Stunde Null

Yeah, die Kinder sind aus dem Haus. 1,2,3,4, alle weg. Was man jetzt alles machen kann. Ich entschied mich in aller erster Instanz für ein paar Tränen, Kaffee und Zigarette. Noch eine Zigarette und noch ein paar Tränen. Was bin ich nur für eine Klette.

In zweiter Instanz dann putzte ich das Haus, gründlich. Und ja, danach sortierte ich vorsichtshalber die Unterhosen des D-Hörnchens nach Form, Größe und Farbe; man weiß ja nie. Himmel, und das waren erst die aller ersten paar Stunden. Nein, ich bin nicht gut in sowas. Ein Dank an das offene Ohr der Besten soll an dieser Stelle nicht fehlen.

Eins kann man schon einmal festhalten: Für den Tag, an dem das erste Hörnchen auszieht, und den an dem das letzte geht und die Tage, an denen die anderen gehen werden, sollte ich mich entweder mit lieben Menschen zu Trinken treffen oder mir ein Bett in einer guten Klinik suchen.

Mamapedia

A- Hörnchen hat Spaß an Wissen, und seine bevorzugte Wissensquelle bin ich. Ich bin einfach ziemlich praktisch. Mich muss man nicht lesen, ich bin recht breit gefächert, kann ganz gut erklären und wenn er was wissen will, das ich nich weiß, dann schlage ich es garantiert zum nächsten Tag nach -weil es mich selbst interessiert. 

Viel gefragt hat er schon immer, langsam aber werden die Fragen immer komplexer und ich muss immer öfter nachlesen. So kommt es, dass ich inzwischen keine Fragestunden zwischen Tür und Angel mehr zulasse; zu oft haben wir uns im ewigen Dschungel von wieso, weshalb, warum fast verlaufen. Unter 30 Minuten läuft gar nichts, besser sind 60. Er kommt vom Hundertstel und Tausenstel, will es ganz genau wissen. Alle meine Versuche ihn zu überreden, sich Wissen aus Büchern anzueignen scheiterten bisher, und so liefert sie weiter – die Mamapedia. 

Eben brachte ich das A-Hörnchen ins Bett. Als ich in der Tür stand, das Licht schon erloschen, spach er:“ Wie kommt eine Erkältung, warum läuft die Nase draußen mehr und wie kann es zu so Fehlbildungen wie bei Contagan kommen? Und wie entsteht eigentlich ein Baustil?“ Er sagte alles ohne zu atmen und sah mich erwartungsvoll an. Meine Antwort war, wie fast jeden Abend, „morgen!“. Immerhin muss ich dieses Mal nichts nachlesen. 

Bye Bye Schulranzen 

Der Kauf des Schulranzens dürfte für die meisten Schulanfänger ein riesen Highlight sein. Und so manche Eltern machen im Gleichzug eine Wissenschaft aus dem Erwerb. In jedem Falle ist es eine echte Investition. Ranzen, Mäppchen, Schlamper, Turntasche,… Das ganze Set kostet je nach Hersteller und Angebotslage gut und gern 150-250€. 

A-Hörnchen hat sich damals schnell und unkompliziert für einen Scout-Ranzen entschieden. Ich war mit der Wahl mehr als zufrieden. Der Ranzen war schlicht und robust, recht leicht und kostete im Set keine 100€. Perfekt. Damals, also im Herbst 2012, habe ich große Töne gesprochen, dass der Ranzen natürlich bis zur 5. Klasse getragen wird, vorher gibt’s keinen neuen. Klar und konsequent, so war das gedacht. 

Am vergangenen Wochenende formulierte das A-Hörnchen, dass er seinen Ranzen eigentlich, ganz genau betrachtet, nicht mehr nehmen mag. Er sagte, er fände ihn nicht hässlich oder so, aber er käme sich bescheuert vor damit. Ich sah meinen Sohn an, sah den kleinen Ranzen mit dem Monstertruck an, und stimmte ihm zu. Rausgewachsen.   Was mich vor drei Jahren am sechsjährigen stolz und niedlich aussah, wirkt an einem neunjährigen irgendwie.. 

