Paradoxe Intervention

Es gibt Zeiten,in denen ist das Klima hier etwas rau. A-Hörnchen motzt alles und jeden an, alles weiß er besser. Ins besondere C-Hörnchen reagiert darauf mit heftigen Protest. Gleichzeitig ist es C-Hörnchen, die immer wieder das D-Hörnchen nervt und bevormundet, so dass er außer sich gerät. Auf diese Bevormundungen reagieren wiederum A- und B-Hörnchen mit Reglementierungen in Richtung des C-Hörnchens, was diese zum erneuten Protest ermutigt.

Ja, manchmal ist es zum weglaufen. Die ständige Gereiztheit schlägt, vor allem dem Menne und mir, massiv auf’s Gemüt. Und das bekloppte ist, wettert man immer noch dagegen, wird es in nu noch ungemütlicher. Verhext, denn nichts dazu zu sagen, kommt faktisch auch nicht in Frage. Heute morgen hatte ich dann eine bahnbrechende Idee:

Immer wenn jemand quängelt, motzt oder jammert, sagen wir: „Hansterkäfig!“, schreit einer: „Stoooop!“, „lass das“ oder ähnliches in einer beschriebenen Konfliktsituation, sagen wir „Kaninchenstall!“. Klingt hirnlos? Ist es aber nicht!

Durch das Einbringen der vollkommen unpassenden Worte geschehen zwei Dinge. Zum einen wird der abgenutzte Konflikt unterbrochen, zum anderen wird verdeutlicht, wie oft der immer selbe Dialog zwischen den verschiedenen Parteien geführt wird. Dadurch, dass wir aber als Intervention nicht meckern, sondern etwas sinnloses sagen, verschlechtert die Intervention nicht zusätzlich das Klima. Paradoxe Intervention ist der Fachausdruck für dieses irre aber manchmal sinnvolle Vorgehen. Und was auch in der klinischen Praxis gelegentlich erfolgreich ist, kann doch hier nicht so schlecht sein.

Wer bin ich? 

Gestern auf dem Schulhof fragte mich ein Kind, „wer bist du?“. Ich antworte:“Die Mama von A- und B-Hörnchen!“ und das Kind sagte:“Ah! Die coole Mama!“ 

Die coole Mama?! Ist ja cool. Bin ich denn wirklich cool? Ich dachte ich bin eher die strenge Mama. Oder die Mama, die immer sagt:“Zimmer aufräumen!“ Ich bin die Mama, die will, dass man im dunkeln nach Hause kommt, die Vokabeln abfragt und sich über Rechtschreibfehler beschwert. Ich dachte ich wäre vielleicht ein bisschen peinlich, weil ich mich anders kleide, vielleicht ein bisschen nervig oder so. 

Offenbar bin ich aber auch cool. Vielleicht weil ich einen 8-jährigen ein Smartphone erlaube, weil ich seinen Wundch schlicht respektiere, oder weil wir immer viel Besuch erlauben? Vielleicht weil ich entgegen des Rates der Reitlehrerin die ‚Reitstunden nur im Sommer‘ erlaube, weil ich es verstehe, dass B-Hörnchen einfach friert. Vielleicht weil ich versuche meine Kinder zu begreifen und zu akzeptieren. Vielleicht weil ich Halt gebe, wo er gebraucht wird und Freiheit  schenke, wo ich sie vertreten kann. Vielleicht weil ich versuche nicht so viel zu denken, sondern meinen Bauch entscheiden lasse. 

Wer weiß; jedenfalls bin ich cool. Cool!!