One world

In einem Gespräch mit den großen Hörnchen ging es um sogenannte Ausländer und deren Rolle in Deutschland. Wir sprachen über den Seehofer’schen Heimatbegriff und die damit verbundenen Themen von Freiheit und all sowas. Irgendwann schlug das A-Hörnchen vor, einfach „ein Land zu machen, in dem alle Ausländer sind“. Ich war entsetzt und zweifelte an meiner Erziehung. Das A-Hörnchen wiederum verstand gar nicht, worüber ich so entsetzt war. Er sah mich fragend an und erläuterte dann:

„Wenn es einfach alles ein Land wäre, ohne Grenzen und ohne eigene Politik, wenn alle überall hingehören würden, dann wäre es doch ein Land. Dann wäre alles eine Welt und keiner wäre falsch.“

Mein kluges Kind, wie recht du hast! Normen sind es, die Menschen in die Andersartigkeit zwingen. Grenzen und Besitz sind es, die Krieg und Vertreibung erst möglich machen. Gier und Ungerechtigkeit sind es, die Hunger und Not wachsen lassen, und es dem Großteil der Weltbevölkerung nicht möglich machen, sicher und zufrieden zu leben. Wenn der Mensch aufhören würde sich über Besitz und Macht zu definieren, wenn Menschlichkeit, ein großes Herz und die Bereitschaft zu teilen Attribute wären, die für die Mächtigen erstrebenswert sind, dann wäre allen geholfen. Und dann hätten wir ein großes Land, in dem wir alle Ausländer sind – oder eben auch nicht.

Geht es mir eigentlich zu gut?

Ich habe mütterliche Pflichten, denen ich gern und gewissenhaft nachkomme. Auch habe ich berufliche oder persönliche (wie Verträge,…) die stets gut bedient werden. In letzter Zeit denke ich immer öfter an meine menschlichen Pflichten. Um es anders zu sagen: Geht es mir eigentlich zu gut? 

Wir leben hier mit sechs Personen mehr als gut. Jedes Kind hat ein eigenes Zimmer und mehr Spielzeug als es brauch. Obwohl ich es versuche zu vermeiden, werfen wir Lebensmittel weg. Genaugenommen haben wir von allem zuviel – wo ich ja prinzipiell kein Problem mit habe sollte. Trotzdem geht es mir aber mächtig gegen den Strich. In meinem Leben ist noch Raum. Ohne größere Einschränkungen, würden wir noch wen mit durchbekommen. Ich wette, finanziell betrachtet würden wir es nicht mal merken. 

Was also ist das Richtige? Spenden? Patenschaften? Pflegekind? Oder sollte man Flüchtlinge aufnehmen? Was tun um ein kleines Bisschen zur Gerechtigkeit beizutragen? Und wo steht geschrieben, was man selbst, also jeder Einzelne leisten kann?

In einem bin ich mir sicher: Fast jeder kann weit mehr zum „globalen Wohl“ beitragen, als er es aktuell tut.  Doch wo fange ich an..

Be-hürden-wahnsinn

Kennt ihr den Asterix-Film, in dem Asterix und Obelix den Passierschein A38 besorgen müssen? Sie sind in ‚Haus das Verrückte macht‘ und rennen von Schalter zu Schalter, von Sachbearbeiter zu Sachbearbeiter und werden Am Ende (fast) verrückt. 

Ich beziehe als Studentin Bafög. Mein Mann Arbeitet regulär. Da beides zusammen nicht reicht, beziehen wir einen Lasenzuschuss. Hiermit verbunden noch einige Mittel aus dem ‚Bildungs-und Teilhabepaket‘. Ich habe vier Kinder in Schule und Kita und jeder, der schon mal eine Staatliche Leistung beantragen durfte, der weiß, dass allein diese Formalitäten einen Vollzeitjob ausmachen. 

Die Kitabeiträge errechnen sich aus dem Einkommen, also aus Arbeit, Bafög und Lastenzuschuss. Dadurch kann Kita erst berechnet werden, wenn die Bescheide für Bafög und Lasenzuschuss da sind. Da in Lastenzuschuss und Bafög aber auch die Kita Beiträge eingerechnet werden, können diese nicht berechnet werden. Um irgendwie voran zu kommen, bekommen wir einen vorläufigen Kita-Satz, der dann nur als Berechnungsgrundlage verwendet wird, um Bafög und Lastenzuschuss zu berechnen. Ist das geschehen (nach Ca. 5 Monaten) bekommt die Kita die Bescheide und berechnet. Nun stimmen aber die Sätze für Bafög und Lastenzuschuss nicht mehr. Also geht der neue Kita-Satz an beide Stellen, worauf hin dann wenigstens eins von beiden immer neu berechnet werden muss. Es kommt zu Nach-oder Rückzahlungen. Nach der Abänderung des BAföGs und des Lastenzuschusses muss dann der Kita-Beitrag neu berechnet werden. 

Dieses Prozedere durchlaufe ich seit Jahren alle sechs Monate! Immer und immer wieder den selben BERG an Unterlagen. Haus und Hof, Wasser und Strom, Kind und Kegel. Immer wieder. Und ich bin mir sicher: Mein Studium wäre längst beendet, müsste ich nicht immer und immer wieder die ganze viele Zeit aufwenden um all das umzubearbeiten. Ätz!