VNV Nation/ Heimspiel

Tanzbare, elektrische Musik mit mächtig Bums und Texten die relevant sind, einem Sänger, der mit seiner Bühnenpräsenz und Ausstrahlung so mitreißt , dass man über Stunden wie abgeschossen ist; das ist mein Fazit nach meinem ersten Konzert von VNV Nation. Alter, war das gut! Mit mächtig Druck gingen die Bässe vom ersten Ton an direkt rein; Herzaussetzer gratis. Alles hat vibriert, alles in Bewegung. Das Publikum wir ein waberndes Gebräu im Hexenkessel, Ronan Harris der Hexer, der die Masse zum kochen bringt.

Nach dem ersten Lied kam im Übrigen die Bitte der Band, den Blitz am Handy auszumachen beim Fotografieren, und bitte haltet das Handy dabei nur vor eure eigenen Augen. „Es geht hier um Respekt!“ sprach Ronan und traf den Nagel so sehr auf den Kopf! Miteinander feiern, nicht gegeneinander, so die klare Message. Abgeschlossen wurde der Abend mit dem Stück „All our sins“, das sich mit dem Fristern der Menschen auf Erden befasst, mit dem Leid der einen und der Ignoranz der anderen. Ein klarer Apell: Die Uhr tickt, die Massen marschieren wieder. Handelt, bevor es zu spät ist!

Wenn eine eine Reise tut

Eine schnelle Zusammenfassung des Tages.

1. Der Akzep Kongress für akzeptierende Drogenarbeit ist spannend , informativ und regt zum Denken und Diskutieren an.

2. Alles ist lustiger, wenn man es mit der besten Freundin macht; Kongresse und Bahnfahrten und alles andere eben.

3. Zwischen Bremen und Hamburg liegen viele viele alle „Unterwegsbahnhöfe“ wie die bezaubernde Zugbegleiterin es nannte und allein für das Wort gehört diese gefeiert; und für die Süßigkeiten, die sie uns schenkte, damit wir uns endlich benehmen.

4. St. Pauli hat ein tolles Stadion, günstige Hotels, die kein Puff sind und ist tot schick mit laut. Ist eigentlich eher St. Pauli laut oder bin ich alt? Wirklich schick ist es in jedem Fall.

5. Viele Stunden zuhören, clevere Dinge sagen und klug Kontakten ist wirklich anstrengend.

6. Wenn man auf St. Pauli ist, sollte man dringend abends ausgehen, so richtig durch den Tisch treten und es unsagbar krachen lassen.

7. Wegen einiger der genannten Punkte ist man aber zu alt, angestrengt oder was auch immer und guckt deshalb ab 20.00 TV im Hotelbett. In mir steckt eben ein Rebell.

Im Zweifel für den Zweifel

Gestern Abend sah ich im Kino einen Dokumentarfilm über den G20 Gipfel in Hamburg 2017. Es war traurig die zahllosen gewalttätigen Übergriffe der Polizei auf Demonstranten zu sehen, die endlosen Repressalien. In vielen Interviews mit Anwälten und Hamburger Politikern sowie Demonstranten und Polizei wurde deutlich, dass die Eskalationen und zum Teil schwersten Verletzungen wenigstens billigend in Kauf genommen wurden, wenn nicht sogar teilweise von staatlicher Seite provoziert.

Nach dem Film war meine Stimmung gedämpft und während der Abspann begann, spielte das Lied „Im Zweifel für den Zweifel“ von Tocotronic an:

Im Zweifel für den Zweifel

Das Zaudern und den Zorn

Im Zweifel fürs Zerreißen

Der eigenen Uniform

Im Zweifel für den Zweifel

Und für die Pubertät

Im Zweifel gegen Zweisamkeit

Und Normativität

Im Zweifel für den Zweifel

Und gegen allen Zwang

Im Zweifel für den Teufel

Und den zügellosen Drang

Im Zweifel für die Bitterkeit

Und meine heißen Tränen

Bleiern wird mir meine Zeit

Und doch muss ich erwähnen

Im Zweifel für Ziellosigkeit

Ihr Menschen, hört mich rufen!

