Worauf es ankommt

Meine Haushaltsführung, die damit verbundene Überforderung und vor allem die Unzufriedenheit waren hier immer mal Thema. War es zu Hause schick und schön, litten Kinder und Job, ließ ich den Haushalt schleifen, war ich auf kurz oder lang schlimm unzufrieden, weil es nicht mehr schick und schön war. In dieser Schleife befand ich mich die letzten Jahre. Um einen Ausweg zu finden, habe ich verschiedene Modelle versucht: Mehr Tolaneranz meinerseits (es ist ja gar nicht so schlimm hier…), mehr Mithilfe der Kinder (was oftmals in noch mehr Arbeit endete), gemeinsames Putzen am Wochenende (und, wie war dein Wochenende so?) und immer wieder auch die Suche nach einer Haushaltshilfe. Letztere könnte ich jetzt gefunden haben.

Vergangenen Freitag war sie da und ich muss gar nicht viel sagen; wenn das alles so weiter geht, wie es begonnen hat, habe ich endlich ein Problem weniger. Nach einer kurzen Einweisung ging ich zur Arbeit und als ich nach Hause kam, war endlich alles gut. Anstatt schon beim Reinkommen genervt zu sein, startete ich mit einem wohligen Räkeln ins Wochenende. Anstatt mich über den dreckigen Fußboden aufzuregen, tobten wir zunächst ausgelassen in der Küche um dann entspannt zu essen. In die Wochenendplanung musste kein Kloputzen und Durchsaugen aufgenommen werden, so dass wir am Samstag Vormittag zwei Stunden lang gemeinsam malten und puzzelten und später eine Torte backten. Wir hatten Zeit!

Und spätestens hier wird mehr als deutlich, worum es im Leben zu gehen hat. Entspannt miteinander, zufrieden und ohne Stress. „Krass, du leistest Dir eine Putzfrau?!“, sagte eine Nachbarin am Freitag und heute kann ich sagen: Nein! Ich leiste mir wertvolle Stunden mit meiner Bande, in denen ich mich um nichts kümmern muss als um uns. Diese paar Euro sind das best-angelegteste Geld, das ich jemals ausgegeben habe!!

…weil du zu lange fernsiehst

Ja! Ich bin wirklich oft müde, und ja! Ich lege mich regelmäßig mal ne Stunde hin. Am Wochenende schlafe ich nach Möglichkeit lang, da ich sonst in der Woche darauf noch mehr durchhänge. Zugegeben, es ist ein Jammer. Auch die Hörnchen nehmen diesen Zustand wahr und lassen ihn nicht unkommentiert. „Du bist immer so müde, weil du viel zu lange fernsiehst!“ erklärte mir das C-Hörnchen jüngst und ich war etwas Sprachlos. Meine zwei Stunden vor der Glotze sind es nicht, nein. Aber was soll man einer siebenjährigen sagen,…

…dass man chronisch müde ist, weil man sich ununterbrochen zwischen Arbeit und Familie aufreibt, im Prinzip immer gegen ein schlechtes Gewissen arbeitet und nie an einer Stelle genug ist?

…dass einen der Haushalt überfordert und das ständig wiederkehrende Putzen der Böden, Toiletten und allen Andersens einfach traurig und ermüdend ist?

… dass mein persönlicher Lebensrythmus und der, der mir durch Kita und Schule vorgegeben ist, einfach nicht zusammen passen, und ich mich somit dauerhaft zwingen muss zu funktionieren?

Natürlich nicht, somit gebe ich ihr kurzum recht und gestehe ein, warscheinlich einfach früher schlafen gehen zu müssen…

…um damit auch das letzte Bisschen Freiraum und selbstbestimmte Zeit zu verlieren.

Klingt dramatisch? Ist es. In manchen dieser Phasen ist es nicht lustig in der Tretmühle „leben“ gefangen zu sein, in der jeder Ausbruch direkte Konsequenzen für alle die hat, die mit einem zusammen leben. Wenn ich verschlafe, kommen alle zu spät, wenn ich aufhöre zu putzen, kochen, versorgen, sind alle unversorgt. Arbeite ich, bis alles abgearbeitet ist, sind die Kinder allein, mache ich früh Feierabend, drückt der Schuh auf der andern Seite. Eine elende Klemme.

