Zwölf

Heute gratuliere ich meinem wunderbarem, klugem, lustigem, wortgewandtem, hübschem, hilfsbereitem, fairem und einzigartigem A-Hörnchen zu seinem 12. Geburtstag.

12!

Das ist schon ganz schön groß. In einem Jahr ist er ein Teenie und in ein paar Monaten vielleicht so groß wie ich. In den letzten Monaten kann man zusehen wie er selbstständiger wird, immer mehr in seinem eigenen Leben ankommt. Verabredungen, AG, nochmal in die Bücherei. Inzwischen braucht er mich für so vieles nicht mehr. Und dennoch sind da so viele Themen, für die es einfach eine Mama braucht.

Die Schule war nicht nur gut in den vergangenen Monaten. Enormer Stress, Leistungsdruck und zum Schluss die Erkenntnis, dass ein 12-jahres Abitur offenbar nicht für jeden eine Lösung ist. Gemeinsam schafften wir es dennoch zu einem neuen „gut“ zu finden.

Gemeinsam, das ist das tragende Thema. Wir sind ein enorm starkes Team, das A-Hörnchen und ich. Und genauso, wie wir gemeinsam so klug, witzig und stark sein können, können wir auch streiten wie die Berserker. Wenn’s knallt, dann knallt’s – und zwar richtig. Da knallen die Türen und es wird mächtig getönt. nach jedem Kanll folgt dann die Ruhe; denn um Glück können wir uns auch vertragen.

Mein Kleiner, ich bin Stolz auf dich, deinen wirren Ideen, deinen klugen Kopf und deinen Witz. Du bist genial großartig und ich könnte mir keinen besseren vorstellen. Happy Birthday!

4/4

Kindergeburtstag 4/4 und die Erkenntnis, dass die oftmals als „Kindergeburtstag“ angeprangerten Streitigkeiten im Job möglicherweise gar nicht das ganze Elend wiederspiegeln. Vielleicht sogar nur einen winzigen Teil.

Als es um drei beginnt wollen Gast 1 & 2 eigentlich nicht bleiben, nicht ohne Mutti zumindest. Mutti aber will nicht und es hakt. Mein Stresslevel steigt, bin ich doch eigentlich darum bemüht, dass das Geburtstags-Hörnchen und die Gäste 3-6 noch nicht alle Geschneke Aufreißen oder den Tisch leer essen. 15 Minuten später beginnt dann der reguläre Ablauf und D-Hörnchen packt unter den wachsamen Augen der Gäste die Geschenke aus. Zwei hat er schon. Ich versuche zu retten, lobe die Idee und wispere dem Hörnchen zu, dass das alles kein Problem ist. Es glückt, alle Beteiligten sind zufrieden.

Bei der ersten einzunehmenden Mahlzeit landet viel essen an vielen Stellen; wenig in den 10 zu bewirtschaftenden Kindern. Dafür ist es laut, die viel beschworenden startenden Jets sind nichts dagegen, ein kleines Rinnsal Blut bahnt sich den Weg aus meinen Ohren. Als endlich alle mit Sprudel und Muffins versorgt sind, sind die ersten fertig und bereit den aAbriss des Hauses zu starten. Rockt.

Die Schatzsuche ist ein „Must have“ auf unseren Geburtstagen. In aller Regel Inszeniert vom A-Hörnchen und liebevoll geplant. Die Krux dabei: Das Geburtstagshörnchen muss a) vorn laufen, mit dem langsamsten Gast an der Hand und b) den Schatz selbst und eigenhändig finden. Logisch. Die Logistik dieser Anforderungen ist nervenaufreibend und intensiv. Wir haben es heute mit nur drei Weinkrämpen durchaus gut geschafft.

Nach 3,5 Stunden sind vier Etagen verwüstet, meine Ohren tot. Die Gastkinder jenseits von gut und böse, unsere Nachbarn mit Bazookas ausgestattet und ich reif für die Kneipe. Auch das Geburtstagshörnchen kapituliert idR. etwa 30 Minuten vor Ende der Veranstaltung; egal wann diese endet. Ja, es ist immer wieder ein Spaß, der seinesgleichen sucht und ich sehne mich schon seit 15.15 Uhr nach dem, was man auf der Arbeit so „Kindergeburtstag“ nennt.

Wann denn?

In den vergangenen Tagen hat das D-Hörnchen in etwa 2000 mal gefragt, WANN wir endlich seinen Kindergeburtstag feiern. „Wann denn jetzt?“, „wann ist Sonntag“ und „wann kommen meine Freunde“ waren die Sätze, die er unermüdlich aneinanderreihte. Gestern dann endlich der große Einkauf. Er suchte Süßigkeiten, Kuchen, Getränke, Kekese und das Abendessen aus, einen übervollen Einkaufswagen schoben wir zum Auto. „Wann essen wir das alles?“ wurde der Liste der Fragen hinzugefügt, „wann kommen meine Freunde?“ Wir räumten mächtig im Haus auf, begannen alles vorzubereiten. „Wann denn?“ fragte er unermüdlich, „wann ist es so weit?“. Und endlich, als er gestern Abend ins Bett kroch, konnte ich antworten:“Bald!“

