Die Wurst und das Schwein

Unser Fleischkonsum ist in den letzten Jahren stark zurückgegangen. Das, was wir an Wurstwaren oder Fleisch essen, stammt von Bio-Höfen in der Region. Verarbeitete Wurstwaren sind bis auf wenig Salami, Schinken und gelegentlich eine Leberwurst aus dem Kühlschrank verbannt und genau genommen vermisst sie keiner. Dachte ich. 

Vorgestern tobte das B-Hörnchen zum Süßigkeiten einkaufen. Da wir recht (um nicht zu sagen total) abgebrannt waren was Auflage fürs Brot angeht, bat ich sie etwas Wurst und Käse mitzubringen. Alles kein Problem, das Hörnchen fuhr los. Ich war mir sicher, dass sie ihre Sache gut machen würde, hatte doch das A-Hörnchen einmal eine geschlagene Stunde im Aldi nach fair Trade Schokolade gesucht – weil er es undenkbar fand etwas anderes zu kaufen. B-Hörnchen kehrte schnell und zufrieden zurück; mit zwei Paketen Jagdwurst. Diese weiche, runde zu 69 Cent. Diese, wo man nicht sieht was es ist, die so komisch schmeckt. Diese traurige und … na ja. 

Am Abend saßen wir am Tisch und aßen. Alle Kinder.. äh Verräter (außer dem Vegetarier, A-Hörnchen) liebten die Jagdwurst! C-Hörnchen musterte die Verpackung und entdeckte ein Schwein darauf. Sie kombinierte: „Das ist aus Schwein!“ Dann grübelte sie weiter und ergänzte: „Das Schwein, ganz platt gemacht, ausgetochen, rund, fertig!“ Mir lief es kalt den Rücken herunter. Irgendwie hatte sie ja  recht! C-Hörnchen führte fort: „Zum Glück ham’se die Knochen raus genommen!“ A-Hörnchen mischte sich schnell mit angewidertem Gesichtsausdruck ein und sagte: „Jap! Die brauchen sie ja für die Gummiebärchen!“ 

Stille. Nie wieder Jagdwurst. 

Überdurchschnittlich gesund

Ein Termin beim Betriebsarzt stand an, TÜV sozusagen. Nachdem die vergangenen Monate sehr stressig waren und ich mich zwischenzeitlich gar nicht gut gefühlt habe, war ich nicht sicher, ob dies sich in den Blutwerten spiegeln würde. Somit sah ich die umfassende Untersuchung als gute Gelegenheit. 

Schon im Vorgespräch war der Arzt ganz begeistert. Sport, gute Ernährung und kaum Alkohol, das hört er gern. Dass ich dann noch keine Allergien, Chronischen Krankheiten oder sonstige Probleme habe konnte er kaum glauben. Der Blick auf meine Blutergebnisse machte ihn dann vollendet zufrieden. Blutfette, Leber,- Niere und auch alle anderen Werte sind nicht nur ok sondern hervorragend. Ich bin in bester Verfassung, in topform quasi. 

Für mich wirklich schön zu hören, bin ich doch wirklich bemüht in Sachen Ernährung alles gut zu machen. Und auch wirklich erfreulich, dass der blöde Stress keine sichtbaren Spuren hinterlassen hat. Erschreckend hingegen ist die Tatsache, dass ein Arzt von einem Allergie- und Krankheitsfreien Menschen so überrascht ist.  Eigentlich, so hätte ich es erwartet, sollten kerngesunde Menschen Mitte dreißig keine Ausnahme sein. Im Gegenteil, wann wenn nicht jetzt. Welche Altersgruppe ist denn dann geeignet um kerngesund zu sein? Eine verwirrende Welt! 

Weight watchers 

Wie jedes Jahr bin ich auch in diesem Januar zu einer guten, alten Ttadition zurückgekehrt; ich habe mich im Januar bei Weight watchers angemeldet. Ganz ohne gute Vorsätze und all sowas, einfach nur weil es mir jedes Jahr gut tut! 

Zum ersten Mal habe ich mich vor drei Jahren, in der Abstillphase des D-Hörnchens, angemeldet und war schnell überzeugt. Eigentlich muss ich immer noch über mich selbst lachen, denn genau genommen bietet das Programm nichts, was ich nicht auch mit meinem Kopf könnte. Ich weiß genau was ich gutes esse, weiß genau was ich an Mist in mich rein stopfe. Ich weiß, dass Sport gut ist und kein Sport schlechter. Trotzdem nützt mir diese ganze kluge wissen gar nichts. Denn am Abend auf dem Sofa weiß ich vor allem, dass ich kaputt bin und meine geschundene Seele belohnen muss – mit Schokolade. Und so futtere ich mich Abend für Abend glücklich; oder auch nicht. 

