Was soll das?

Und so ging es vorbei, das Jahr 2018, sang und klanglos zog es von dannen und hinterließ dennoch nichts als Fragen. Die elementarste von allen: Was soll das? Ich verstehe den Hintergrund des Ferienhauses ohne Internet. Entschleunigung, Besinnung auf’s Wesentliche, Förderung zwischenmenschlicher Kontakte im direkten Umfeld, Wiederauffinden alter Freizeitmuster (ich habe ein Buch gekauft!) aber das, was 2018 sich im aller letzten Zuge überlegt hat, übersteigt wirklich meinen Horizont!

Die Spülmaschine in der Ferienwohnung ist kaputt gegangen.

Somit hat sich seit gestern ein ganz neues Freizeitmuster aufgedrängt: Abwaschen! Der eine oder andere weiß es vielleicht, für alle anderen nun noch einmal zusammengefasst:

Meine Eltern hatten eine Spülmaschine seit dem ich denken kann; ich habe früh angefangen zu denken. Als ich mit 17 ausgezogen bin, was das erste was ich in der Wohnung meines Mennes angeschafft habe eine Spülmaschine. Ich hasse abwaschen. Kaum etwas ist für mich so überflüssig, dämlich, langweilig und dumm. Kein Sekundenbruchteil vergeht beim Abwaschen, in dem ich nicht innerlich zerbreche und … Ich hasse abwaschen! Wirklich, sehr.

Nun sitzen wir also in der Ferienwohnung, mit alle aber ohne Minna. Frohes Neues allerseits. 2018 du hast wirklich alles gegeben. 2019, könntest du bitte die Minna reparieren?

Könntest du bitte liebevoll, ehrlich, frei, menschlich, weltoffen, grenzenlos, fair und humanitär werden? Bitte.

Die erste Zeit

Als 2007 das A-Hörnchen zur Welt kam begann ein neuer Lebensabschnitt. Jedem in meinem Umfeld war das klar, dass ich von nun an sehr glücklich und müde sein werde. In Wahrheit hatte ich mich mit dem Thema „Kind und Leben“ wenig beschäftigt, war davon ausgegangen, dass alles seinen Gang nehmen würde. Vielleicht wäre es so leicht gewesen, hätte ich schon damals die Banalität von Glück erkannt. Anstatt mein eigenes Glück zu finden, versuche ich das zu erfüllen, was alle anderen offenbar erwarteten – und zerbrach fast daran.

In den ersten Wochen nach der Geburt sass ich oft nachts da, stillte das Baby und wartete. Worauf ich so sehr wartete, war mir lange nicht klar, aber ich stellte lange Überschlagsrechnungen an: Das Kind ist zwei Wochen alt, jedes Jahr hat 52 Wochen. Mindestens die ersten 6 Jahre wird das Kind min sehr brauchen, das macht 312 Wochen, davon sind 2 rum. Das heißt in 310 Wochen bekomme ich vielleicht ein Stück meines Lebens wieder. Ab und zu schläft es vielleicht bei den Großeltern, später. Also 308 Wochen verschenkte Lebenszeit… Mein Hirn suchte nach Strategien, diese elende, sinnlose Zeit zu überstehen und verzweifelte immer mehr. Als A-Hörnchen ein paar Wochen alt war, hätte ich ihn gern diesen vielen Menschen überlassen, die ihn immer alle so niedlich fanden. Für mich war er anstrengend und der jenige, der mein Leben an sich riss und es Schritt für Schritt zerstörte.

Das war mich damals so lähmte und die ersten Monate als Mutter zum Höllenritt machet, nennt man Postnatale Depression. Eine Mischung aus Erwartungen an sich selbst, Überforderung und einen Hormoncocktail zwangen mich in die Knie. Es war nicht so, dass ich mein Kind nicht liebte, doch hasste ich das, was es aus mir machte. Ich hatte kein Bild von mir selbst als Mutter im Kopf, und alle alten Modelle passten plötzlich nicht mehr. Ohne jede Identität war ich in meiner neuen Rolle hoffnungslos verloren. Ich liebte mein Kind und hasste mich dafür, selbst das nicht vernünftig hinzubekommen. Jede Abweichung vom Plan A, jede Kleinigkeit, die nicht so lief wie ich sie mir überlegt hatte, brachte mich an den Rand der Verzweiflung – und jeder der schon mal mit einem Baby gelebt hat weiß, dass nie etwas nach Plan läuft. So lebte ich am Rand der Verzweiflung, nach außen sehr glücklich, nach innen anders.

Letztlich war es eine Therapie und vor allem der Kontakt zu anderen Müttern, der mich aus dem Sumpf zog. Zu sehen, dass andere Babys auch weinen, andere Mütter auch Sorgen haben, andere auch ihren scheiss Haushalt nicht schaffen; das tat gut. Ganz langsam, nach und nach erschuf ich ein Bild von mir als Mutter, eine Identität. Und irgendwann hörte ich auf die Wochen zu zählen, die es dauern würde, bis ich mein Leben wieder bekomme und integrierte das Neue in mein Leben.

Erwartungen sind gefährlich. Grade für junge Mamas, die ihr erstes Kind bekommen haben, werden sie schnell zu einem Spießrutenlauf. Jeder hat einen guten Rat, jeder weiß alles besser. Es gibt tausend Punkte die man zerreden und zerdenken kann und die aller meisten davon sind es nicht wert. Ob Babys im Familienbett schlafen oder in der Wiege, Stillen, Flasche, abpumpen; Brei selber kochen oder aus dem Gläschen nehmen. Weichspüler meiden oder nutzen,…. All das und Millionen Pünktchen mehr sind indiskutabel und egal. Jeder wie er mag und anstatt sich das Maul über die zu zerreißen, die in Grund alles toll machen, einfach mal auf sich selbst schauen. Das kann verdammt hilfreich und interessant sein.

Happy Birthday to me 

Heute ist mein Geburtstag. Der 34.. Ich habe meine Kollegen bebacken, werde 6 Stunden arbeiten und Besuch von einer lieben Freundin bekommen. Und am aller aller meisten werde ich dieses Jahr nicht enttäuscht sein. 

In den vergangenen Jahren habe ich mich immer wie ein kleines Kind auf meinen Geburtstag gefreut. Ich wollte Überraschungen, viel Tam Tam und allerlei Aufmerksamkeiten. Die Realität war meist eine andere. Kranke Kinder, ein arbeitender Mann oder einfach nur Stress; großes Tam Tam blieb aus, immer! Am Ende war ich oft enttäuscht und habe es verflucht, nicht mehr 10 zu sein und ungetrübt im Mittelpunkt zu stehen. 

Dieses Jahr bin ich klüger. Ich versuche es einmal mit Realismus. Ich bin 34 Jahre alt, hab vier Kinder und noch mehr zu tun. Tam Tam und Tatarattata sind eine dämliche Idee und wer nichts erwartet, der kann auch nicht enttäuscht werden. Wer braucht denn auch schon Geburtstag. Und nun starte ich in meinen Tag und bin gespannt wie sich so ein erwartungsloser Geburtstag anfühlt. 

Happy Birthday Mütterchen!