Im Zweifel für Zerwürfnisse

Und für die Zwischenstufen

Im Zweifel für den Zweifel

Das Zaudern und den Zorn

Im Zweifel fürs Zerreißen

Der eigenen Uniform

Im Zweifel für Verzärtelung

Und für meinen Knacks

Für die äußerste Zerbrechlichkeit

Für einen Willen wie aus Wachs

Im Zweifel für die Zwitterwesen

Aus weit entfernten Sphären

Im Zweifel fürs Erzittern

Beim Anblick der Chimären

Im Zweifel für den Zweifel

Das Zaudern und den Zorn

Im Zweifel fürs Zerreißen

Der eigenen Uniform

Im Zweifel für den Zweifel

Und die Unfasssbarkeit

Für die innere Zerknirschung

Wenn man die Zähne zeigt

Im Zweifel fürs Zusammenklappen

Vor gesamtem Saal

Mein Leben wird Zerrüttung

Meine Existenz Skandal

Im Zweifel für den Zweifel

Das Zaudern und den Zorn

Im Zweifel fürs Zerreißen

Der eigenen Uniform

Im Zweifel für den Zweifel

Das Zaudern und den Zorn

Im Zweifel für den Zweifel

Das Zaudern und den Zorn

Erstarrt vor Hilflosigkeit glotzte ich auf die vorbeilaufenden Buchstaben, die Namen und den Dank. Dann sickerte der Text des Liedes nach und nach zu mir durch.

„…gegen all den Zwang… für die Bitterkeit und meine heißen Tränen..“

„Im Zweifel für Ziellosigkeit

Ihr Menschen, hört mich rufen!

Im Zweifel für Zerwürfnisse

Und für die Zwischenstufen“

Und plötzlich dachte ich, ja! So ist es nämlich. Ziellosigkeit führt zu neuen Zielen, zu Orientierung. Zerwürfnis, Diskussion, das ist der Stoff, aus dem ein offener Geist, und aus dem neue Lösungswege gemacht sind. Stillstand, immer nur nicken und ja sagen, bloß nicht anecken und mit dem Strom schwimmen; das ist gefährlich.

„…für meinen Knacks …die äußere Zerbrechlichkeit…“

Ja bitte! Aufhören sich zu verstecken, jede Macke leben und die Welt mit sich selbst zu bereichern – das bringt Menschen weiter, das macht uns zu Individuen. Jede Eigenart macht und zu zauberhaften Wesen, denn im Grunde sind es nicht unsere Hautfarbe und Herkunft, in der wir uns unterscheiden, sondern unsere Macken und Eigenheiten – und die gilt es zu pflegen!

„… für das Zaudern und den Zorn..“

und eben dafür nicht aufzuhören zu kämpfen, zu strampeln und der zu sein, der man ist. Und, das ist unabdingbar, dazu beizutragen, dass die Welt immer ein kleines bisschen mehr die wird, die man sich wünscht. Im Zweifel für den Zweifel, für das selber denken, den erweiterten Horizont.

Nach dem Abspann war es besser. Ein kleiner Kampfgeist sitzt seither auf meiner Schulter, mit Lust zum Debattieren. Ein kleiner Revolutionär, der nicht vor hat, die ganze Scheisse einfach so hinzuhalten. Seine kleine Linke Faust streckt er in den Himmel und schreit laut „Viva la revolution“.

Hamburg 

Ich bin ein politisch denkender Mensch und den G20 Politikern hätte ich einiges zu erzählen. Ich bin unzufrieden und oftmals frustriert, wütend und traurig über die Politik auf unserem Planeten und Protest gegen diese Art der Regierung befürworte ich sehr. Früher habe ich viel und gern demonstriert. Ich war laut und manchmal trug ich ein Tuch vor dem Gesicht. Ich habe Wasserwerfer von nahem gesehen und bin vor „den Bullen“ weggelaufen. Proteste, auch die der deutlichen Art, waren schon immer meins. Nicht aber das, was da in Hamburg gerade passiert. 

Mit politischem Protest hat all das nichts zu tun. Steine gegen Menschen werfen, sogar Teppigmesser sind geflogen. Autos anzünden und noch viel mehr; all das hat nicht den geringsten politischen Wert. „Unsere Wut auf die Straße bringen“ , so lautet der Aufruf zu einer der Demos. Bitte Leute, wenn ihr so wütend seit, dann schreit doch, oder stampft. Singt ein Lied oder malt ein wahnsinnig großes Plakat. Diese stumpfe Zerstörung, diese Gewalt ist gut für nix. Im Gegenteil, sie hemmt die notwendigen, politischen Proteste. Euer sogenannter Protest gegen eine menschenverachtende Weltpolitik ist ebenso menschenverachtend, gewalttätig und stumpf, wie das was ihr bemängelt. Politik braucht Kraft und Leidenschaft, eine Priese Kreativität und Überzeugung. Vor allem aber braucht sie Hirn. Und das sollte nun mal zugeschaltet werden. 

Eins zum Schluss, ich unterstütze und lobe in kleinster Weise das Vorgehen der Polizei. Gewalttätiges Vorgehen, Provokation und übertrieben Härte sind das letzte und mit Sicherheit  ein Schritt in die falsche Richtung.