Klingt besorgniserregend? Ist es nicht. Ich durchlaufe diese Tiefs immer mal wieder; ich denke die meisten in meiner Situation tun das. Es geht vorbei; vorübergehend in den kommenden Tagen und dauerhaft in ca. 15 Jahren. Schön!

Nee, das stresst mich nicht

Morgen kommt der Kindergarten zu Besuch, zu uns nach Hause! Diese jährliche Aktion ist bei den Kindern äußerst beliebt, und dafür gedacht, den Kindern zu zeigen wie unterschiedlich Menschen leben. Schon die kleinsten lernen, dass Lebensverhältnisse unterschiedlich sind und es überall etwas schönes zu finden gibt. Kind A teilt sich das Zimmer mit seinen Geschwistern, Kind B hat ein eigenes Zimmer, Kind C hat gar kein Zimmer und Kinder hat zwei. Jeder anders, jeder gut und jeder zufrieden. Oft hörte ich in den letzten Tagen den Satz: „Stresst dich das nicht?“ in aller Regel gab ich zur Antwort, dass ich da ganz entspannt mit umgehen würde. Ist doch klar.

Heute, einen Tag vor dem Besuch, bin ich das nicht. Wenn ich ganz genau in mich horche, bin ich tatsächlich angespannt und versuche irgendwie alles in Ordnung zu bringen. Selbstverständlich muss das Kinderzimmer aufgeräumt sein, 20 Kinder werden darin spielen. Die Schränke sollten abgestaubt sein, am besten auch die einzelnen Spielsachen – immerhin werden sie durch viele Hände gehen und die Erzieher werden sie sehen. Auch Lichtschalter und Türrahmen sollten sauber sein, ebenso wie die Toiletten, dann ganz bestimmt werden viele Menschen sie Benutzen. Beim staubsaugen der Treppen dachte ich darüber nach, die einzelnen Stufen vorsichtshalber auch zu wischen; schließlich werden die Erzieher auf Augenhöhe der Kinder die Treppe benutzen und sie sicherlich genauer ansehen als sie es sonst tun werden… Ich begann Spinnen weben aus den Ecken weg zu saugen, Badezimmervorleger extra zu waschen und die Zahnputzbecher von innen auszuwaschen. Ja, ich muss es zugeben – ich machte mich fürchterlich verrückt. Der Antrieb der Aktion? Natürlich der, dass es besonders perfekt, wenigstens aber ausreichend gut aussehen sollte.

Und da sind wir mitten im Desaster. Anstatt Kindern beizubringen, wie unterschiedlich Menschen leben, bringt man Müttern bei, dass sie sich verrückt machen sollen. Jedes Mal wird aufgefahren, die Mütter backen, schneiden Obst und schmieren Brötchen. In jedem, oder sagen wir fast jedem Haushalt, wird ausgiebig geputzt und vorbereitet, so dass das Bild für die Besucher immer das gleiche ist: hier ist es ausgesprochen perfekt! Der Druck der dadurch auf alle erzeugt wird ist völlig idiotisch. Wieder einmal versuchen alle irgendeinem Ideal Stand zu halten und nach außen etwas darzustellen, was sie nivht sind. Bei uns zumindest ist es eigentlich nicht schmutzig; nur ganz manchmal schon. Meistens gibt es in irgendeiner Ecke Spinnenweben, irgendeiner der Türrahmen hat immer Fingerabdrücke. Unsere Toiletten sind nie klinisch rein aber immer sauber. Die Kinderzimmer sind selten wirklich aufgeräumt, dafür werden sie regelmäßig ausgiebig bespielt. Auf unserem Sofa liegen Katzenhaare, unsere Teppiche haben oftmals Krümel. Hier ist überhaupt gar nichts perfekt, aber eigentlich ist es genau das, was unser Leben so gut macht. Wir sind ganz einfach normal, langweilig und normal! Wir sind nicht klinisch rein, nicht pedantisch sauber sondern einfach ziemlich menschlich und leben unser Leben. Und ganz genau jetzt höre ich auf wie eine irre zu putzen; und wenn ich Lust habe verteile ich noch ein paar Brötchenkrümel!

