Neues Fahrrad

Mit Fahrrädern war das bisher immer so: Wir kauften für A-Hörnchen ein Fahrrad, durchaus hochwertig und das fuhr er dann. Nach ihm das B-Hörnchen, danach das C-Hörnchen, danach der Cousin und danach das D-Hörnchen. So lief das mit dem 12 und dem 14“ Rad und mit dem 18er. Das 24er kauften wir für A-Hörnchen neu, ein cooles Jungenrad, für das B-Hörnchen bekamen wir ein zweifach gebrauchtes von einer Freundin. Nie hat sie geklagt, auch keiner der anderen im übrigen. Alle haben ihre Räder immer geliebt. Zuletzt wurde deutlich, dass C-Hörnchen das 24er Rad benötigt und so zogen wir heute los endlich ach dem B-Hörnchen ein echtes eigenes Fahrrad zu kaufen.

Gracie zog ein, und was soll ich sagen? Sie ist super!

C- und D-Hörnchen begannen schon im Laden begeistert die ungeahnten Schönheiten probezufahren. „Die Fahrräder hier glänzen!“ staunte das D-Hörnchen und auch C-Hörnchen glaubte kaum was sie da sah. Träume in Rosa und Pink, keine Beulen, kein Rost. Beide drehten begeistert Runde um Runde und irgehdwann nahm ich mir C-Hörnchen, deren Fahrrad ja viel zu klein geworden ist, zur Seite und erklärte ihr, dass heute aber das B-Hörnchen ein Rad bekommen würde und sie wiederum das alte Rad … Mir zerriss es fast das Herz! C-Hörnchen sah mich verständig an und sagte dann: „Ja! Ich liebe den alten Esel von B-Hörnchen ja auch! Aber hier kann ich ja auch mal mit einem pinken fahren.“ Ja, das konnte sie.

Zu Hause angekommen freuten sich beide Mädchen gleichermaßen über ihre „neuen“ Räder. Voller Freude montierten sie Schlösser und Klingeln, fuhren ihre Schätze ausgiebigspazieren und waren – ein wie die andere – glücklich!

Von Brüdern und Schwestern

Im Kinderbett ganz oben liegt das fiebrige D-Hörnchen. Es geht ihm miserabel, die Medikamente wirken noch nicht so recht. Ganz unten, drei Treppenhäuser entfernt, sitzt das C -Hörnchen in der Badewanne; fertig. Das Abendessen müsste gemacht werden und ganz nebenbei sollte der Koffer für die bevorstehende Klassenfahrt noch gepackt werden. Kein Menne weit und breit, keine Aussicht auf Unterstützung. Innerlich beginne ich zu kapitulieren, von den Aufgaben, vor dem Stress, aus Mitleid und überhaupt. Wie ein Geschenk des Himmels kommt da das B – Hörnchen hinein. 

Sie kriecht unter die Bettdecke des D- Hörnchens und sag mir: „Ich kuschel ihn warm! Du kannst andere Sachen machen gehen.“ Reich beschenkt verlasse ich das Kinderzimmer, Erlöse das C – Hörnchen, packe den Koffer und mache Abend essen. Eine halbe Stunde später kommen alle Hörnchen gut gelaunt zu Tisch. B -Hörnchen hat ihren kleinen Bruder noch vorgelesen und ihm wohlige Wärme gespendet, so dass er nun entspannt zu Abendessen konnte.

Szenenwechsel. Wir kommen an den Treffpunkt zur Klassenfahrt. Die Lehrer sind schon anwesend, ansonsten wenig Eltern und Kinder. Ich begrüße die Lehrerschaft und das B- Hörnchen beginnt aufgeregt ihren Koffer von A nach B zu stellen. Eine Lehrerin beginnt freundlich zu berichten, sie hätte kürzlich neulich auf dem Schulhof schon die kleinere Schwester kennen gelernt. Sie habe sich aus der Ferne gefagt, welche Mädchen dort so innig miteinander wären. B-Hörnchen habe dann erklärt, dass das Mädchen in ihren Armen das C-Hörnchen,  ihre kleine Schwester wäre.

Gibt es etwas schöneres, als zu sehen, zu hören und zu erleben, dass die eigenen Kinder sich lieben? Diesen Momenten weiß ich, dass ich alles richtig gemacht habe. Auch wenn ich manchmal vor lauter Aufgaben, Stress und Mitleid gar nicht weiß wo mir der Kopf steht.

