Bunte Republik Deutschland

Von Udo Lindenberg kann man halten was man will. Ich für meinen Teil halte viel von ihm, der kann nämlich quasi Gedanken lesen; und wenn er das nicht grad tut, dann hat er aller meistens aber wenigstens recht! Eben hörte ich „Bunte Republik Deutschland“ und dachte nochmals: Es ist so einfach!

Vielfalt und eine bunte Mischung an Ideen, Gedanken und Erfahrungen ist doch das, was das Zusammenleben erstrebenswert macht. Jeder Gedanke, den ich selbst schon hatte, den ich mit meinem Input eingefärbt und durchgekaut habe, wird erst dann vollkommen, wenn er mit dem Input der anderen vermischt wird. Das großartige am Menschen ist, dass er relativ reibungslos in Gruppen leben kann, sozial interagieren und gut kommunizieren kann. Das, was man als „hochentwickelt“ und „intelligent“ bezeichnet, ist kein territoriales Machtgehabe, sind keine infantilen Schwanzvergleiche sondern eben das, was uns über all die Jahrtausende zu dem gemacht hat, was wir sind: Vielfältige, offene Wesen, die in der Lage sind ihren Horizont immer wieder neu zu erweitern.

Und so nicke ich heftig mit dem Kopf bei den Worten „Wir steh’n am Bahnsteig und begrüßen jeden Zug,
denn graue deutsche Mäuse, die haben wir schon genug.“ und höre nicht auf zu hoffen, dass da auch wieder andere Zeien kommen und es eines Tages nicht mehr notwendig ist zu erklären, warum Menschen einfach toll sind; alle. Zusammen könnten wir so gut sein!

Der Mann und die Steine

Seit einigen Monaten wird unsere Straße erneuert. Vom Herbst letzten Jahres an war es zunächst ein lustiges Trüppchen Tiefbauer, die über die fiesen, kalten Monate die Straße erst aufrissen, dann Kabel für Kabel, Rohr für Rohr erneuerten. Die fünf Männer arbeiteten hart, lange und unter miesen Bedingungen. Wann immer man sie aber traf, waren sie gut drauf. Die Truppe hatte sich und jede Menge Spaß bei der Arbeit. Selbst bei Schneeregen und Sturm waren sie am klönen und taten dabei was sie tun müssen. Ich fand es beeindruckend diese gut funktionierende Gruppe zu sehen.

Nach den Tiefbauern kamen die Strassenbauer. Sechs Männer die, ebenso wie ihre Vorgänger, hart arbeiteten. An so manchem Tag hatte ich großes Mitleid wenn ich den Regen sah und viele Male dachte ich:“Hoffentlich werden meine Kinder nicht Bauarbeiter!“ Tatsächlich aber war auch dieser Trupp irgendwie sehr zufrieden. An jedem noch so fiesen Tag, und eigentlich war es immer fies, herrschte gute Stimmung zwischen den Bergen von Sand, Schotter und den Baggern.

Inzwischen ist die Straße fast fertig. Nur noch die langen Parkplätze müssen gepflastert werden; Kopfsteinpflaster. Seit drei Wochen ist dies nun in Arbeit. Und wo vorher immer gut gelaunte Gruppen hatte Arbeiten verrichteten, ist seit drei Wochen ein einsamer Mann. Seit drei Wochen klopft der Mann von morgens um 7.00 Uhr bis abends um 17.00 Uhr Steine klein, setzt sie ein und klopft weiter. Stunde um Stunde, Reihe um Reihe. Immer allein, immer in der sengenden Sonne. Es ist ein Graus dem armen Kerl zuzugucken und inzwischen versorgen ihn etliche Nachbarn mit Eis und kalten Getränken.

Mir zeigt dies auf, wie wichtig ein gut funktionierendes Team ist! Man kann so einige Scheisse aushalten, wenn man dabei doof sabbeln kann und ab und zu einem Kollegen sein Leid klagen kann. Und selbst 1500 Pflastersteine ersetzten keinen Kollegen der einfach nur da ist.