Man Leben!

Man Leben, so warst du doch nicht gedacht. Oder checke ich einfach nicht wie der Hase läuft? Eigentlich müsste ich doch froh sein. Ich habe ein Job, den ich abgöttisch liebe. Ich habe die vier wunderbarsten Kinder der Welt und ein tolles Haus in dem ich lebe. Alles stimmt! Mein Leben ist ein Paradies, besser als man es sich irgendwie vorstellen kann, es ist geradezu perfekt! Und ja, irgendwie ist es das auch. Manchmal. Aber manchmal eben auch nicht, da geraten diese wunderbaren Faktoren zu einer Spirale aus Stress und Anspannung.

Ich liebe meinen Job, wirklich! Ohne mit der Wimper zu zucken würde ich jederzeit auf 30 oder sogar 40 Stunden erhöhen. Ich genieße jede Stunde in dem verrückten Laden und mag unsagbar gern, was ich da tue. Das Problem bei der Sache? Meine vier wunderbare Kinder. Ab mittags arbeite ich gegen die Uhr. Ich muss pünktlich Feierabend machen damit ich pünktlich zu Hause bin. Oftmals schaffe ich es nicht ganz so gut, dann hasse ich mich selbst. Dabei ist das alles halb so Wild. Ich bin eine wunderbare Mutter, und eine noch viel wunderbarer wenn ich Zeit habe und mich nicht stressen muss. Wie großartig wäre ich, wenn ich nicht ständig den Haushalt und die Arbeit im Nacken hätte. Ich würde mit meinen Kindern backen, wir würden häkeln, basteln, Fahrradtouren machen und die Welt erkunden. Ich bin so unsagbar gerne mit ihnen zusammen und genieße jeden freien Moment. Nur leider kommen auch diese Momente viel zu kurz – Job und Haushalt…

Denn auch der, dass dieser dämliche und unsagbare Haushalt, fordert seine Zeit und meine Nerven. Alles halbwegs in Schuss zu halten, die Wäsche gewaschen, das Geschirr gespült, das Essen gekocht und den Kühlschrank gefüllt, erfordert doch schon einige Zeit. Zeit die ich nicht habe, weil ich ja eigentlich jede freie Sekunde mit meinen Kindern verbringen würde und so gern arbeiten gehe. Der Haushalt kotzt mich wirklich an! Schon morgens beginnt die Tretmühle mich zu quälen. Und nach der Arbeit beginnt dann der richtige Wettlauf gegen die Zeit. Kinder wieder einsammeln, Mittagessen für den großen kochen, Hausaufgaben, für Vokabeltests üben, Verabredung organisieren, Termine in der Schule wahrnehmen und all das prasselt auf mich ein und entzieht mir jede freie Sekunde. Ich renne und renne und renne und renne.

Einzeln betrachtet, bin ich in allem was ich so tue ganz gut. Ich mache meinen Job ganz gut, bin eine hervorragende Mutter und kannst voller Leidenschaft und Hingabe ein Haushalt führen. Ich mag es sauber und aufgeräumt und freue mich auch darüber wenn ich ganz in Ruhe putzen kann. Nur gestaltet sich die Sache eben ganz genau so, dass immer zwei Dinge auf der Strecke bleiben wenn ich eine vernünftig mache. Also mache ich alles nur halb, naja vielleicht auch nur ein Drittel. Das einzige was ich mit voller Hingabe mache ist unzufrieden sein. Ja, ich bin vollkommen angekotzt von dem Dreck hier zu Hause, der Unordnung, den Wäschebergen, den Fertiggerichten und der mangelnden Zeit, die ich mit meinen Kindern verbringe. Ebenso Genervt bin ich davon, dass ich viel zu wenig im Job schaffe und noch so viel vor hätte. Ich bin einfach nicht genug!

