Von der braunen Kacke

Unterwegs mit dem A-Hörnchen; Fragestunde ohne Grenzen könnte man es auch nennen. „Was will eigentlich diese AFD so schlimmes?“, begann er dieses Mal und so klärte ich auf. Von Reichen die reicher werden, von Armen, die ärmer werden; von Menschen auf der Flucht und deren Tod, der billigend in Kauf genommen wird. Ich sprach vom klassischen Familienbild, von Frauen am Herd und von der Benachteiligung von Alleinerziehenden. Ich sprach und sprach, auch über die Umwelt und Ignoranz die Missachtung und den fehlenden Respekt dem Leben gegenüber.

„Aber warum wollen die das?“, fragte er weiter. Ich sprach über die Angst zu wenig zu bekommen, über Bedenken und Neid. Ich versuche darzustellen, wir Unsicherheit und Panik dazu führen, dass Menschen aufhören logisch zu denken, aufhören fair zu sein. Es ginge um Arbeitsplätze und teure Autos, um Wohnungen und all das. Ich erklärte die Zusammenhänge zwischen Staatseinnahmen und Ausgaben, die Von Steuer und Haushalt und irgehdwann waren wir bei den Goldreserven und Staatsverschuldung. Er hörte aufmerksam zu, nickte und schwieg.

„Und wenn es weniger gibt, die hier sind soll es für die wenigen leichter sein reich zu werden?“, fragte er nach einem langen Vortrag meinerseits und ich bestätigte ihm, dass dies die Ansichg der AFD sei. Er schlug sich an den Kopf: „Das ist so dumm! Viel besser wäre es das Geld von der Bundeswehr in Schule und sowas zu schieben. Dann werden alle schlauer und wer schlau ist, der kann wieder besser helfen, dass es allen gut geht.“

45 Minuten später kamen wir an. Mein Sohn ein bisschen schlauer und ich stolz und schwer verknallt. Und mal im Ernst, wenn ein elfjähriger das so einfach mal eben checkt… Man man man!

Mensch vs. Rakete

Gestern Abend sah ich einen Bericht über Ariane-Raketen und deren Herstellung. Zum Ende des Berichtes wurde eine wahre Ode an die großartige Vernetzung der verschiedenen ESA-Mitgliedstaaten gehalten. Das Gemeinschaftsgefühl, die Kommunikation und die Anerkennung für die Arbeit des jeweils anderen seien vorbildlich und einzigartig. Die 22 Mitgliedsstaaten seien eine große Familie mit einem gemeinsamen Ziel: Dem Vorantreiben der Weltraumtechnik.

Hört sich super an, dachte ich noch kurz und dann wurde es auch schon traurig. Ganz offenbar ist der Mensch unter bestimmten Voraussetzungen also in der Lage in großen Gruppen für ein übergeordnetes Ziel sinnvoll, gleichberechtigt und zielführend zu kommunizieren. Doch was macht diese Kooperation erfolgreich? Ist es das gemeinsame Ziel, die Motivation? Der Stil der Mitarbeiterführung oder hat es mit Prestige oder Geld zu tun? Warscheinlich ist es von all dem was. An etwas großem beteiligt zu sein motiviert den einzelnen. Das übergeordnete Ziel und die damit verbundene Anerkennung tun es ebenso. Zudem sorgt die ESA, nach allem was ich erlesen habe, gut für ihre Mitarbeiter; in allen Ländern. Der Konzern legt Wert auf Zusammenhalt und Wertschätzung.

Faktisch klingt das alles gar nicht so kompliziert. Moderne, menschenfreundliche Strukturen, ein Ziel, mit dem man sich gut identifizieren kann und eine fair vorgelebte Firmenpolitik. Was bleibt ist die Frage, wieso es in vielen andern Bereichen der Welt offenbar nicht möglich ist so gut und damit effizient zu arbeiten. Wo ist das weltweit agierende Netzwerk gegen Hunger, Trinkwassermangel? Wo das gegen die hohe Säuglingssterblichkeit und für die Impfprogramme? Wo ist die gute Kooperation von 22 Staaten für den Frieden und für die Abrüstung? Sind solche übergeordneten Ziele nicht wert, sind sie idell nicht ausreichend um Menschen zu bewegen?

Mit Sicherheit wären sie es. Leider hat sich jedoch auf der Welt kein Wettlauf um die beste Nahrungsmittelverteilung etabliert. Satelliten ins All zu schicken, auf denen die eigene Flagge zu sehen ist, ist schick. Dafür gibt man gern 700 Millionen Euro im Jahr aus – mit denen dann vorbildliche Strukturen erschaffen werden. Nahrung zu verteilen, Menschen das Überleben zu sichern und all sowas ist auch nett, jedoch nicht so nett, als das man den Staatshaushalt dafür bemühen möchte. All diese Programme laufen primär aus privater Hand, selbst die WHO ist nur zu 20% aus den Kassen der Mitgliedsstaaten finanziert.

