Kaum auszuhalten

Ich kann mich nicht erinnern, jeh mit der deutschen Politik zufrieden gewesen zu sein. Sicherlich bin ich ein wenig linker und vielleicht radikaler als die Bundesdeutsche Polit-Mitte. Während ich aber in den ganzen Jahren meinen Umgang damit gefunden hatte, gerate ich immer mehr an meine Grenzen. Es ist kaum auszuhalten was dort passiert und in meinem Kopf rast das „was soll man tun-Karussell“. Hilflosigkeit mischt sich mit Wut und Verzweiflung und nach und nach wird mir klar, wenn keiner war macht, passiert auch einfach mal nix.

Was also tun? Unbezahlten Urlaub nehmen und ans Mittelmeer reisen. Boote kaufen, Menschen retten? Eigentlich ja. Und plötzlich sind sie da, die inneren Wiederstände, die guten Gründe, nichts zu tun. Mich selbst in Gefahr bringen, die Komfortzone der Familie zu verlassen – das sind gewaltige Schritte. Nicht hier zu sein, nicht sicher sagen zu können was die Zukunft bringt; nein das kann ich nicht. Oder? Müssten das nicht eigentlich alle, oder zumindestso viele, dass ganz deutlich wird, dass der Tod von tausenden nicht toleriert wird? Was setzt man schon auf’s spiel? Den Job, den Wohlstand. Ein paar Wochen mit der Familie und vielleicht den nächsten Urlaub; all das für ein paar Leben.

Ja! Eigentlichsollte es das mir wert sein. Und mit jedem Tag wächst mein schlechtes Gewissen, nichts zu tun. Was wenn in 40 Jahren die Enkel fragen: „Habt ihr nichts gewusst? Da starben Menschen!“? Was sagt man dann? Dass man zu feige war, zu geizig. Zu viel Angst hatte den eigenen Lebensstandard zu verlieren? Oder lügt man, so wie es die Generationen vor uns taten, und sagt: „Das hat doch keiner gewusst!“

One world

In einem Gespräch mit den großen Hörnchen ging es um sogenannte Ausländer und deren Rolle in Deutschland. Wir sprachen über den Seehofer’schen Heimatbegriff und die damit verbundenen Themen von Freiheit und all sowas. Irgendwann schlug das A-Hörnchen vor, einfach „ein Land zu machen, in dem alle Ausländer sind“. Ich war entsetzt und zweifelte an meiner Erziehung. Das A-Hörnchen wiederum verstand gar nicht, worüber ich so entsetzt war. Er sah mich fragend an und erläuterte dann:

„Wenn es einfach alles ein Land wäre, ohne Grenzen und ohne eigene Politik, wenn alle überall hingehören würden, dann wäre es doch ein Land. Dann wäre alles eine Welt und keiner wäre falsch.“

Mein kluges Kind, wie recht du hast! Normen sind es, die Menschen in die Andersartigkeit zwingen. Grenzen und Besitz sind es, die Krieg und Vertreibung erst möglich machen. Gier und Ungerechtigkeit sind es, die Hunger und Not wachsen lassen, und es dem Großteil der Weltbevölkerung nicht möglich machen, sicher und zufrieden zu leben. Wenn der Mensch aufhören würde sich über Besitz und Macht zu definieren, wenn Menschlichkeit, ein großes Herz und die Bereitschaft zu teilen Attribute wären, die für die Mächtigen erstrebenswert sind, dann wäre allen geholfen. Und dann hätten wir ein großes Land, in dem wir alle Ausländer sind – oder eben auch nicht.

Grenzen-los

Politik war heute wieder Thema. Hitler und die Frage nach dem Warum. Georg Elser und Graf Stauffenberg und was sie taten. Kriege und Grenzen, die DDR und die BRD. A-Hörnchen fragte und dachte und dachte und fragte. Nach all dem Gerede und Erkläre dachte er kurz nach und sagte dann: „Ich verstehe ja nicht, warum die Leute erst Grenzen ziehen, um sich dann um Grenzen zu streiten! Wenn sie die Grenzen weglassen würden, könnten einfach alle zusammen leben!“

Da staunte ich nicht schlecht. Wie klug er ist, und wie recht er hat!!                  No border, no nation!