Kleine Kunde der Erde

Mein Neffe ist vier und sehr klug. Zuletzt hat den kleinen Kerl sehr das Erdbeben in Italien beschäftigt. Immer und immer wieder hat er gefragt und erzählt. Wackelnde Erde, einstürzende Häuser. Alles sehr beängstigend! 

Am vergangenen Wochenende erklärte er mir dann folgendes:“Bei Italien hat die Erde gewackelt und die Häuser sind kaputt gegangen. Das ist schlimm. Das ist da passiert, weil die Indianer da wohnen, und die haben an der Erde gewackelt. Bei uns kann das aber nicht passieren, weil hier keine Indianer wohnen.“ 

Auch meine Schwester weiß nicht, woher diese Verstrickung von Halb-und Fehlinformationen kommt. Fakt ist, dass sein kleiner Kopf eine großartige Leistung vollbracht hat; nämlich die, sich einen vollkommen unerklärlichen Prozess in etwas für sich logisches zu verpacken den beängstigenden Anteil somit zu entkräften. „Bei uns ist alles gut!“ Besser geht es nicht! Psychologen sprechen bei diesem Phänomen, dass bei Kindern im Kindergartenalter Auftritt, von der Phase des Magischen Weltbildes. In dieser Phase erklären sich Kinder die Welt so, wie sie sie sich erklären können. Magisch, phantastisch und meistens vollkommen niedlich unlogisch. Der einfache Grund hierfür ist, dass viele Dinge, die unfassbar kompliziert sind, den Kindern Angst machen. Ist es aber eine Elfe, die die kleinen Lichter im Auto blinken lässt, dann ist es ok. Im Grundschulalter weicht dieses Denken dem Rationalen Denken. Aus der Zauber; und meistens auch das Aus für den Weihnachtsmann. Denn auch der ist ja irgendwie magisch (na gut, und von Coca Cola…).

Where the wild Rosés grow 

Auf der Bürgerweide in Bremen wird nun langsam der Freimarkt aufgebaut; das Bremer Equivalent zum Oktoberfest. Gesten war das C-Hörnchen mit ihrer Kindergartengruppen am Aufbauort und hatte mächtig was zu berichten als sie nach Hause kam! 

So erzählte sie freudig, dass sie eine halbe Stunde mit dem Bus gefahren wären. Dann seien sie an den Ort gekommen, an dem der Freimaak wächst. Er sei aber noch sehr klein gewesen; wurde warscheinlich grad erst gepflanzt. C-Hörnchen fand das so sehr logisch. So berichtete sie weiter, dass der Freimarkt dann irgendwann fertig gewachsen sein wird und dann könne man da Karussell fahren. Tja, und am Ende würde  er dann abgeerntet und alles wäre wieder weg. 

Ich liebe diese Magische Phase. Alles hat seine Logik. Und da das Hörnchen im Moment im Garten viel erntet, ist es ihr das sinnvollste der Welt, dass dieses Volksfest ebenso gedeiht. 

Eine Geschichte 

Im Kindergarten werden grad Geschichten erzählt. Jeden Tag wird eine bestimmte Geschichte von einem Kind weitererzählt. Das Erzählte wird von einem Erzieher protokolliert und die Geschichten werden ausgestellt. Die Aktion ist in allermunde und macht die Kinder sehr stolz!

Heute war C-Hörnchen an der Reihe. Sie hat eine großartige Geschichte über Regentropfen erzählt, in der nach und nach alles lebendig wurde und dann liefen da Wasserhähne umher und noch viel mehr. Und wer C-Hörnchen einmal hat erzählen höhren der weiß: Die Kleine hat’s drauf! Sie hat einen klasse Styl und ist unglaublich lustig. So kam es, dass die Zuhörer nach und nach alle laut am Lachen waren. 

C-Hörnchen war sehr traurig nachdem sie ihre Geschichte erzählt hat. „Die sollten sich alle freuen!“ schimpfte sie, „und nicht über mich lachen!“. Mein armes Kind. Im anschließenden Gespräch haben wir kleinschrittig die Emotion „Freude“ analysiert und zum Glück herausgefunden, dass lautes Lachen durchaus ein Symptom von Freude ist, und somit durchaus angemessen und positiv war.  

Das harte Leben der Bauern

D-Hörnchen hat ein Buch, bei dem die Tiere auf Knopfdruck Geräusche machen. Auf einer Seite ist auch ein Trecker zu sehen und D-Hörnchen stellte fest, dass der Trecker leider keine Geräusche macht. 

C-Hörnchen klärte ihren kleinen Bruder gern auf:“In echt machen Trecker gar kein Rötötöt. Das Rötötöt-Geräusch kommt von dem Menschen auf dem Trecker, weil der ohne Rötötöt gar nicht weiß, ob das ein Trecker ist. Und wenn man einen Trecker sieht ohne Mensch drauf, dann macht der ja auch nicht Rötötöt.“

Ich finde das sehr logisch. Trotzdem wäre es vielleicht sinnvoll, einen Trecker mit automatischem Rötötöt zu erfinden. Dann könnten die Bauern ihre Stimme schonen und müssen nicht den ganzen Tag Rötötöt machen. Man hat es auch nicht leicht als Bauer.  

Haare am Bauch

Eine weitere, großartige Theorie vom C-Hörnchen:

Nach dem Duschen stellt das Hörnchen fest, dass Mama Haare wo hat, wo Hörnchen keine hat. Folgerichtig kombiniert das Hörnchen, dass das so ist, weil Mama erwachsen ist. Weiter stellt sie fest, dass Papa auch erwachsen ist, weil er Haare hat. Außerdem, so erläuterte das Hörnchen, hätte Papa auch die Babys alle im Bauch gehabt, weil er Haare am Bauch hat. Und, das aller wichtigste:

Wenn sie groß ist, würde auch C-Hörnchen Haare am Bauch bekommen, weil sie dann Babys bekommt. Ich denke ja eher, unter Umständen würde das mit den Babys erschwert durch die Haare. Aber wer weiß…

Regen

Im strömenden Regen fuhren wir mit dem Rad nach Hause. Unter einer Laterne blieb das C-Hörnern sehen und schaute nach oben. Entzückt von ihrem Entzücken erwähnte ich, dass man den Regen hier besonders dolle sehen könnte. C-Hörnchen sah mich wissend an und wisperte:“Ja! Die Laternen spucken den Regen!“

Immer wieder bin ich erstaunt, dankbar und sprachlos zugleich wenn ich einen kleinen Einblick in die Welt meiner Kinder bekomme. Laternen spucken also Regen; gut. Bestens! Wo soll der sonst auch her kommen.