Lösung gibt es einige aber dennoch keine die mir wirklich gefällt. Ein Au-Pair wäre großartig, aber ohne Zimmer auch nicht so richtig gut. Auch eine Putzfrau kann ich mir nicht leisten und umsonst macht es mir dann doch keiner. Wenn ich im Job reduziere, bin ich noch unzufriedener und unser Geld reicht von vorne bis hinten nicht und die Zeit mit meinen Kindern ein zu knappen – das kommt wirklich nicht infrage! So bleibt mir nur eins: weiter zu rennen, bis einer der Faktoren sich von selbst erledigt. Traurigerweise werden das meine Kinder sein, die mich mit der Zeit immer weniger brauchen. Und dann beruhigt sich alles, dann glätten sich die Wogen. Na herrlich

Wimmelbild

Küche und Esszimmer bilden den Kern unseres Hauses, hier findet alles statt und so sieht es dort auch oft aus. Aktuell sitze ich im Chaos von zwei Tagen und kann mich nicht entscheiden, womit ich anfangen soll.

Das Regal im hinteren Teil des Esszimmers ist halb leer und halb durcheinander. Man hat massiv gepuzzelt in den vergangenen Tagen, es stapeln sich Kartons, die alles andere als Sortiert wieder eingeräumt wurden. Zwei Regalböden sind leer und geben den Staub von mehr als drei Tagen preis, ein anderes wird von etlichen „Was ist was“ Büchern dominiert, die ebenfalls nicht in Reih und Glied stehen sondern viel mehr belebt daliegen. Die Sparschweine der Kinder sehen alle im dritten Boden, auf dem Kopf. Aus einem gucken neugierige 20€. Lediglich das obere Brett ist sauber und ordentlich, das Bild meines verstorbenen Opas und eine Modell seines Bootes stehen dort und begutachten belustigt mein Durcheinander.

Die Matte vor der Tür ist voll von braunen Blättern, Sand und Katzenstreu, das die Tiere imposant über Nacht in einem Radius von gut 1,5 Metern verteilt haben. Dieser Bereich knirscht erstaunlich deutlich unter den Füßen. Ins besondere Barfuß kein Vergnügen. Die Türen des alten Buffetschrankes stehen offen, sein Innenleben fügt sich friedlich in den Rest des Raumes. Alles ist übereinander reingestopft und irgendwie. Bastelpapier, Altpapier und ein alter Brautschleier bilden dort eine eigenartige WG zusammen mit Tischdecken, Luftballons und einem Kohlensäurezylinder. Ich glaube sie verstehen sich. Auf dem Schrank wohnt eine angefressene Tafel Schokolade. Neben einem Ikea-Bambus, der seine besten Zeiten hinter sich hat, stehen außerdem diverse selbstgebastelten Kerzenhalter aus altern Marmeladengläsern. Ein paar Zettel, ein Kuli und eine kleine Kiste, in die immer alles hineingeworfen wird, vollenden das Bild. Der Schrank ist beklebt mit Kunstwerken der Hörnchen und Postkarten. Er ist alt und trägt sein Schicksal mit Würde.

Der Esstisch ist gut belegt. Kaffeeetassen, Saftbecher und Malsachen sind gleichmäßig verteilt. Lediglich um die große Lache Apfelsaft ist etwas Platz gelassen. Er ergießt sich ambitioniert am Tischbein herunter und sifft gleichmäßig auf dem Boden in Richtung der Glasplatte vom Ofen. Drei karierte Geschirrtücher liegen in und um die Pfütze. Etwas abseits der Lache, auf dem Tisch, steht ein Teller mit drei Pfannekuchen, ein weiterer Pfannekuchen liegt sorgfältig drappiert daneben. Eine To-do Liste und ein Einkaufszettel liegen neben dem Kuli und dem Block Post-Its, der irgehdwie bedrohlichnach mehr aussieht. In der Mitte des Tisches steht meine rote JBL Musikbox, die Rettende Insel.

