Der kleine Unterschied

Ob ich in diesem Jahr sportlich ambitioniert bin, wurde ich gefragt. Ich habe eine Weile nachdenken müssen um das zu beantworten und bin zu folgendem Schluss gekommen: Meine größte sportliche Herausforderung liegt in diesem Jahr darin, den Unterschied zwischen „Lust auf Sport“ und „Lust auf dünn-sein“ herauszufinden. Für mich persönlich eine harte Nuss!

Tatsächlich nämlich habe ich in den letzten Jahren viel daran gesetzt die Spuren von 34 Jahren Leben und vier Schwangerschaften zu verwischen. Ich habe meinem Körper den coolen Deal vorgeschlagen: Ich bewege dich viel und gebe dir wenig zu essen, dafür machst du, dass wir aussehen wie 16! Mit großen Ideen wie ‚vor dem Frühstück 10km laufen‘ habe ich versucht meinem Teil der Abmachung einzuhalten und muss euch nun mitteilen: Klappt nicht! Und viel schlimmer noch, es macht nicht mal Spaß! Und so stelle ich mich neuen Herausforderungen!

Mit 34 sieht man aus wie mit 34. nach vier Kindern sind manche Stellen an so nem Körper anders als andere. Essen macht Freude und tut gar nicht weh und niemand auf der Welt mag mich mehr nur weil mein Bauch weniger wabbelt. (Sollte das anders sein kann der jemand mich mal!!) Und wenn ich wirklich Lust habe mich zu bewegen, dann tu‘ ich das, und zwar mit Freude. In den letzen Tagen bin ich viel Rennrad gefahren. Es war herrlich und Balsam für die Seele. Ich quäle mich nicht in diesem Jahr, ich versuche es mal mit glücklich sein.

Und ganz doll mich!

Seit etwa einem halben Jahr ist mein A-Hörnchen nun auf einem recht anspruchsvollem Gymnasium. Er geht gern zur Schule, hat Anschluss gefunden. Die vielen Arbeiten und Tests haben ihm bisher wenig zugesetzt; bei minimalem Aufwandschrieb er 3en. Alles gut, soweit. In den letzten zwei Wochen bekam er zwei schlechtere Ergebnisse zurück und plötzlich waren da Zweifel.

Das Hörnchen geriet ins Schwanken. Gymnasium – viel wissen – viel Anerkennung – viel lernen – viel Arbeit. Oberschule hingegen – weniger Stress – weniger – Arbeit – weniger Status. So in etwa liefen seine Gedanken ab, es war ein großes Durcheinander. Zunächst versuchte ich ihm die verschiedenen Möglichkeiten weiter aufzuschlüsseln, kam selber vom 100stel ins 1000stel. Und plötzlich wurde mir klar, was das wesentliche ist. Es geht nicht um Arbeit, Anerkennung und Wissen. Im Leben geht es um was ganz anderes!

Ich erklärte meinem Hörnchen, dass es mir, als seiner Mama, am Ende nicht wichtig ist, dass er ein exzellentes Abitur hat. Mir sei es nicht wichtig, dass er vier Sprachen und drei Instrumente könne. Das einzige, das für mich zählte sei, dass er glücklich ist! Denn soviel habe ich gelernt in meinem Leben: Glücklich machen uns nicht Leistung, Anerkennung oder Erfolg. Glück wird durch das hervorgerufen, was unser Herz möchte. Und, so ist es eben, Herzen sind zum Glück nicht immer klug oder vernünftig. An so manchen Nachmittag möchte so ein Kinderherz viel lieber Monopoly spielen als Vokabeln zu lernen. An anderen vielleicht lieber Lego bauen als Mathe zu machen und an wieder anderen hat es große Lust ein Referat vorzubereiten.

Natürlich habe ich ihm auch erklärt, dass es gewisse Dinge gibt, die sein müssen. Hausaufgaben, Anwesenheit und wer nur 5er im Zeugnis hat fällt durch. Alles in einem aber ist es wichtig, gesund und glücklich aus der Schule zu kommen – um sich dann dem echten Leben zu widmen. Und da man es von allen Menschen auf der Welt wohl am längsten mit sich selbst aushalten muss, sollte man wissen wen man am besten zu pflegen hat.