Weight Watchers ist für mich wie ein Weckruf. Ich besuche keine Treffen oder so, alles was ich mache ist mein Essen im Handy zu protokollieren. Die App zeigt mir dann an, wieviel ich noch essen darf. Peng, das ist das ganze Geheimnis. So nutze ich das Programm wie ein Lesezeichen im Hirn. Die ersten Monate eines jeden Jahres protokolliere ich streng und verliere ein paar Kilo. Den größten Teil des Jahres zehre ich dann von den strengen Anfangsmonaten. Das regelmäßige Ins-Gedächtnis-Rufen der Mengen und die Auseinandersetzung mit Ernährung und Bewegung hält eine Weile an, so dass ich problemlos einige Monate einfach so vormochhin esse und lebe. Gegen Ende des Jahres kehrt dann der Schledrian ein. Ich scheisse auf das gesunde Leben und finde wieder jeden Tag einen guten Grud meine geliebte Schokolade zu essen. In dieser Endphase des Jahres futtere ich mir dann meine Kilos vom Vorjahr wieder rauf und so ist im Januar alles beim Alten. 

Nun heißt es auf ein Neues. Ich bin motiviert und habe Lust zu meiner gesunden Form zurückzufinden. Desillusioniert und in vollem Bewusstsein, dass ich weiß, wie ich es nutzen werde, fällt es mir leicht dem Konzern WW ein paar Euronen in den Rachen zu schmeißen. Schließlich bekomme ich ja auch was dafür: Das gute Gefühl! Zumindest ein dreiviertel Jahr lang. 

Ernährungsfragen

D-Hörnchen trinkt total gern Milch. Locker ’nen halben Liter, manchmal auch mehr. Es schmeckt ihm einfach. Kuhmilch! Milch, die für Kälber gemacht wird. Das Böse! Milch; das heißt Laktose pur, Allergene und verklebte Schleimhäute. Ganz schlimm, mit Sicherheit. Und verantwortungslos. 

A-Hörnchen ist Vegetarier. Er isst keine toten Tiere, weil er Tiere mag. Verantwortungslos, sagt meine Oma. Bekloppt, sagen andere. Fleisch ist gesund und wichtig, fördert das Wachstum und den Verstand. Fleisch ist gut für die Muskeln und grad so ein Heranwachsender braucht das gute Protein um kräftig und männlich zu werden. 

C-Hörnchen isst Fleisch. Dramatisch, ich weiß. Eigentlich baucht der Körper kein Fleisch und der faschistische Konsum von Lebenwesen ist egoistisch und wiedersagt jedem humanistischem Streben. Fleisch, und eigentlich auch tierische Erzeugnisse, sind nicht zum menschlichen Verzehr vorgesehen. Es ist verantwortungslos, der Natur gegenüber und den kommenden Generationen. 

B-Hörnchen mag gern Süßes. Sie kann es gut vertragen – denke ich manchmal. Dabei strotzen all diese Dinge nur so vor Zucker. Weißem Zucker! Unverantwortlich! Kohlenhydrate, und ins besondere eben dieser Kristallzucker, sind schlecht für die Zähne und machen dick. Sie verkleben den Organismus und machen und krankheitsanfällig und schwerfällig. Kohlenhydrate sollten, logisch betrachtet, einfach umgangen werden und der Körper in eine gesunde Ketose geführt. 

Ich selber weiß manchmal nicht was ich essen soll. Verzichte ich auf Kohlenhydrate, denke ich an Brot. Lebe ich vegan, denke ich an Käse. Ich trinke gern mal Milch und mag gelegentlich ein Ei. Ich liebe Süßes und manchmal ist eine Steak toll. Was ist denn eigentlich  aus dem Grundsatz der ausgewogenen Ernährung geworden? Ist denn wirklich alles so schlecht? Ich bleibe dabei, mit Gemüse allein bekomme ich meine Kinder nicht groß! Zucker in Maßen macht nicht krank und dick und gut ausgewählte tierische Erzeugnisse sind nicht faschistisch. Und diese ganzen Dogmen was das Essen angeht machen erst recht krank. Denn was kann es denn gesünderes geben als einen ordentlichen Appetit und Lust auf gutes Essen?! 

Schwere Entscheidung 

C-Hörnchen ist nun auch vegetarisch. Nicht wegen der Tiere, sondern wegen der tollen Sojawurst, die A-Hörnchen immer bekommt. 

Während sie dabei war sich zu entscheiden ob sie es nun wirklich werden sollte, half ich ihr auf die Sprünge indem ich aufzählte, welche Lebensmittel alle aus Tieren sind und welche sie weiter essen würde. 