Der Boden zwischen Buffetschrank und Esstisch ist krümelig. Das alte Parkett verbirgt Brotkrümel prinzipiell lange, heute sieht man sie jedoch deutlich. Zwei Wimmelbücher liegen in den Krümeln und bidlen, zusammen mit einigen Papierschnipseln und den schon genannten Puzzlekartons ein schönes Bild. Am Rand stehen zwei Pakete, die dringend mal jemand zur Post bringen müsste, daneben auf einem Stuhl unbeeindruckt die Katze. In einer Ecke liegt ein Lego-Duplo Geschoss, irgendwann mal effektvoll abgeschossen und dann dort vergessen. In einer anderen Ecke ein schrumpeliger, gelber Luftballon, den bestimmt noch jemand lieb hat. Mein Rucksack steht in der Tür, als wollte er schon mal vorgehen. Ich kann es ihm nicht verübeln.

Auf einem Stuhl sitze ich. Telefon in der Hand, tippe. Mein kalter Kaffee steht vor mir und gleich werde ich anfangen. Gleich.

Anekdötchen

Mutti will mal eben das Untergeschoss feudeln. Der Vorgang ist denkbar einfach und unkompliziert: Küchenstühle und Bad-Acessoires hoch stellen, saugen, wischen. Die Realität war mal wieder anders und irgehdwie dennoch liebenswert.

Alles hochzustellen hatte ich grad erledigt, da kam der erste und musste aufs Klo. Da ich immer Klobürste und Mülleimer auf den Klodeckel stelle, wanderte beides runter und gut. Ich stellte es wieder hoch, holte den Staubsauger und saugte. Bis auf das ich kurz den Sattel des Einrades runter stellen musste ging bis hierhin alles reibungslos. Ich räumte den Sauger weg, füllte den Putzeimer mit Wasser und holte den Mob raus. Zum Menne sagte ich: „Ich werde jetzt hier wischen, jede Wette, dass in drei Minuten alle kommen?!“. Und so legte ich los.

Nach drei Sekunden kam die Freundin von C-Hörnchen. Spielen. Einrad rein, C-Hörnchen und Freundin rauf, dann wieder runter und wieder raus. Ich wischte weiter.

Nach 18 Sekunden kam das D-Hörnchen des Weges und wollte nur kurz mal vorbei. Er stapfte an mir vorbei und ich wischte weiter.

Nach 50 Sekunden kam das A-Hörnchen runter und musste auf Klo. Er ging ins Bad, stellte Bürste und Eimer runter, machte und ging. Ich stellte beides wieder rauf und wischte weiter.

Nach 124 Sekunden kam das B-Hörnchen; musste auf Klo. Sie stellte Eimer und Bürste runter, machte das es stank und ging. Ich stellte beides wieder rauf, wischte final auch im stinkenden Bad und setzte mich triumphierend auf einen Stuhl in der Küche.

Exakt bei Sekunde 179 fragte das A-Hörnchen, ob er ein Lagerfeuer machen dürfe. Ich ertränkte ihn im Wischwasser.

Nichts und nichts

Da es am Abend etwas später geworden war und ich nicht zur Arbeit musste tat ich nichts. Es war herrlich. Am Mittag traf ich das A-Hörnchen beim Pizza-Laden. Er kam von der Schule und erkundigte sich, was ich gemacht hätte. Ich strahlte ihn an und erklärte, dass ich, nachdem ich das D-Hörnchen in den Kindergarten gebracht hatte, nichts getan hätte. Fernsehen, im Bett liegen, Baden – so meine Agenda.

Wir betraten das Haus und werden von der laufenden Waschmaschine empfangen. A-Hörnchen runzelt die Stirn und gibt zu bedenken, dass Wäsche waschen nicht „nichts“ wäre. Er geht weiter und kommentiert:“Du hast aufgeräumt und Staub gesaugt!“. Kleinlaut gebe ich zu, wenigstens das getan zu haben und beteure abermals, dass ich aber sonst nichts gemacht hatte. Bett, Glotze, Wanne – der Tag war mein Freund.