Mal im Ernst. Ich finde Raketen toll, Satelliten und Handys und GPS und all das auch, ohne Frage. Viel lieber aber mag ich Menschen aller Art. Wäre es denn keine Option diese 700 Millionen in das weltweite Überleben von Menschen zu investieren und die dagegen lächerlichen 30.000 Millionen der WHO den Raketenmännern zu geben? Geht das denn nicht pro Mensch anstatt pro Rakete? Ich verstehe da die Prioritäten nicht.

One world

In einem Gespräch mit den großen Hörnchen ging es um sogenannte Ausländer und deren Rolle in Deutschland. Wir sprachen über den Seehofer’schen Heimatbegriff und die damit verbundenen Themen von Freiheit und all sowas. Irgendwann schlug das A-Hörnchen vor, einfach „ein Land zu machen, in dem alle Ausländer sind“. Ich war entsetzt und zweifelte an meiner Erziehung. Das A-Hörnchen wiederum verstand gar nicht, worüber ich so entsetzt war. Er sah mich fragend an und erläuterte dann:

„Wenn es einfach alles ein Land wäre, ohne Grenzen und ohne eigene Politik, wenn alle überall hingehören würden, dann wäre es doch ein Land. Dann wäre alles eine Welt und keiner wäre falsch.“

Mein kluges Kind, wie recht du hast! Normen sind es, die Menschen in die Andersartigkeit zwingen. Grenzen und Besitz sind es, die Krieg und Vertreibung erst möglich machen. Gier und Ungerechtigkeit sind es, die Hunger und Not wachsen lassen, und es dem Großteil der Weltbevölkerung nicht möglich machen, sicher und zufrieden zu leben. Wenn der Mensch aufhören würde sich über Besitz und Macht zu definieren, wenn Menschlichkeit, ein großes Herz und die Bereitschaft zu teilen Attribute wären, die für die Mächtigen erstrebenswert sind, dann wäre allen geholfen. Und dann hätten wir ein großes Land, in dem wir alle Ausländer sind – oder eben auch nicht.

Urlaub – allein! 

Meine Freundin war allein im Urlaub! Na ja, sie war mit einer anderen Freundin im Urlaub, aber eben allein, ohne Kinder und Mann. Eine Woche Kaffee saufen am Starnd, klönen, lästern und rauchen ohne heimlich zu sein. Ausschlafen, Bummeln und das alles ohne jaulenden Anhang. Ich war hin und weg! 

Für den Menne war schnell klar: Gibt’s nicht! Die Begründung ist etwas holprig aber dennoch sowas ähnliches wie logisch: Wenn ich eine Woche meine Ruhe habe, muss auch er eine Woche seine Ruhe haben. Da er aber keine Lust hat allein (oder mit einem Kumpel oder sonst wem) in den Urlaub zu fahren, kann er ja keinen Ausgleich schaffen. Die einzige Lösung die er sehe wäre es, wenn ich im eine Woche mit allen Vieren wegführe und er dann seine Ruhe hätte. Da wir uns das aber nicht leisten können, ist Urlaub für Mama gestrichen. 

Danke Schatziiiii. 

Einen Tag an der Front

Wie einige von euch wissen, arbeite ich in verschiedenen Horten als Psychologin. Ich bin dort für einzelne Kinder eingesetzt und habe mit den Aufgaben der Erzieherinnen und Erzieher in der Regel nichts zu tun. Gestern kam alles anders. Ich kam in den Hort und musste feststellen, dass die Erzieherinnen beide krank waren. Schneller als ich sehen konnte stand ich einer Meute Kinder und kurz darauf auch diversen Eltern gegenüber. Meine Aufgabe war es nun dem tobenden Mob Mensch für Mensch mitzuteilen, dass es einen Engpass gibt, es nur eine Notbetreuung gäbe und das Problem auch am Folgetag bestünde. Als Mutter war ich selbst schon oft in einer ähnlichen Situation und jedes Mal habe ich verständnisvoll genickt, ggf. gute Besserung gewünscht und meine Kinder wieder mitgenommen. Was soll ich auch sonst tun, die Verursacher des Problems sind krank, die Überbringer der schlechten Nachricht vollkommen unschuldig und eh gestraft. Und mal im Ernst, krank wird jawohl jeder mal.

