One world

In einem Gespräch mit den großen Hörnchen ging es um sogenannte Ausländer und deren Rolle in Deutschland. Wir sprachen über den Seehofer’schen Heimatbegriff und die damit verbundenen Themen von Freiheit und all sowas. Irgendwann schlug das A-Hörnchen vor, einfach „ein Land zu machen, in dem alle Ausländer sind“. Ich war entsetzt und zweifelte an meiner Erziehung. Das A-Hörnchen wiederum verstand gar nicht, worüber ich so entsetzt war. Er sah mich fragend an und erläuterte dann:

„Wenn es einfach alles ein Land wäre, ohne Grenzen und ohne eigene Politik, wenn alle überall hingehören würden, dann wäre es doch ein Land. Dann wäre alles eine Welt und keiner wäre falsch.“

Mein kluges Kind, wie recht du hast! Normen sind es, die Menschen in die Andersartigkeit zwingen. Grenzen und Besitz sind es, die Krieg und Vertreibung erst möglich machen. Gier und Ungerechtigkeit sind es, die Hunger und Not wachsen lassen, und es dem Großteil der Weltbevölkerung nicht möglich machen, sicher und zufrieden zu leben. Wenn der Mensch aufhören würde sich über Besitz und Macht zu definieren, wenn Menschlichkeit, ein großes Herz und die Bereitschaft zu teilen Attribute wären, die für die Mächtigen erstrebenswert sind, dann wäre allen geholfen. Und dann hätten wir ein großes Land, in dem wir alle Ausländer sind – oder eben auch nicht.

Heimat im Herzen

In Deutschland gibt es wieder einen Heimatminister. Für mich das das so erschreckend wie unnötig. Heimat, alles was ich mit diesem Begriff assoziiere hat nichts mit Politik oder dem Land zu tun, in dem ich lebe. Heimat ist nichts, das durch eine übergeordnete Stelle kultiviert oder definiert werden kann. Ebenso ist die Heimat nicht normierbar. Sie hat nichts mit Nationalität oder Landesgrenze zu tun, benötigt keine Einschränkung von Außen.

Der Versuch die Heimat eines Volkes durch einen Minister zu definieren ist absurd. Die Welt ist in Bewegung, in den Köpfen vieler Menschen verschwimmen Grenzen zunehmend. Wir sind mobil, vernetzt und flexibel. Der ewig gestrige, der durch einen staubigen Heimatbegriff an Haus und Hof gekettet wird, ist ein Auslaufmodell. Der Begriff „Heimat“ und die damit verbundenen Assoziationen der Politik bedienen einzig und allein die jenigen, die von unserem vielfältigen, aktiven Leben abgeschreckt sind und vor lauter Angst und Schrecken nur noch den Hass als Ventil haben.

Heimat; das was ich als Heimat habe, das trage ich im Herzen. Das braucht keinen Minister und keine Partei. Meine Heimat ist das Gebüsch vor dem Haus, die Sandkiste im Garten und der Geruch, wenn ich mittags von der Schule komme. Heimat hat jeder, die braucht keinen Staat. Wie wäre es denn mit einem Ministerium für Freiheit? An der fehlt es wirklich!

Auswandererhaus 

Vor etwa 2,5 Jahren war ich mit dem A-Hörnchen im Auswandererhaus in Bremerhaven. Der Tag entpuppte sich als Katastrophe. A-Hörnchen bekam in der sehr realistisch aufgemachten Ausstellung eine Riesen Panik und wir haben das Gebäude nach weniger als 20 Minuten wieder verlassen. 

Für die, die es nicht kennen, das Deutsche Auswandererhaus in Bremerhaven ist ein Museum, eine  Ausstellung, die sich sehr modern und anschaulich mit dem Thema Auswanderung beschäftigt. Der Schwerpunkt liegt sehr deutlich auf der großen Auswanderungdwelle um 1850-1900. Anhand von Einzelschicksalen werden Beweggründe, Überfahrt, Lebensumstände etc. dargestellt. 

Damals hat die Realität das A-Hörnchen überrollt. Er war entsetzt von all dem Elend und den Traurigen Geschichten. Viel zu viel nachgedacht hat er, bis heute. Mit der aktuellen Flüchtlingsproblematik rückte auch das Auswandererhaus wieder in den Fokus des A-Hörnchens. Und heute haben wir es ein zweites mal gewagt. Dieses Mal war es super. Hochinteressiert hat er jedes Detail aufgesogen und inhaliert. Doch beschäftigen wird ihn das gestehende noch lange, denn sein  Kopf wird nicht ruhen bevor er verstanden hat, was Menschen dazu bewegt ihre Heimat für immer zu verlassen; damals wie heute.