Besprechung mit anschließendem Frühstück

Heute vor 77 Jahren wurde auf der Wannenseekonferenz die sogenannte „Endlösung der Judenfrage“ beschlossen. Die Einladung mit den schlichten Worten „Besprechung mit anschließendem Frühstück“ war an 15 hochrangige Parteimitglieder gerichtet. Kern der Zusammenkunft war es nicht etwa den Massenmord zu beschließen, viel mehr ging es darum ihn zu verbessern.

Seit inzwischen 1,5 Stunden versuche ich meine Gedanken zu sortieren und etwas schlaues zu verfassen, versuche die Tatsache, dass sich 15 Menschen trafen und bei Kaffee und Tee berieten, wer wann wo wen wie umbringt zu begreifen und psychologisch zu betrachten. Nichts.

Fasse ich es also knapp zusammen. Der Mensch ist einfach so unfassbar dumm, dass man ihm die unglaublichsten Wiederwertigkeiten, das größte Leid und die dämlichsten Theorien als Wahrheit verkaufen kann, wenn man ihm nur seinen eigenen Vorteil sichert. Menschen glauben einem alles, und das schon immer. Menschen gehen auf Kreuzzüge, Versklaven andere und gucken sich Sonntags Mittags begeistert Gladiatorenkämpfe an. Hass, Unterdrückung, Leid und Mord sind in unserer Gesellschaft tief verankert und die meisten nehmen es gern in Kauf. Es ist ok, am besten wenn man es nicht direkt sieht. Und die hässlichen Berichte in den Spätnachrichten, da kann man ja drüber hinweg sehen.

Nur weil keiner was sagt, ist nicht alles ok. Nur weil alle es tolerieren, ist es nicht gut und nur weil man es nicht sieht, ist es nicht weg. Jede Sekunde sterben Menschen, werden gefoltert, unterdrückt, hungern oder werden Misshandelt weil sie falsch aussehen. Das passiert in fernen Ländern und hier. Vielleicht in Deinen Straße, in deiner Firma oder dort drüben, bei deinem Supermarkt. Und vielleicht könntest du der sein, der was sagt.

Gemein zu mir 

Manchmal neige ich zur Folter. Nicht etwa dazu andere zu foltern, nein. Ich traktiere mich selbst; mit gnadenlos übertriebenem Perfektionismus. 

Die Sache ist in etwa so: Bin ich bei anderen zu Besuch, stört mich auch  das größte Chaos nicht. Ich kann über alles hinweg sehen und lüge wirklich nicht wenn ich sage:“Ist doch egal, ich fühle mich wohl.“ Im Gegenteil, ich mag ein gewisses  Durcheinander und finde es macht oftmals grade den Charme einer fremden Wohnung aus. 

Anders mit verhält es sich mit meiner Wohnung. Die hat, zumindest wenn sie gesehen wird, immer tip top zu sein und ich schäme mich gern in Grund und Boden wenn etwas nicht so ist wie ich es von mir selbst wünsche. Nun sein wir aber mal realistisch: Es ist immer irgendwas, in schlechten Phasen sogar ziemlich viel, und so mache ich es mir selbst sehr schwer einen Besuch einfach zu genießen. Am liebsten würde ich um ihn herum putzen um zu signalisieren:“Ja ja, ich weiß; aber ich arbeite dran!“ 

Das paradoxe, bin ich in einem gestylten super-sauber Haushalt zu Besuch, fühle ich mich oftmals viel weniger wohl, da ich chronisch Angst habe etwas schmutzig zu machen oder durcheinander zu bringen. Was mache ich mir das Leben schwer, weiß ich es doch sogar. Ich sollte mir einen Therapeuten suchen. Oder einfach mal mein Hirn ausschalten und den Bauch benutzen. 

Die schlechteste aller Lösungen

Bremen auf der Suche nach Lösungen. ‚Beschleunigte Entscheidungsverfahren‘ sollen das erklärte ‚Problem der Flüchtlinge‘ beseitigen. Entscheidungsverfahren klingt im allerersten Moment sogar nach Bewegung, klingt nach einem Prozess. 

Es ist einer. Der falsche. Schneller Entscheiden um schneller abzuschieben. Schneller entscheiden wer, der Menschen in Not nicht genug in Not ist, um als Notfall gewertet zu werden. 

Diese Praxis ist unmenschlich, falsch und unwürdig. Ihr spielt mit Menschenleben!