13 Tage und viereinhalb Stunden

Vor 13 Tagen bekam A-Hörnchen zum Geburtstag den ersehnten Lego Star Wars Millenium Falken. Am selben Tag begann er (logischer weise) mit einem Kumpel das Pachtstück aufzubauen. Nich bevor wir etwas kluges dazu sagen konnten hatten sie losgelegt. Was folgte war eine Aneinanderreihung von Fehlerchen, die am Ende dazu führen, dass es …. Nicht klappte. 

In Schritt eins kippten sie alle acht vorsortierten Tütchen auf einen Haufen. In Schritt zwei durchwühlten sie den Haufen aus mehreren Tausen Steinen, auf der Suche nach den Figuren. Schritt drei war es festzustellen, dass etliche Teile unter Sofa und Regal gerutscht waren und diese zu bergen. In Schritt vier begann der Kumpel das Bollwerk zusammenzubauen. 

Ohne jeden Erfolg wie sich zeigte. Er hat die Bodenplatte spiegelverkehrt und unsorgfältig zusammengebaut. Dadurch waren alle darauf folgenden 84 Schritte falsch und spiegelverkehrt. Alles was wir heute für A-Hörnchen tun konnten, war das Ding abzureißen und es in mühsamer Kleinarbeit wieder aufzubauen. 4,5 Stunden mit drei Personen hat es gedauert. Der Wahnsinn! Aber nun ist er fertig. 

Warum machen Sie denn sowas

Ich saß gestern Abend in der Straßenbahn. Draußen regnete es junge Hunde und ein Mann stieg mit seinem Fahrrad ein. Der Reifen war platt und nass, der Mann auch. Ächzend bugsierte er das tonnenschwere Rad an einen der raren Stellplätze und fummelte mit seinen klammen Händen Kleingeld aus der Jackentasche. Er stellte fest, dass der nächste Fahrkartenautomat einige Meter entfernt war, was ich gut daran erkennen konnte, dass er mit Kleingeld und Fahrrad in der Hand dort stand um hilflos um sich schaute. Ich stand auf und fragte, ob ich kurz sein Rad halten sollte. Der Mann bedankte sich und zog los, sich eine Fahrkarte zu kaufen.

Ich stand da also, hielt das Riesenrad am Lenker und hatte so meine mittlerer Mühe das wirklich große Herrenfahrrad in der fahrenden Bahn zu halten. Egal, für die drei Minuten wird es gehen. Am Heck des Rades sass eine ältere Dame, die sichtlich Bedenken hegte, das böse (erstaunlich saubere) Fahrrad könnte ihre Jacke berühren. Übertrieben rückte sie immer weiter ab und verzog ein Gesicht als hätte sie im Regen einen Platten gehabt. Dann sah sie mich pikiert an und sagte:„Warum machen Sie denn sowas?“ Wiedereinmal stand ich sprachlos in der Bahn. Ich habe faktisch fast nichts getan. ich habe ein lächerliches Fahrrad festgehalten, wenige Minuten lang. Ich habe mich nicht angestrengt, kein Geld ausgegeben, mich nicht in Gefahr gebracht oder sonst irgend ein Opfer gebracht. Ich habe ein Fahrrad festgehalten. Man man. Ich blickte die Dame fragend an und sagte:“ Damit der Herr sich eine Fahrkarte kaufen kann.“ In diesem Moment kam der nasse Mann zurück. Er bedankte sich noch einmal, nahm sein Rad. Ich setzte mich wieder und die Frau schüttelte fragend den Kopf.

Anne Frank

‚Das Tagebuch der Anne Frank‘ läuft im Kino. Und als ich grad die Vorschau sah stellte ich fest, dass das Thema so brisant wie lange nicht mehr ist. Guter grausamer Zeitpunkt. 

Anne Frank, das war damals das erste Buch, dass ich zum Thema gelesen habe; nein, ich habe es verschlungen. Seit diesem Buch lese ich Jahr für Jahr immer mehr Bücher, Zeitzeugenberichte, Studien, Analysen und alles was es sonst gibt. In vielen Werken habe ich tief in die Abgründe des menschlichen Handels und Denkens geschaut, voller Entsetzen konnte ich nächtelang nicht schlafen. Ich habe versucht zu verstehen, habe strategisches Vorgehen und Beweggründe studiert, habe mich, nicht zuletzt im Studium, mit  menschlichem Denken, Fühlen und Handeln beschäftigt. Und doch stelle ich fest, weiß ich heute nicht, wie man es verhindert, dass sich wieder Menschen verstecken müssen, sie verfolgt und getötet werden. Es ist so bedrohlich und macht gleichzeitig so hilflos. 