„Würstchen gibt es dann nicht mehr. Und Salami auch nicht. Und Hamburger mit echtem Tier und Hot Dog mit Bockwurst. Und…“

…C-Hörnchen sinnierte weiter

„… Mensch darf ich dann auch nicht mehr. Das  ist ja auch aus Fleisch.“

Natürlich, das stimmt auffallend, wo wir doch sonst regelmäßig überalterte Großeltern essen. Oder nervige Nachbarn. 

Wasser und Brot

C-Hörnchens Freundin war zum Spielen da. Alles gut; dachte ich. Als das Mädchen abgeholt wurde erklärte sie ihrer Mutter, dass sie bald wieder mit C-Hörnchen spielen wolle. Dieses Mal aber bestimmt nur bei sich. 

Sowohl Mutter als auch ich waren etwas überrascht aber da erläuterte das Kind schon:“Hier gibt’s nix zu trinken!“ Aha! Da lag also das Problem begraben. Ich hatte mehrfach Obst und Wasser angeboten, unsere normalen Lebensmittel zwischen Kita-Ende um drei und Abendessen und sechs, und sie hatte alles abgelehnt. Nun verstand ich: Saft und Kekse wäre weniger daneben gewesen. Ich bin echt ne Zumutung. 

Zu dick? So’n Quatsch!!

Die Zeitschrift ‚Medizini‘ hat sich einen Faupax erlaubt, der auch hier bei uns eine wachsende Rolle einnimmt. Der Stern erläutert in DIESEM ARTIKEL den Ausrutscher des ‚Medizini‘, in dem Kinder zwischen 5 und 12 Jahren dazu angehalten werden, sich kritisch mit ihrer Figur auseinander zusetzen. 

Schrecklich! Trotz dessen, dass ich ja quasi die lebende Definition für ‚Figurprobleme‘ bin, ist es mir enorm wichtig vor und für meine Kinder gut, genug und normal zu essen. Figur ist kein Thema, sollte es zumindest sein. Denn trotz aller Vorsicht und gelebter Normalität kam es schon vor, dass meine spindeldürren Töchter sich erkundigten, ob sie dick wären, oder würden oder es einmal werden könnten. So lautet das Motto hier: Wer sich einfach nur gut und reichlich gesund ernährt, der kann gar nicht dick werden. 

Wie sehr ich hoffe, dass meinen Kindern dieses Thema erspart bleibt, und sie auch in der Pubertät einfach normal essen können; ja sich trauen dieses auch zu tun. Ich für meinen Teil möchte alles tun, einen guten, gesunden Weg einzuschlagen und den Gedanken an all dies nichtmal aufkeimen zu lassen. 

Gut gewollt und gut gekonnt

Mein Mittagessen steht aktuell unter keinem guten Stern. Nachdem der Versuch einen Burger zu essen ja gestern mächtig in die Hose ging, habe ich mir gestern Abend so einen fertigen, ollen Salat gekauft. Ja, ich weiss; soll man nicht machen, mach ich auch sonst nicht und mach ich auch nicht wieder. Denn als ich das Ding eben öffnete, schlug mir der unwiderstehliche Duft verdorbener Eier entgegen. Getoppt wurde das Ensemble von einigen glibberig-welken Paprikastückchen und ebenso wabbeligen Salatblättern. Nein danke! Ich verzichte auf meinen pseudo-gesunden Salat und bringe ihn dem Schweineladen gleich zurück.

Vorher muss ich aber was essen, mein Magen hängt in den Kniekehlen! So tiegere ich also durch die Küche, auf der suche nach einer Alternative. Und was macht mein Kohlenhydrat- und fettliebender,  dummer Körper in Zusammenarbeit mit meinem willensschwachen Hirn? Er schiebt eine Tiefkühlpizza in den Ofen.

Na toll. Und ich schauen willenlos ergeben zu. Ja! Und ich esse sie sogar, wie ausgeliefert. Vollkommen übervorteilt von der Angst meiner Innereien zu verhungern, stopfe ich also das Ding in mich und denke dabei noch: Immerhin besser als der olle, gammelige Salat!!

Cookies 

Mit meinen Damen habe ich heute dreierlei Cookies gebacken. Und ich muss sagen, wenn man keine Angst von Kohlenhydraten, Fett und Kalorien hat, sind diese Teile eine einzige Offenbarung. 

280g Mehl

100 g brauner Zucker 

100g weisser Zucker

2 Eier

250g Butter

1Tl Natron 

0,5 Tl Salz

Und Gimmicks nach Geschmack 

Je ein TL Teil ergibt einen Cookie. Man muss einfach den Haufen auf’s Blech packen, der Keks wird von ganz allein rund.