blieb in der Tür stehen und schrie in einem unfassbar donnernden und tosendem Ton:“Ich ruf‘ die Polizei!“; schlug die Tür zu und ging. Das A-Hörnchen zog sich Schuhe und Jacke an und verließ das Haus. Ohne Telefon. 

Ich stand am Ort des Geschehens und konnte nicht anders als einen Lachkrampf zu bekommen. Wie lange habe ich auf diese Art Konflikt gewartet, wie oft habe ich ihn selber aus der anderen Perspektive geführt. Ich tat weiter was ich so oft angedroht hatte zu tun, wischte dem Kind noch den Schreibtisch sauber und ging runter. Keine 5 Minuten später kam er wieder. Wütend aber ansprechbar. Dann sprachen wir. Über Wut und Unmut, über Kind sein, Mama sein und über Dreck und aufräumen. Und dann räumten wir auf. Mal wieder; bis zum nächsten Mal in diesem Zirkus. 

Alles neu

Mit einwöchiger Verspätung (Danke Grippe) starte ich heute in einen neuen Lebensabschnitt. Ich trete meine erste Stelle als Psychologin an. Echte Menschen, echte Probleme und hoffentlich echte Lösungen. Meine Stimmung so kurz vor dem großen Moment: Panisch. Plötzlich finde ich es eine dumme Idee so viel Verantwortung zu tragen. Plötzlich mag ich meinen alten Job in der Pflege, plötzlich mag ich Hierarchie; wünsche mir klare Anweisungen. 

Vor sechs Jahren habe ich entschieden keine Befehlsempfängerin mehr sein zu wollen. Ich wollte mehr, ich wollte gestalten, entscheiden und wegweisend arbeiten. Völlig klar war der Wunsch nach Verantwortung und mehr Kompetenz. In den letzten Jahren habe ich viel gearbeitet um dieses Ziel zu erreichen. Trotz Kind und Kegel habe ich mich durch mein Studium gebissen und nun, da es endlich geschafft ist, geht mir der Arsch auf Grundeis. Ich mag nicht mehr! Aber das ist jetzt alles egal, Augen zu und durch! Das ist die Devise der kommenden Stunden. Und am Ende wird schon alles gut. Bestimmt! Und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende! 

Zerreißprobe

Zu Weihnachten basteln Kinder in Schule und Kindergarten gern hübsches für ihre lieben Mütter. So auch meine Hörnchen in diesem, bzw. letztem Jahr.

A-, C- und D-Hörnchen überreichten mir je ein selbstgestatltetes Bild von sich oder ihrer Gruppe, hübsch gerahmt. Ich freute mich über jedes der Geschenke und wusste, dass ich sie für immer aufbewahren würde. 

Auch B-Hörnchen brachte ein Paket mit nach Hause. Sie versteckte es sorgsam bis zum 2. Weihnachtsfeiertag. Dann legte sie es auf den Küchentisch und begann zu sinnieren, wem sie dieses Geschenk wohl schenken könnte. Ich zeigte ihr auf, dass ihre Geschwister diese Geschenke MIR geschenkt hätten, und dass es für Mütter etwas besonders Schönes wäre, so ein Geschenk zu bekommen. 

B-Hörnchen blieb hart und sinnierte weiter. Sie bedachte alle Omas und Uromas und konnte sich dennoch nicht entscheiden. Wem nur dieses Geschenk schenken. Nach einigen Tagen bat ich meinen Menne darum, dem B-Hörnchen noch einmal ins Gewissen zu reden, damit ICH das Geschenk bekäme. Nichts geschah. Auch an Silvester lag das Geschenk verschlossen am Küchentisch und ich begann langsam mir eine Strategie zurechtzulegen, nicht zu weinen, wenn Uroma das Geschenk bekäme. 

Gestern dann geschah das unglaubliche: B-Hörnchen überreichte mir feierlich das Geschenk. Und ich habe mich so gefreut!!