Kindeswohl

Was ich neben ersten Arbeitstagen im neuen Job wirklich nicht sonderlich mag sind letzte Arbeitstage im alten. Noch etwas unbequemer gestaltet sich so ein Tag, wenn man neben Kollegen auch Fälle zurück lässt; Kinder in meinem Fall. In den vergangenen 14 Monaten habe ich in Kindergärten und Horten primär Kinder begleitet, die einen besonderen Bedarf haben. Hinzu kam die Beratung von Eltern, Erziehern und Lehrern. Neben vielen zauberhaften Kindern habe ich natürlich auch tolle Erwachsene kennengelernt. Manchmal kam es sogar zu einem guten Austausch oder einer gelungenen Zusammenarbeit; viel zu oft jedoch reagierten die Beteiligten gradezu stuhr und bockig und verweigerten eine effektive Zusammenarbeit. Geholfen wird durch eine solche Haltung niemandem, am aller wenigsten den Kindern, die ja eh immer am meisten auszustehen haben.

Und so habe ich in den vergangenen Monaten unglaubliche Beispiele an Fehlkommunikation erlebt, bei denen es viel zu oft darum ging die Kompetenzen oder das Ego einzelner Erwachsener in den Vordergrund zu stellen und nicht etwa das Kindeswohl. So kommt es also zu stande, dass der Verdacht einer Misshandlung droht im Sande zu verlaufen, weil Beteiligte A sich schämt es nicht früher bemerkt zu haben. In anderen Fällen werden dramatische Verdachte erhoben, weil Beteiligte B lieber anders behandelt worden wäre. Der Umgang mit etwas so elementarem wie dem Wohl von Kindern ist somit immer wieder willkürlich und durch das Ego von Eltern, Lehrern, Erziehern, Nachbarn und zuletzt Sachbearbeitern geregelt. Hinzu kommen strikteste Vorgehensweisen, die zwar das Prozedere absichern sollen, oftmals aber durch kleinste Verfahrensfehler alles endlos verlangsamen.

Der Umgang mit Fragen des Kindeswohls erfordert in erster Linie Fingerspitzengefühl und ein gemeinsames Auftreten aller Beteiligten. Nur wenn A den Verdacht von B Ernst nimmt, ihn gründlich überprüft und unter Umständen C und D hinzuzieht, nur wenn alle Beteiligten daran interessiert sind zusammen zu arbeiten und das best mögliche Ergebnis für das Kind zu erziehen, kann es funktionieren. Das Wohl von Kindern lässt keinen Raum für persönliche Konflikte, das Ego des einzelnen oder sonstige Animositäten. Keiner kann alles und jeder kann irgendwas. Und um wirklich gut zu sein, müssen eben alle zusammen wirken.

So soll es sein.

Gestern beschrieb ich, wie wohltuend eine kleine Auszeit aus dem Hörnchen-Trott manchmal ist. Heute möchte ich mich der Rückwärts-Abwicklung der Auszeit widmen; denn die ist für gewöhnlich nach einigen Stunden ohne Hörnchen bitter nötig. So sehr ich es genieße, mal ohne zu sein – lange halte ich das nicht aus. Nicht lange nach dem Aufstehen packt mich die Sehnsucht und ich beginne meine Brut wieder zusammenzusammeln.

Und so beginnt das, was ich im Alltag so liebe. Die Taschen liegen halb ausgepackt im Flur, alles wird von einem Hauch Sand überzogen. Zwei rennen gleich in den Garten, backen Matschkuchen, zwei sitzen zwischen Schlafanzügen und Kuscheltieren und spielen mit den so lange vermissten Spielzeugen. „Wir hatten Eis, ich habe auf dem Pustebett geschlafen, Oma hat Monopoly gewonnen, wir waren ganz spät im Bett, ich war auf dem Spielplatz, wir haben Uroma besucht, Oma hat mit mir Autos gespielt,…“ Ein Highlight jagt das nächste und ich staune, was man nach nicht einmal 24 Stunden außer Haus alles zu erzählen hat.

Am Abend essen wir alle gemeinsam. Das Haus ist endlich wieder so wie es sich gehört: Laut und sandig. Die Hörnchen streiten sich von Pontius zu Pilatus, betteln ums Fernsehen und kippen Wasser über den Tisch. Reiskörner zieren schnell jeden Stuhl und jeder findet seine Geschichte am aller wichtigsten. Zum Zähneputzen hat keiner Lust, dafür dauert das Duschen ewig. Alles schwimmt, nur die Haare sind nicht ganz sauber. In tiefen Zügen atme ich das Chaos ein, genieße jeden Moment.