Nun gut, ich stand nun einmal dort, mit einem Telefon, einer klugen Liste und einem Kuli und debattierte mich durch eine Reihe von 40 Namen. Drei Eltern zeigten sich betroffen und sprachen ihr Mitleid für meine doofe Situation aus. Vier weitere waren freundlich und holten einfach ihre Kinder. Fünf Eltern waren deutlich „not amused“ und gaben mir in noch deutlicherem Tonfall zu verstehen, dass DAS ein Nachspiel haben würde, auch wenn ich ja nichst dafür könnte, und die restlichen 28 Eltern beschlossen, dass es angemessen wäre mich anzumotzen.

„Unverschämt!“, „Unhaltbare Zustände!“, „Das sollte ich mir mal rausnehmen..“, „Wissen Sie, wie oft das ist in letzter Zeit vorkam?“, „Krankfeiern auf unsere Kosten..!“ und noch viel mehr wurde mir da um die Ohren gehauen. Ich solle mal an einen finanziellen Ausgleich denken und überhaupt, wie ich mir das vorstelle! Innerlich schmunzelte, denn keiner der Idioten dachte auch nur eine Sekunde darüber nach, wem er all das erzählte. Letztlich ist es traurig, denn viel zu oft bekommen die falschen Personen Ärger ab, der nicht für sie bestimmt sind. Die hohen Krankenstände in den Kindergärten, die Überlastung und damit Langsamkeit in der Pflege, mangelhaft bestückte Supermarktregale. In all diesen Fällen, und noch vielen mehr, sind es nicht die Menschen an der Front, die den Missstand zu verschulden haben. Vielmehr sind sie es, die eh schon unter den schlechten Bedingungen und dem Druck leiden. Die schuldigen sind die, die die Strippen hinter den Kulissen ziehen. Genau die, die es auch eh nicht interessiert, was da wer wem ins Gesicht schreit. Es wäre doch ein Schritt wenn jeder einmal tief durchatmet bevor er das nächste mal einen Busfahrer anblaffet, der zwar Verspätung hat, da aber rein gar nichts für kann.

Wo bleibt die Gerechtigkeit?

Große Überraschung am Morgen. Ich komme vor der Uni mit C- und D-Hörnchen in den Kindergarten. Es herrscht Chaos. C-Hörnchens herzensgute Erzieherin kommt mit glasigen Augen und bebender Stimme auf uns zu. Es herrsche Notdtand. Die Hälfte der Erzieher wäre krank, die Leitung dazu. Es gäbe einen Notdienst für die Kinder der berufstätigen Eltern. Um uns herum toben dutzende Kinder. Einige Mütter sitzen stumpf da, trinken Kaffee tratschen ein wenig und gehen dann ohne ihre Kinder nach Hause. Mütter schieben ihre Babys rein, lassen das große Kind da und schieben mit ihren Babys wieder nach Hause. Schwangere reichen ihre Kinder rein und ziehen sich dann aufs Sofa zurück. 

Ich bin überfordert. An der Uni warten drei Termine, einer davon mit meinem Prüfer. Vier Vorlesungen stehen an, alle durchaus wichtig. Technisch bin ich damit ein berufstätiger Notfall. Faktisch war der Kindergarten zu diesem Zeitpunkt, um 8.05 Uhr schon überfordert. Es brach mir das Herz. Überfordert und gleichermaßen wütend nahm ich meine Kinder wieder mit. Zuhause rief ich den arbeitenden Mennne an, dank einiger Überstunden rettete er die Uni-Termine. 

Ich bin in solchen Situationen immer wieder entsetzt, wie egoistisch und unfair die Eltern zueinander sind. Die jenigen, die ihre Kinder in solchen Fällen selbst betreuen, sind immer die, die arbeiten gehen und für die es mit Stress und Umplanen zu tun hat. Die Leidtragenden sind die Erzieher, die überfordert einem tobendem Mob gegenüber stehen. Ich finde das traurig. Ich war viele Jahre lang schwanger und in Elternzeit. Ich habe mich an vielen Montagen auf einen ruhigen Vormittag gefreut und jedes einzelne Mal alles möglich gemacht um das System Kita zu entlasten. Und wer entlastet mich? Gibt es keine Solidarität unter Eltern? 

Ich scheisse auf Produktivität 

Das Leben vieler Menschen besteht aus Arbeiten, bestenfalls Geld verdienen und daraus, sich von der vielen Arbeit zu erholen. Und während sich die einen abrackern und fleißig daran arbeiten das Bruttosozialprodukt nach vorn zubringen haben andere keinen Job und hätten gern einen. Dieses ganze Konstrukt stinkt. Es mieft erbärmlich nach Unsinn und Unrecht. 

