Kleiner Triathlon

Ich kann nicht gut Mittelmaß. Wenn ich etwas mache, dann mache ich es immer doll; immer ein bisschen drüber. So war es auch in Sachen Sport immer die selbe Leier. Ich begann etwas, stiegt voll ein entwickelte schnell großen Ehrgeiz. Höher, schneller, weiter. Ich wollte bitte immer die beste sein, wenigstens aber vorn dabei. Es damit dabei immer wieder verloren ging war der gesunde Blick auf mich selbst. So ging ich stets über die Schmerzgrenze und tat meinem Körper sicher nicht nur gutes.

Vor einigen Jahren entdeckte ich das Laufen für mich und lief mit einer Freundin drei mal die Woche. Trotz starker Schmerzen nach etwa 5km machten wir mehr, gegen allem inneren Widerstand. Einige Jahre ging das so, ich prügelte mich den Deich entlang, für was auch immer. Irgendwann schlief die Sache ein, zum Glück dachte ich. Das Laufen verteufelte ich, hatte es mir doch nie gut getan. „Nicht mein Sport“ war die klare Bilanz und die Sache war durch. Ganz losgelassen hat es mich dennoch nicht, denn eigentlich mochte ich es; irgendwie.

Vor einigen Monaten bin ich es nun nochmal angegangen. Ich, allein. Zuvor habe ich ein paar Kleinigkeiten mit mir besprochen: Nie gegen inneren Widerstand, kein Wettbewerb, keine Schmerzen. Ich laufe langsam und viel weniger. Ich verausgabe mich nicht mehr und vor allem tue ich es nur für mich. Morgens, wenn ich das D-Hörnchen zur Kita gebracht habe, gehe ich direkt an den See. Zwei mal in der Woche, manchmal aber auch nicht. Inzwischen freue ich mich auf diese kurzen Intermezzi mit mir. Endlich ein Raum, in dem die Gedanken plätschern können und alles ganz leicht ist. Nach der Runde gehe ich in die Dusche und radle dann zur Arbeit. Ein kleiner Triathlon, nur für mich, weil ich es verdient habe einfach mal kurz zufrieden zu sein.