Mit der Liebe einer Schwester

C-Hörnchen ist sowas wie D-Hörnchens verlängerter Arm. Zumindest sieht sie sich so. Wann immer Ihr kleiner Bruder etwas tut, was er potentiell nicht können könnte, nimmt sie es ihm ab, egal ob er das will, jemand es ihr verbietet oder der Bruder es gar allein gekonnt hätte. C-Hörnchen ist wirklich deutsche Meisterin im übervorteilen und bevormunden; nicht grad schön und gleichzeitig schwer zu bändigen. 

Vorhin saßen wir zusammen und sprachen einmal mehr über dieses Problem, da kam und die Szenerie wenn das D-Hörnchen mal heiraten würde. Ganz klar, wenn der Standesbeamte sagen wird:“Sie dürfen die Braut jetzt küssen.“, wird die Schwester nach vorn schießen, den Bruder unsanft zur Seite schieben und sagen:“Nein D-Hörnchen, ich mach das!“. Dann wird sie die Braut küssen und sie ihm zurück geben. Wie ein Marmeladenglas oder ein Geburtstagsgeschenk. Herrlich. Beim Ja-Wort wird es ein Wettlauf gegen die Zeit; ist D-Hörnchen schnell genug, kann er es selber sagen. Wenn nicht wird es aus der ersten Reihe schallen:“Ja! Will er!“. Ganz wundervoll. Es geht doch nichts über eine sich sorgende große Schwester. Hach!!

Wahre Größe 

„Darf ich ich in dein Zimmer?“ Fragt C-Hörnchen das D-Hörnchen. „Nein! Geh raus!“ antwortet D-Hörnchen. C-Hörnchen geht in ihr Zimmer und beginnt allein zu spielen. D-Hörnchen stellt sich in die Tür und fragt:“Darf ich in dein Zimmer?“ „Nein!“ antwortet C-Hörnchen bestimmt. „Ich darf ja auch nicht in dein Zimmer

!“ 

Für eine halbe Minute sind beide in ihren Zimmern, Tür an Tür. D-Hörnchen klagt:“Ich will nicht alleine spielen!“ und C-Hörnchen klagt:“Allein spielen ist doof!“ Sie geht zu D-Hörnchen’s Tür, klopft und fragt:“Darf ich in deinem Zimmer mitspielen?“ D-Hörnchen keift abermals:“Nein!!“ C-Hörnchen geht wieder rüber, traurig. D- Hörnchen heult:“Ich will nicht allein spielen!“ Er geht zu C-Hörnchen’s Tür, öffnet und fragt ob er mitspielen darf. 

C-Hörnchen schaut ihren Bruder mitleidig an und sagt:“Dann komm rein!“ Sie sah zu mir und sagte:“Sonst müssen wir ja beide allein spielen.“

…außer D-Hörnchen 

Eben unterhielten wir uns über Babys und Kinder und wieviele man davon haben kann. Die Mädchen regten an, dass wir ja auch noch ein Baby haben könnten und ich versuchte nach Kräften zu argumentieren (gar nicht so einfach…) wieso vier Kinder genug wären. Ich argumentierte mit Kinderzimmer und der drohenden Doppelbelegung, sagte dass Babys im Bauch haben sehr, sehr anstrengend sei und irgendwann dann, dass ich ja auch schließlich die vier besten Kinder der Welt hätte und deshalb einfach keines mehr bräuchte. 

Die Mädels guckten etwas zweifelnd und B-Hörnchen sagte:“Fast die besten!“, C-Hörnchen kicherte mit, blickte in Richtung ihres Bruders und sagte sehr bestimmt:“Außer D-Hörnchen!“ Was sich in dem Moment zeigte sehr ihr auf dem Foto: D-Hörnchen in Bestform. Die Hörnchen erklären weiter:“Der macht immer alles kaputt und nervt! Und außerdem sieht der völlig beschert aus!“

 Ich weiß nicht wie man sowas sagen  kann; ich finde ihn sooooo niedlich!! 

Hau ab Spatzi 

A-Hörnchen nervt beim Essen. Mal wieder. B-Hörnchen, die eigentlich nicht aus der Ruhe zu bringen ist, ist es nach Tagen dann auch leid die immer gleichen Witze über Pferdewurst zu hören und raunt ihren Bruder genervt an:“Hau ab Spatzi!“ 

A-Hörnchen war eh auf dem Weg nach oben und kann nicht ganz glauben was er da grade gehört hat. Auch der Menne und ich blicken verwundert in B-Hörnchens Gesicht. Auch die sieht alles andere als zufrieden aus. Grübelnd rauft sie sich das Haar um sich dann zu korrigieren:

„SPASTI!! Ich meine Spasti!!!“

Alle anwesenden Personen über 5 Jahre brechen in schallendes Gelächter aus.