In fremden Betten

Wo anders zu schlafen, und dabei ist es fast egal ob es bei Freunden, im Hotel oder in einem Ferienhaus ist, ist für mich immer ein kleiner Akt der Überwindung. Das A&O ist es, die Matratze nicht zu sehen. Muss ich im Ferienhaus das Laken selber aufziehen, hoffe und bete ich sehr darum, keine ekelhaften Dinge zu finden (ekelhaft bedeutet in diesem Falle: Spuren menschlichen Lebens; aller Art!) Alles in einem versuche ich diesen Schritt im Blindflug vorzunehmen, um eben nichts Schlimmes zu sehen. Unter die Betten gucken oder ähnliches ist Tabu; viel zu gefährlich.

In der ersten Nacht im fremden Bett beginnt mein Kopf dann einen vertrauten und immer wieder verstörenden Film abzuspielen. Wer lag hier schon alles, was ist hier schon alles passiert. Wer hat wie stark geschwitzt, wer vielleicht gepisst, wieviele Kinder gezeugt und … es ist furchtbar! Auch Decke und Kopfkissen versuche ich nach Kräften nicht zu berühren, wer weiß was da alles drin ist. Außerdem habe ich immer ein heimisches Kuschelkissen dabei, auf dem mein Kopf sicher liegen kann; ohne Feind Kontakt.

Auch den Fußboden finde ich in den ersten Tagen ekelhaft, mag ihn nicht barfuß betreten. Nach einigen Tagen gibt sich das dann; alles böse ist dann abgelaufen. Der Tick mit den Betten bleibt, zumindest aber ist es mir noch nie gelungen lange genug in einem fremden Bett zu bleiben um mich wohl zu fühlen. Und so ist jeder Urlaub von der latenten und dann stetig größer werdenden Freude auf mein eigenes Bett begleitet.

Ob das nicht krankhaft ist? Ich glaube nicht; zumindest aber nicht wesentlich. Ein Verhalten beginnt immer dann pathologisch zu werden, wenn es einen im Leben einschränkt und einem Lebensqualität entzieht. Diese Definition ist vollkommen klar und tückisch zu gleich. Denn der Mensch kann kaum etwas so gut, wie sich sein eigenes Verhalten schön zu reden. Alles gut also, ich bin nicht verrückt. Es stört mich schließlich gar nicht! Der Fachausdruck für meinen Tick wäre übrigens Mysophobie – die krankhafte Angst vor Viren, Keimen und Übertragungen aller Art und das damit verbundene Vermeidungsverhalten – aber ich hab das ja gar nicht.

Paper sharing

Urlaub im Ferienhaus ist ja immer ein bisschen eine Wundertüte. Man hat zwei Optionen:

1. Man bringt Seife, Spüli, Waschmittel, Taschentücher, Klopapier, Spülmaschinentabs, Lappen, Handtücher,.. Und all das, was man sonst so bei Rossmann kaufen kann mit, und hat dann ggf. alles doppelt. Zudem reist man mit opulentem Gepäck! 

2. Man bringt es alles nicht mit, sondiert die Lage vor Ort und muss dann ggf. recht spontan einkaufen. 

Wir haben uns klar für 2. entschieden und mussten somit direkt mal los. Fast alles war da, leider kein Klopapier. So zogen wir los um im Geschäft festzustellen, dass es 2er Pakete (viel zu wenig) und 12er Pakete (viel zu viel) gibt. Was für eine Dilemma! Im selben Dilemma steckte zur selben Zeit eine weitere Familie. Wir entschieden uns kurzerhand für’s Papier-sharing. Zu allem Überfluss zahlten die anderen und wollen im Anschluss kein Geld von mir annehmen. Was für ein Schnäppchen!

Vom ankommen und glücklich sein

Wir hatten eine aufregende und zum Glück reibungslose Anreise. Auto, Fähre, Bimmelbahn. Danach folgte der bekannte Fußweg zu unserem Haus. Und spätestens an dieser Stelle zahlte es sich aus, dass wir in diesem Jahr an einen bekannten  Urlaubsort gefahren sind. 

Hallo Weg, hallo Nachbar, hallo Haus.  Alles war da wo es hingehört, es war wie ein kleines nach Hause kommen; wunderschön!! Es entspannt das Unterfangen ‚Urlaub‘ ungemein, wenn man im Vorfeld schon weiß, was man erwartet. Zimmer, Einkauf,… Alle Gegebenheiten, die es einem so richtig versauen können, waren bekannt und für gut befunden. Perfekt!