Und während ich früher nicht gezögert hätte mich selbst in Gefahr zu bringen, bin ich heute ‚viele’und handle nicht mehr nur auf meine Rechnung. Aber kann man andererseits als Mutter zusehen, wie andere ihr Wertvollstes verlieren? Ich möchte es nicht erleben 

Da kann man sich nur fürchten!

Langsam bekomme ich Angst. Ich sehe brennende Flüchtlingsheime, ich sehe Menschenrechte, die mit Füßen getreten und mit brauner Kacke beschmiert werden. Ich lese von Zuständen, die mich erschaudern lassen. Ich verstehe das alles, es passiert hier. In dem Land in dem ich lebe, und von dem ich hoffte, es hätte seine Lektion gelernt.

Hat es aber nicht. Nicht jeder. Und bestimmte Mechanismen in Köpfen lassen sich nunmal leider nicht ausschalten. ein Graus. Fremd führt zu Furcht, Furcht führt zu Hass und Hass führt zu unsäglichem Leid. Und der Kreis lässt sich nicht unterbrechen. Will man denen, die hassen, die Angst nehmen, argumentieren sie ihrer eigenen Furcht in die Tasche. Und die rationale Tatsache, dass Menschen auf der Flucht vor dem Tod in unserem Land lediglich Schutz suchen, führt zu der vollkommen unrationellen Angst davor, dass hilfesuchende Menschen Frauen, Jobs und Häuser klauen. Dabei ist alles was gesucht wird HILFE, und die können wir geben ohne dabei etwas zu verlieren.

Und doch stehen sich weiter alle im Weg. Während arabisch sprachige Fachleute im Lager sitzen und sich langweilen, kann das Amt nicht arbeiten, weil ihnen der Dolmetscher fehlt. Aber die Bürokratie steht über allem und ist einzuhalten. Wer nicht erlaubt ist, der darf nicht helfen. Und wem nicht geholfen wird, der kann nicht dafür sogen, dass anderen geholfen werden kann. Und so schüren wir weiter lieber die Angst vor den vielen tatenlosen, schwarzhaarigen Männern, die ja nichts tun haben als zu warten. Würden sie ja gern, aber das Amt. Muss ja alles seine Ordnung haben..

Armes Land. Armes Europa. So viele Chancen, so wenig Sinn. Da kann man sich nur fürchten.

Dienst an der Tonne

Meine Hörnchen haben im Haushalt bestimmte Aufgaben zu erledigen. Eine sogar eher beliebte Aufgabe ist der Mülldienst. 

Heute stritten sich B- und C-Hörnchen um den Dienst an der Tonne und so beschloss ich, dass einfach beide etwas zu tun bekommen sollten. So gab ich B-Hörnchen den gut gefüllten Bio-Mülltopf (Kaffeesatz, ein paar gekochte Kartoffeln von vor drei Tagen, drei Löffel Milchreis von gestern, Apfelschalen,…) und C-Hörnchen einen Eimer mit Plastik-Müll (deutlich weniger sensible Ware). Abermals gab es Streit, beide wollten UNBEDINGT den Abfall des anderen. 

Letztlich lief das C-Hörnchen mit dem viel zu schweren Bio-Topf los,  wärend B-Hörnchen sich ihres Abfalles schon entledigt hatte. Nicht ohne meine mahnenden Worte, denn ich habe als Kind ein Mal den Bioeimer fallen lassen… Draußen angekommen bat C-Hörnchen, was ich sehr klug fand, ihre große Schwester um Hilfe beim öffnen der Mülltonne. B-Hörnchen grinste jedoch lediglich breit und verweigerte. So kam es dazu, dass ich lediglich noch mitansehen konnte, wie das oben geschriebene Gemisch aus etwa einem Meter Höhe auf den Boden in meinen Vorgarten

k-l-a-t-s-c-h-t-e. 

Und plötzlich waren sich meine Töchterchen sehr einig: Tränen an und nichts wie weg. 

Zur Beseitigung des Igittigitts möchte ich nur sagen, dass es nicht wiederholenswert aber machbar war. Danke für eure Hilfe Hörnchen!!  

Der Unterschied zwischen spenden und ausmisten 

Seit kurzem engagiere ich mich ein Bisschen in der Flüchtlingshilfe. Gemeinsam mit einer Freudnin versuche ich eine Kleiderkammer für Kinderklamotten aufzubauen.  

Heute war ich vor Ort um die eingegangenen Spenden zu sortieren und in Regale zu räumen. So der Plan. Was ich vorfand, zog mir fast den Boden unter den Füßen weg. 