Ich brauche keine 40 Stunden Woche um mich als echter Mensch zu fühlen. Ich brauche in etwa soviel, dass ich davon leben kann. Und hier knackt es zum ersten Mal im Konstrkt. Denn während es dem einen, gut ausgebildeten Teil der Gesellschaft sicher gut möglich ist von 30 Stunden Arbeit in der Woche gut zu leben, gelingt es anderen selbst von 40 Stunden nicht. Kann es das sein? 

Letztlich wüsste ich nur zu gut was ich mit meiner freien Zeit anfangen würde. Ich würde mich bilden, immer weiter. Studieren, Praktika,… Es gibt noch so unendlich vieles was ich wissen möchte. Vermutlich ist aber auch genau dies nichts gewünscht. Denn wie gefährlich wäre eine gut gebildete, zufriedene Gesellschaft, die genug zum Leben hat und den Wohlstand gerecht verteilt. Brandgefährlich für die, die sich auf den genannten Missständen ausruhen und sie kultivieren. 

Die Sache mit der Gerechtigkeit

Manchmal ist es so schwer. Dieses ‚alle gleich zu behandeln‘. Dieses ‚gerecht sein‘ und ‚unvoreingenommen‘.Selbstverständlich liebe ich alle meine Hörnchen bedingungslos, uns selbstverständlich tue ich dies immer; jedoch ist es manchmal einfacher als sonst, und manchmal eben echte Arbeit.

A-Hörnchen ist schon immer anspruchsvoll und diskutier-wütig. Er hat erst mit sechs angefangen gelegentlich in seinem gut bestückten Zimmer zu spielen. Er kann sich zwar gut beschäftigen, jedoch unterhält er sich gern und zeigt was er erschaffen hat. Inzwischen diskutiert er auf Niveaus, so dass die Wortgefechte fast Spass machen. Zu dem ist er oft weg und ich freue mich dadurch viel eher über seine Anwesenheit.

B-Hörnchen ist schon immer extrem anspruchslos. Sie ist zurückgezogen, spielt gern und oft in ihrem Zimmer. Sie hat wenig Bedarf an Kommunikation und wenn man sie in ihrem Zimmer ‚besucht‘, damit sie sich nicht einsam fühlt, fliegt man oft wieder raus. Ich liebe die unkomplizierte Art und es bringt mich an den Rand der Verzweiflung am Ball zu bleiben. Wenn sie ein Problem hat, oder traurig ist, versteckt sie sich. Kein Weinen, kein Buhlen um Aufmerksamkeit. Da muss man feine Antennen haben, und den richtigen Ton treffen. 

C-Hörnchen ist omnipräsent. Sie ist immer da, immer laut und weiß auf sich aufmerksam zu machen. Sie hat das unglaubliche Talent, mit immer neuen Kleinste-Bedürfnissen immer wieder auf sich aufmerksam zu machen. Zwar spielt sie auch mal allein was, jedoch tut sie dies in der Küche, zu meinen Füssen, an mir. Sie liebt Gesellschaft und kann es schwerlich ertragen allein zu sein. Ich wünsche mir gelegentlich eine Auszeit von ihrem Redeschwall. Und ich bewundere ihre Fähigkeit auf sich selbst zu achten. Wenn sie etwas braucht, bekommt sie es. Schnell und unkompliziert. Und so wie sie für sich sorgt, so sorgt sie auch für andere. Voller Energie und Hingabe.

D-Hörnchen ist mit seinen knappen zwei Jahren schon oft und gern solo. Er kann wirklich lange mit einem Bagger oder einem Auto spielen und ist sehr bei sich. Andererseits genießt er aber auch die oft ungeteilte Aufmerksamkeit aller anwesenden. Er weiß es durchaus einzusetzen, dass er drei große Geschwister und zwei Eltern zu seiner freien Verfügung hat. Wenn er vorgelesen haben möchte, muss er nur ein Buch aufheben. Wenn er toben möchte, geht er zu den Großen und wenn er kuscheln möchte zu den ganz Großen. Ich liebe es, dass er allein toll spielt. Zunehmend sehe ich eine kleine Gefahr darin, dass er fleißig von fünf Personen verzogen wird, und bin gespannt, was das wohl noch gibt.

So ist es wohl. Sie sind so verschieden und alle auf ihre Art und Weise so großartig. Was für eine Herausforderung, immer an Allen das Positive und das  Negative gleichermaßen zu sehen. Zu Bestärken und zu Mahnen, im Gleichgewicht und fair.

Herausforderung angenommen; ich liebe euch ihr Hörnchen!!