Na ja, ab jetzt nimmt er seinen Rucksack. Den hatte er schon und auf der Ganztagsschule tragen Sie eh nur Trinkflasche und Brotdose hin und her. Und kommendes Jahr, zur 5. Klasse, gibt’s dann was Neues. Hab ich ja gesagt;)

Fremde Welten

Hinter mir liegen eigenartige Stunden. Meine zwei kleinen Hörnchen haben bei Oma und Opa geschlafen, alles was mir blieb waren die kranken Großen. Für mich hörte sich das nach viel Arbeit an, in Realität habe ich die entspanntesten 20 Stunden meines Lebens verbracht. Der Gipfel war die Feststellung heute morgen, dass ich einfach so bis halb zehn geschlafen habe.

Soll das so also später mal werden? Werde ich in einigen Jahren wieder regelmäßig genug Schlaf bekommen um sinnvoll denken zu können. Und werde ich irgendwann einfach das Haus putzen können, ohne das mir jemand dabei hinterher läuft um zu gucken, dass ich noch ja nicht verschwinde? Werde ich eines Tages meine sogenannte Freizeit wieder mit netten Dingen verbringen können, weil es einfach so, problemlos möglich sein wird, die Küche zu feudeln während die Hörnchen im Haus sind? Was ist das für ein verheißungsvolles Fenster das ich da geöffnet habe?!

Noch vier Jahre also, dann könnte es immer so sein. Dann herrscht wieder Frieden am Esstisch, dann lerne ich wieder was es heißt, allein zu sein. Wunderbar, wo ich es doch eigentlich so hasse allein zu sein. Schrecklich also, soll mein ganzes Chaos hier also eines Tages ein Ende nehmen, und mich dann zwingen mich wieder mit meinen eigenen, öden Problemen zu befassen? Eigenartig, und beängstigend. Hoffentlich durchleben mindestens drei von vier Hörnchen ein extrem anstrengende Pubertät; nicht das mir noch langweilig wird, oder ich auf andere dumme Ideen komme..!

Frühstück für Champions

Mein großer Sohn wird groß. Gestern Abend hat er seine Pizza im Restaurant nicht ganz geschafft. Heute morgen dann hat er sie kurzerhand zum Frühstück aufgefuttert. Putzig. 

Und während er da so saß, und seine Frühstück in sich rein schaufelte, dachte ich mir: Dieses Mal ist es eine Pizza zum Frühstück, in einigen Jahren sitzt er hier und hat womöglich ’nem Kater oder …. Oh man, was mich da noch alle erwarten wird. Vier Kinder; das heißt ja auch vier Pubertäten. Uiiiuiiiuiii!!!  

Biblische Plage 

Eine neue Seuche, eine Pest hat mich ereilt. Eine Katastrophe, eine Abartigkeit. Eine … Es schüttelt mich zu tiefst. 

Worum es geht? Mein Sohn her das Zeitalter ‚ComputerSpiel‘ erreicht. Er hat eigenes echtes Geld verschwendet und meinen geliebten, noch jungfräulichen Computer mit einem Spiel verdreckt. Minecraft heißt die Plage, die nun seit ca. 18 Stunden mein Leben überschattet. Alle Gespräche, alles Leben dreht sich plötzlich um dieses … Oh man. 

Der eine oder andere kennt vielleicht meine ausgeprägte Abneigung gegen Computer aller Art. Wirklich ausgeprägt, geradezu instinktiv versuche ich diese Teile zu töten…

Wenigstens gibt es etwas, das Vater und Sohn nun teilen. Eine heiße Liebe sozusagen. Mit bleibt nur die tiefe Verachtung. Und die gute Option selbige nicht zu zeigen. Es musste ja so kommen.