Der kleine Unterschied

Ob ich in diesem Jahr sportlich ambitioniert bin, wurde ich gefragt. Ich habe eine Weile nachdenken müssen um das zu beantworten und bin zu folgendem Schluss gekommen: Meine größte sportliche Herausforderung liegt in diesem Jahr darin, den Unterschied zwischen „Lust auf Sport“ und „Lust auf dünn-sein“ herauszufinden. Für mich persönlich eine harte Nuss!

Tatsächlich nämlich habe ich in den letzten Jahren viel daran gesetzt die Spuren von 34 Jahren Leben und vier Schwangerschaften zu verwischen. Ich habe meinem Körper den coolen Deal vorgeschlagen: Ich bewege dich viel und gebe dir wenig zu essen, dafür machst du, dass wir aussehen wie 16! Mit großen Ideen wie ‚vor dem Frühstück 10km laufen‘ habe ich versucht meinem Teil der Abmachung einzuhalten und muss euch nun mitteilen: Klappt nicht! Und viel schlimmer noch, es macht nicht mal Spaß! Und so stelle ich mich neuen Herausforderungen!

Mit 34 sieht man aus wie mit 34. nach vier Kindern sind manche Stellen an so nem Körper anders als andere. Essen macht Freude und tut gar nicht weh und niemand auf der Welt mag mich mehr nur weil mein Bauch weniger wabbelt. (Sollte das anders sein kann der jemand mich mal!!) Und wenn ich wirklich Lust habe mich zu bewegen, dann tu‘ ich das, und zwar mit Freude. In den letzen Tagen bin ich viel Rennrad gefahren. Es war herrlich und Balsam für die Seele. Ich quäle mich nicht in diesem Jahr, ich versuche es mal mit glücklich sein.

Fleischbeschau

In aller üblichen Regel gehe ich drei mal die Woche im draußen laufen. Ganz manchmal, wenn das Wetter ganz fies ist, gehe ich in ein kleines Sportstudio hier in der Gegend. Dort habe ich eine 10er Karte und kann für 8€ mal eben eine Stunde rennen und mich danach abspülen. 

Heute war so ein Tag und mein Studio war zu. So fasste ich den mutigen Entschluss, zum nahe gelegenen Mc Fit zu fahren. An diesem Erlebnis möchte ich euch teilhaben lassen. Ich selbst trage beim Laufen eine schwarze Laufhose und ein T-Shirt. Leider lag ich mit dieser Klamotte weit daneben. Der Dress-code für Damen muss irgendwie so lauten: Am unteren Ende des Rückens sollte der Po leicht aus der Hotpants rausgucken. Weiter sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass der Slip am oberen Ende der Pants zu sehen ist. Im Oberkörperbereich sollte Frau darauf achten, dass die Neon-Sportwäsche unter dem knappen Spitzen-Bustiertop zu sehen ist. Weiter ist es ratsam sowohl BH als auch Top ein-bis zwei Nummern kleiner zu kaufen. Die langen Haare raten wir offen zu tragen, so dass sie bei jeder Bewegung lasziv nach hinten geworfen werden können. Auf ausreichend Schmuck und Make-up sollte wert gelegt werden. 

Auch die Herren der Schöpfung waren außerordentlich knapp bekleidet, so dass man die Berge von Muskeln stets gut sehen konnte. Das Haar saß perfekt!

Was genau man nun bei Mc Fit so tut, konnte ich während meines etwa 1,5 stündigen Aufenthalts nicht ergründen. Die Dame auf dem Trimmrad vor mir, schaffte es in 15 Minuten  ganze acht mal zu treten. Dafür hat sie sich drei mal die Haare gemacht und vier mal was bei Facebook gecheckt. Die Herren waren in der Hauptsache damit beschäftigt, Kreise durch den Laden zu ziehen und bei jeder Gelegenheit ihr Muscle-Shirt bis zur Brust hochzuheben.  Wenn das solche Muskeln macht, werde ich es ab morgen auch probieren…