Heue Nacht um halb fünf weinte das D-Hörnchen ganz furchtbar. Ich lief rauf und fand einen glühenden kleinen Wurm. Er hatte hohes Fieber bekommen, hustete und hatte Halsweh. Ein bisschen Kuscheln und etwas gegen das Fieber halfen ihm wieder einzuschlafen. Ich dachte nur „oh nein!“. Um 11 Uhr kam er aus dem Bett, kränklich und angeschlagen und beim Frühstück sagte er:“Ich freue mich so, wenn meine Freunde kommen!“

Ich habe selten einen so enttäuschten Menschen gesehen. Mit hysterischem Lachen versuchte er das krampfhafte Weinen zu überspielen, kam dann auf meinen Schoß und sah mich mit glasigen Augen fragend an: „Und wann feiern wir jetzt meinen Geburtstag?“ Es brach mir das Herz und mir blieb nichts anderes übrig als zu sagen:“Bald, wenn du gesund bist.“

Sie werden so schnell groß

Als letzter in der Runde hat heute das D-Hörnchen Geburtstag, er wird fünf. Eine ganze Hand voll, stolz zeigte er eben seine Finger. F-Ü-N-F!! Groß sei er jetzt, und warscheinlich hätte er nicht mal mehr Angst vor Bibi und Tina; wahrscheinlich. Für mich ist es zwiegespalten, meinen Mini, mein Baby, mein Nesthäkchen so groß werden zu sehen. Alles was ich mit ihm hinter mir lasse, kommt nie wieder zurück. Klar, einiges vermisst man nicht. Nachts stillen, wickeln, Trotzanfälle. Anderes dafür um so mehr.

Anstatt Mährasen sagt er jetzt Rasenmäher und aus dem Tium wurde ein Telefon. Seine Händchen verlieren diese zauberhaften Baby-Dellen und auch der letzte Speck am Thoraxe verabschiedet sich. Er wird selbstständig, verabredet sich viel und spielt in seinem Zimmer. Er entwickelt jeden Tag mehr eigene Vorstellungen, beginnt zu diskutieren. Fahrrad fährt er wie ein Alter, auch sonst weiß er seinen kleinen Körper gut zu benutzen. Das tapsige, kleinkindhafte ist fast weg. Heute morgen brachte ich ihn nun zum ersten Tag seines, und ja auch meines letzten Kindergartenjahres. Als Vorschulkind wird er jetzt noch ganz exakt ein Jahr in den Kindergarten gehen, der Große sein und den Kleinen die Welt erklären. Um dann im kommenden Jahr eingeschult zu werden.

Und was war es noch, was sie mir alle gesagt haben, bei jeder Geburt und immer wieder? „Sie werden so schnell groß, genieße jeden Tag!“, sagten Mama, Papa, Oma und Opa. Und nun, was soll ich sagen. Leute da draußen, die Ihr Kinder habt: „Sie werden so schnell groß! Genießt jeden Tag! Scheisst auf Überstunden und all den Mist, scheisst auf’s Geld und atmet jeden Tag, jede Minute mit euren Kindern tief ein. Schneller als ihr gucken könnt, wissen sie was WhatsApp ist und dann sind sie groß.

MettMaus

Geburtstage werden bei uns groß gefeiert. Lediglich die der Katzen vergessen wir regelmäßig. In diesem Jahr hat das A-Hörnchen die Initiative ergriffen und alles ist besser.

Zum 10. Geburtstag bekam unser Lotti eine Rinder-Mett- Maus mit Lecker – wohlgemerkt zubereitet vom Vegetarier. Zugegeben mit Gummie-Handschuhen aber vor allem mit viel Leidenschaft.

Kindergeburtstag malwieder

Zum inzwischen 29. Mal feierten wir heute Kindergeburtstag. Was in den Anfangsjahren meiner Mutterschaft eher stressig war und mich tagelang beschäftigte, ist inzwischen Routine. Einkaufen, backen, packen. Dieses Mal ging es in ein Natur- und Erlebnisgelände in der Nähe. Es braucht nicht viel um acht Kinder zu beschäftigen. Eine Schatzsuche (Dank ans A-Hörnchen) nahm locker eine Stunde in Anspruch, die restliche Zeit baute man Staudämme, durchforstete Höhlen und grub Gruben.

Das Gelände ist eine Oase mitten in der Stadt. Brombeeren ohne Ende, ein Baumhaus, dass auch Mama-Herzen höher schlagen lässt und ganz viel Gebüsch. Mehr braucht’s nicht.

Plötzlich alt

Heute war meine Schwester zu Besuch; sie ist 1,5 Jahre jünger als ich. In irgendeinem x-beliebigem Kontext, der hier garantiert nichts zu Sache tut, erwähnte sie, dass sie ja nun 34 wäre und bla. Ich gackerte auf und klärte sie hämisch darüber auf, dass sie wohl eher 33 wäre, schließlich sei ich 34 und gerade wäre die Hälfte im Jahr, in der ich nur ein Jahr älter sei. Gut gelacht, die ist ja putzig.