Ja! Genau so muss ich es haben. Laut und irre, in jedem Moment. In Bewegung und schneller als ich es fassen kann. Herzlich und voller Liebe, immer mit einer Priese Streit. Sich aneinander reiben, spüren, dass man nicht allein ist. Ich bin viele, und die wichtigsten sind hier bei mir.

Wahre Größe 

„Darf ich ich in dein Zimmer?“ Fragt C-Hörnchen das D-Hörnchen. „Nein! Geh raus!“ antwortet D-Hörnchen. C-Hörnchen geht in ihr Zimmer und beginnt allein zu spielen. D-Hörnchen stellt sich in die Tür und fragt:“Darf ich in dein Zimmer?“ „Nein!“ antwortet C-Hörnchen bestimmt. „Ich darf ja auch nicht in dein Zimmer

!“ 

Für eine halbe Minute sind beide in ihren Zimmern, Tür an Tür. D-Hörnchen klagt:“Ich will nicht alleine spielen!“ und C-Hörnchen klagt:“Allein spielen ist doof!“ Sie geht zu D-Hörnchen’s Tür, klopft und fragt:“Darf ich in deinem Zimmer mitspielen?“ D-Hörnchen keift abermals:“Nein!!“ C-Hörnchen geht wieder rüber, traurig. D- Hörnchen heult:“Ich will nicht allein spielen!“ Er geht zu C-Hörnchen’s Tür, öffnet und fragt ob er mitspielen darf. 

C-Hörnchen schaut ihren Bruder mitleidig an und sagt:“Dann komm rein!“ Sie sah zu mir und sagte:“Sonst müssen wir ja beide allein spielen.“

Mein Lieblingsmensch

Habe ich euch schon mal von meiner Schwester erzählt? Einige wenige von euch kenne sie in echt, andere haben hier vielleicht schon mal einen Kommentar von ‚Schwester‘ gelesen – das ist sie. Und heute möchte ich erzählen, wie ganz besonders toll meine Schwester ist. Zwar haben viele eine, jedoch ist meine die Beste. 

Meine Schwester wurde mir 1,5 Jahre nach meiner Geburt übereignet. Zunächst war ich wenig begeistert von der unverhofften Konkurrenz. Ich zog das arme Ding an den Füßen über Türschwellen, so erzählt man sich. Schon bald aber war eins klar: Ohne Schwester ist alles doof. So wurde mein Dauerspielpartner schon bald meine beste Freundin und selbst unsere nicht ganz harmlosen Pubertäten verbrachten wir in weiten Teilen gemeinsam. 

Heute weiß ich mehr denn jeh wie großartig und einzigartig es ist einen Menschen auf dieser Welt zu haben, der einen schon immer kennt, ähnlich sozialisiert ist und vor dem man sich nicht zu verstellen braucht. Es ist einfach wundervoll wenn ein Seufzen oder ein Atmen ausreicht um auszudrücken was 1000 Worte doch nicht sagen können. Es ist so einfach wenn jemand weiß was man fühlt, einfach weil es so ist wie es schon immer war. Es ist so richtig wenn man Hilfe nehmen und geben und brauchen und schenken kann, ohne das viele Worte oder Erklärungen von Nöten sind. 

Ich hoffe, dass meine Hörnchen diese einzigartige zu Liebe erkennen und nutzen lernen. Eine Schwester zu habe ist der größte Segen und das beste Geschnek der Welt; wenn man es annimmt. Ich freue mich jeden Tag über meine, und doppelt wenn wir uns sehen. Ich bin dankbar, dass die mir gemacht wurde. 

Essen zu zweit

Die Werbung sagt, wenn man bei Lieferanten Pizza bestellt, bekommt man sein Essen und isst gemütlich, zu zweit, zu Hause.Das klingt für mich nach einer spannenden Lösung. Wenn ich also mein Essen bestelle, bringt der Pizzabote unser Essen, und nimmt dann die vier Kinder mit. Logisch! Denn sonst könnten wir ja nicht zu zweit essen.
Nun die Sache scheint beschlossen. Morgen bestelle ich das Abendessen bei Lieferando