Drei Minuten später enttarnt A-Hörnchen, dass ich außerdem im Bad geputzt und die Spülmaschine ausgeräumt habe. Er schüttelt den Kopf und sagt:“ Mama! Dein Nichts ist irgendwie anders als anderes Nichts! Wenn man nichts machen will, dann muss man auch Nichts machen!“ Schuldbewusst gelobe ich Besserung und freue mich darüber, dass mein Kleiner so für mich sorgt.

Ein Tag für mich

Heute ist mein freier Tag. Zu allem Überfluss sind die Kinder bei Oma und der Menne arbeitet. Ich habe also viele viele Stunden nur für mich. Die Möglichkeiten sind endlos. Kaffee mit netten Menschen, ein Bad. Fernsehen mitten am Tag oder in Ruhe lesen. Herrlich!

Die Realität ist leider eine andere und hat mich schnell eingeholt. Da es mir seit Monaten nicht gelingt eine zuverlässige Putzhilfe zu engagieren, sieht die Welt in etwa so aus: Samstag und Sonntag ist Familie und wir machen halt was man so macht. Montag bis Donnerstag arbeite ich; zu viel wenn man es realistisch betrachtet und Freitags genieße ich meinen freien Tag – gemeinsam mit meiner Waschmaschine, dem Staubsauger und allerlei Putzitensiel. Es ist zum kotzen!

Eine Hilfe zu bekommen habe ich mehrfach versucht. Ich wäre durchaus bereit eine Haushaltshilfe anzustellen. Da eine Schwarzanstellung für mich nicht in Frage kommt, suchte ich nach 450€ Kräften, die sich über die Minijobs Zentrale anmelden lassen würden. No way, trotz guter Bezahlung und netten Arbeitsumfeld ist da nichts zu machen. Auch den Schritt über eine Agentur habe ich versucht. No way, wenn alle ihre Provisionen bekommen haben, ist der Spaß definitiv zu teuer. Also putze ich weiter; schlecht gelaunt und wirklich unzufrieden.

Das letzte Loch

Wisst ihr was wirklich stressig ist? Wenn man um eins erfährt, dass der Dachdecker um drei kommt. Der Dachdecker, der an den Balkon am Schlafzimmer muss. Denn dann steht man mit unter so im Schlafzimmer und es fällt einem auf, dass man zwar die Betten der Kinder regelmäßig bezieht, das eigene aber ein wenig vernachlässigt. Dann fällt einem auf, dass man zwar in Bad und Küche auch dringlich in den Ecken saugt und wischt, das Schlafzimmer aber allenfalls im Vorbeigehen mal. Auch das Staubwischen, das im Wohnzimmer und den Kinderzimmern regelmäßig gemacht wird, hat mein Schlafzimmer länger nicht erlebt. Dafür beherbergte es noch die Arzeimittelreste der letzten dreizehn Infekte, hunderte Haargummies, einzelne Ohrringe und all das, was ich in den Hosentaschen unserer Hisen so finde. 

Denn das einzig geordnet und gepflegte in meinem Schlafzimmer ist das Dreckwäschesystem. Die wird dort emsig nach 60 und 30 Grad getrennt, nach blau, rot, schwarz und hell und natürlich nach Wolle. Kurz um, würde ich mich um alles in diesem gottverlassenem Loch so gut kümmern wie um die dreckige Wäsche, würden der Menne und ich nicht die einzig zweisame Zeit eines jeden Tages im dreckigsten, chaotischsten und hässlichsten Raum des Hauses verbringen. 

Ich bin mir sicher, dass fast jeder Haushalt diese Ecken hat, diese schlimmen Zimmer. Wieso aber verwandle ich mein eigenes Zimmer in diese No-Go-Area? Ich sollte es mir wert sein ein schönes Zimmer zu haben! Und deshalb werde ich in Zukunft versuchen endlich auch beim putzen mal an mich selbst zu denken. Den Kindern ist es genau genommen schei** egal ob es bei ihnen sauber ist. Also, einmal weniger bei denen und vier mal mehr bei mir. Klingt nach nem Plan!