   

 
Jetzt möchte man ja gern motzen und meckern, wie die Flüchtlinge mit ihren Spenden umgehen. Tatsächlich ist das einzige, über das man aber motzen kann darüber, was wir reichen, wohlhabenden Menschen alles „spenden“. 

In Kürze zusammengefasst: nach zwei Stunden war der Raum soweit sortiert, dass alles brauchbare von dem Müll getrennt war. Das Ergebnis: 24 Müllsäcke voller Müll und das hier:  

Alles bis auf diesen jämmerlichen Haufen war Schrott. Müll. Kaputt. Ich habe in diesem Haufen Babybodys gefunden, an denen Kotreste klebten. Alte Gardinen, zerrissene Bettlaken oder einzelne Schuhe. Gummistiefel mit Löchern oder fleckige Slips. Es ist unfassbar und beschämend, was man hier als gut gemeinte Spende abgibt. Zwischen „spenden“ und „ausmisten“ sollte überdeutlich unterschieden werden. Sowas hilft niemandem. 

Rausschmeißen ohne Wegschmeißen

In den letzten Tagen habe ich viel bewegt. Ein Heizkörper, ein Waschbecken, einen Spiegel, mehrere Schränke sowie kistenweise Klamotten und ein Baby Bett. 
All diese Dinge waren im Weg. Sie mussten weg, waren über und wurden definitiv nicht mehr gebraucht. Mein erster Impuls war es, das allermeiste davon einfach weg zu schmeißen, vor die Tür zu stellen oder dem Müllcontainer der anrückenden Handwerker zu überlassen. Im zweiten Denk-Durchgang habe ich mich dann dazu entschlossen, das ganze Zeug einfach andern Menschen anzubieten; mit großem Erfolg.
In weniger als 24 Stunden wurden einige 100 kg Kram aus unserem Hause abgeholt und haben andere Menschen sehr glücklich gemacht. Zudem ist, eine große Menge einfach nur nicht mehr passender Klamotten, an die Flüchtlingshilfe gegangen, was mich innerlich zufrieden macht.
Ich bin selber jedes Mal erstaunt, wie viel glücklicher es mich macht, wenn ich teile, anstatt stumpf zu horten und zu entsorgen. Diese Welt Hat so viel Potenzial. Warum denn nicht einfach alle etwas zusammenrücken und nutzen was da ist?

Besonders gut weggepackt

Meine Hörnchen haben seit vielen Jahren unsere geliebten, grünen Kuscheljacken. Bei diesen Exemplaren handelt es sich um klassische Fließjacken mit ungeheuerlich kuscheligen Kapuzen, welche die Hörnchen fast das ganze Jahr über gut tragen konnten. Anfangs trugen A-und B-Hörnchen die Jacken im Partnerlook, dann B- und C- Hörnchen und in diesem Jahr während C- und D-Hörnchen an der Reihe.Letzten Herbst war, in der größeren der beiden Jacken, der Reißverschluss kaputt gegangen. Oma erklärte sich bereit, diesen zu erneuern, und überreichte uns die Jacken nach wenigen Tagen generalüberholt zurück. Ich erinnere mich noch ganz genau daran, wie ich beschloss, die Jacken bis zum Herbst zur Seite zu legen, um sie dann, wenn es kühler werden würde, wieder täglich nutzen zu können.
Nun ist Herbst! Jeden Tag wird es kühler, jeden Tag wird es ungemütlicher. Und die Jacken? Ja! Die habe ich ganz besonders gut weggelegt. Dorthin, wo sie nicht wegkommen. Dorthin, wo kein Hörnchen sie beim Spielen finden würde, um sie dann zu verseibeln. Dorthin…
… wo ich sie jetzt auch nicht wieder finden kann!
Ich brauche eure Hilfe!! Wo liegt man so etwas hin? Wo ist dieses ‚besonders gut‘? Das kann doch alles nicht angehen!

Flucht und Hilfe

Auch unsere Stadt nimmt zur Zeit Flüchtlinge auf und auch in unserer Stadt fehlt es an allen Ecken und Enden. Überall werden Dinge gebraucht und so haben wir heute unseren zweiten Ferientag dem Thema Flucht und Hilfe gewidmet. 

Ich habe versucht den Kindern zu erklären, was Flucht ist (jedem in seinen Möhlichkeiten). Jeder hat etwas aus seinem Fundus ausgesucht, was er verschenken möchte. Anschließend waren wir shoppen in der Drogerie; Schampoo, Zahnbürste, Seife etc. Es fiel den Hörnchen nicht schwer zu erraten, was man braucht wenn man nichts hat. Nun werden Pakete gepackt und dann ausgeliefert. 

Schöner Tag, gutes Projekt.