Dass ich 34 bin war zuletzt klar wie Kloßbrühe, wurde ich doch im neuen Job nur allzu oft gefragt, wie alt ich bin. 34, habe ich 1000x geantwortet. Logo.

Meine Schwester prustete nicht schlecht, lachte laut auf und klärte mich danach einfühlsam und liebevoll darüber auf, dass ich im Winter 1982 geboren sei und somit dieses Jahr 36 werden würde.

Glaubt es mir oder nicht, mir fehlt ein Jahr. In meiner Welt war ich 34, den 35. Geburtstag habe ich nicht erlebt und somit ist es seltsam, in einem halben Jahr schon 36 zu werden. Abgefahren, plötzlich einfach so ein Jahr älter zu sein. Und noch ein „sorry“ von Herzen, an all die, die ich versehentlich angeflunkert habe. War keine Absicht, ich bin so doof.

Schluss

Als ich 1993 den Film „Schindlers Liste“ sah, war ich ganz besonders von Amon Göth angewiedert, der morgens, zu seiner eigenen Belustigung, KZ-Haflinge vom Balkon aus erschoss. Diese Kaltblütigkeit, diese abartige Offenheit mit Willkür zu arbeiten hat mich tief getroffen. Lange habe ich nicht mehr an diese Szenen gedacht, einfach weil mir lange nichts vergleichbar ekelhaftes mehr begegnet ist. Bis jetzt, also genauer gesagt bis zum Seehofer-Geburtstag und den unfassbaren Geschmacklosigkeiten rund um die Abschiebung von 69 Menschen.

Denn plötzlich ist es wieder da, das Leid und der Tod einzelner, die von einem anderen, mächtigeren, zu seiner eigenen Belustigung und Inszenierung genutzt werden. Wiederlich und abartig, überhaupt einen solchen Gedanken fassen zu können, unfassbar grausam einen derartig bizarren Zusammenhang herzustellen. Das nun noch bekannt wurde, dass einer der Menschen sich das Leben nahm, macht es zwar noch grausamer, steigert an der Ekelhaftigkeit des gesamten Exzesses nichts mehr.

Menschen nach Afganistan (oder in eines der vielen anderen Länder) abzuschieben bedeutet, ihren wahrscheinlichen Tod nickend in Kauf zu nehmen. Ein Land, in dem Krieg, Terror und Verfolgung herrschen, ist lebensgefährlich; PUNKT. An dieser Stelle ging es kein Aber, keine weiteren Ausschweifungen. Einen Menschen weiter als Minister zu billigen, der den Tod Tausender in Kauf nimmt und sich auf Kosten derer Witze erlaubt, die unter ihm zu leiden haben, ist schlicht falsch. Seehofer gehört geschmissen, abgeschoben und ignoriert.

Wer mir grad noch einfällt sind Menschen wir Sophie Scholl und Georg Elser… Schluss mit ja-sagen!

Sieben

Heute vor sieben Jahren kam das C-Hörnchen zur Welt. Ihr Leben auf Erden begann ungewöhnlich, sie wurde in ihrer intaken Fruchtblase geboren, in unserer Wanne ohne die Hilfe einer Hebamme. Sowohl C-Hörnchen als auch ich wussten offenbar genau was wir da tun – und wir taten es gern!

Und ebenso wie das Leben mit ihr begann, kraftvoll, zauberhaft und bestimmt, ist es auch heute noch. C-Hörnchen weiß wo es lang geht. Sie ist stets organisiert, kümmert sich um alles und behält den Überblick. Sie weiß was zu tun ist. Was ihr manchmal fehlt ist eine Art Schutzhülle. Emotionen lebt sie direkt. Alles geht direkt ins Herz und ebenso kommt es von genau da. Schlimmes trifft sie, löst heftige Tränen aus und große Freude tut meistens das selbe. Vielleicht wusste sie schon damals, vor sieben Jahren, dass sie ein wenig dünnhäutig ist und wollte die schützende Hülle gern behalten. Ich liebe C-Hörnchen für ihre zarte Art. Alles ist offen, nichts bleibt im verborgenen, n diesem Menschlein muss keiner Rätsel raten. Und ebenso wie sie sich so direkt lebt, versteht sie auch die Befindlichkeiten anderer aufzunehmen und damit zu arbeiten. In C-Hörnchen’s Nähe bleibt kein Gefühl unausgesprochen, sie kümmert sich um alles.

Für mich ist C-Hörnchen das dritte Kind gewesen. Und während beim ersten alles neu und kompliziert ist, es einen beim zweiten überfordert, plötzlich zwei zu haben, ist man beim dritten in Flow. C-Hörnchen profitierte von Anfang an von einer Mama, die weiß was sie da tut. Die dritte Trotzphase kann einen nicht mehr schocken, die dritte Eingewöhnung im Kindergarten verläuft easy und auch die dritten Windpocken hauen einen nicht mehr um. Und so passen wir irgendwie gut zusammen; C-Hörnchen mit ihrem guten Gespür und ich, mit meinem ruhigen Gemüt.