Hotelsachen

Eine Nacht in Amsterdam mit dem A-Hörnchen. Ich buchte ein Hotel, es sollte die erste Nacht des Hörnchens im Hotel werden. Ich las Bewertungen und suchte sorgsam aus. Schließlich sollte es etwas besonderes werden. Das wurde es ..

Die Gegend, in der das Hotel lag war .. interessant. Plattenbau und vielfältige Gastronomie; genau betrachtet hätte ich dort im Dunkeln nicht umhergehen wollen, es war echt spooky! Vor dem Eingang des Hotels eine riesen Baustelle, die Straße wird erneut; na gut! In der Lobby angekommen dominiert zunächst Staub das Bild. Erst auf den zweiten Blick realisiere ich, dass auch das Hotel offenbar eine Baustelle ist.

Wir checken ein und beziehen das Zimmer. Ein Vierbettzimmer wartet auf uns, gebucht war das nicht. Es riecht penetrant nach Mensch. Schwitzender Mann mit Rasierwasser liegt in der Luft, durchzogen von kaltem Zigarettenrauch. Die weiß bezogenen Betten sind dreckig, auch der Rest des Zimmers ist nicht sauber. Die Strassenbaustelle hämmert gnadenlos.

Ich reklamiere. Wir bekommen ein Zweibettzimmer zur anderen Seite. Die Baustelle ist hier leiser, lediglich die internen Renovierungsarbeiten sind zu hören. Das Zimmer riecht nicht so extrem und ist.. etwas sauberer. Die Betten haben Flecken, in der Gardine kleben undefinierbare Essensreste. Alles ist eben etwas schlecht gepflegt. Das A-Hörnchen ist dennoch begeistert und so beschließe ich, es gut sein zu lassen; um ihm das Erlebnis nicht zu nehmen. Am Morgen, als wir um 7.00 Uhr von intern ratternden Bohrmaschinen geweckt werden, ist alles überzogen von feinem Baustaub. Die Atemwege brennen, nach einer Dusche ist es etwas besser.

Beim Frühstück angekommen traf micht fast der Schlag. Der miefige Kellerraum offenbarte uns das liebloseste Buffet aller Zeiten und ich lasse an dieser Stelle Bilder sprechen…

Nein, es hat nicht geschmeckt und nein, es war nicht ganz ok. Es war wirklich furchtbar. Ich bin nicht kleinlich, brauche keinen Luxus. Ich brauche nicht viel und habe geringe Ansprüche. Wenig Auswahl am Buffet, egal. Einfache Einrichtung, ist mir Wurscht. Auch mit Camping oder einer Nacht im Auto kann ich leben. Aber derart verdreckt und ungepflegt, wie es da war..

Mir tut es in der Seele weh, dass dieser Reinfall die erste Hotel-Erfahrung meines Hörnchens sein musste. Denn spätestens beim Frühstück hatte auch er bemerkt, dass das alles nicht ganz ok ist. Natürlich haben ich den Preis gedrückt, 10% waren drin. Die doofe Erfahrung und die wenig erholsamen Stunden machen die ersparten 9,50€ nicht wieder gut.

Amsterdam

Vor etwa drei Monaten bat das A-Hörnchen darum, das Anne Frank Haus in Amsterdam besuchen zu dürfen. Ich gab ihm zu verstehen, dass er zunächst das Buch lesen solle. Wir würden uns gemeinsam in die Thematik einarbeiten und dann sei das kein Problem. Da mein Sohn nicht liest, niemals nicht, datierte ich die Reise in etwa auf Sommer 2026.

Drei Tage später hatte er das Hörnchen das Hörbuch durch; der Fuchs.

Heute war der große Tag. Wir brauchen in aller Frühe mit dem Zug nach Amsterdam auf; mit den Zügen um genau zu sein, denn wir stiegen fünf mal um. Keine Probleme, alles rollt. In Amsterdam beschlossen wir die traditionelle Form der Fortbewegung zu wählen und mieteten Fahrräder.

Fahrrad in Amsterdam hat es in sich. Eine wahre Freude sind die gut ausgebauten Radwege. Überall gibt es Fahrrad-Autobahnen, fast überall haben Radfahrer Vorrang, so dass man fix voran kommt. Weniger leicht hatten wir es mit dem enormen Verkehrsaufkommen. Massen an Radfahrern, Motorroller auf den Radwegen und eine Geschwindigkeit, die wir auf den Mieträdern kaum halten konnten. Die ins Gesamt 15 zurückgelegten Kilometer waren in Auszügen extrem stressig, in andern aber auch sehr schön.

Durchgängig stressig war die Orientierung. Ich bin eh schlecht orientiert. In einer fremden Grossstadt, dominiert von Radrennen und durchzogen von Grachten, war ich nahezu aufgeschmissen. Es kostete mich alle Konzentration und endete dennoch immer wieder im Chaos. Am Ende rettete es, wie so oft, das A-Hörnchen. Er fand uns den Weg.

Natürlich besuchten wir auch das Anne-Frank- Haus. Das A-Hörnchen war gut vorbereitet, dennoch war der Besuch beeindruckend. Das Museum ist gradezu überlaufen. Glücklicherweise werden nie zu viele Menschen auf ein Mal hineingelassen, so dass man an allen Stationen gut sehen und in Ruhe dem Audio-Guide lauschen kann. Der Weg durch das Versteck ist beklemmend und unwirklich zugleich. Man bekommt einen Eindruck von dem, was Anne und die anderen dort erlebt haben müssen. Mehr als eine wage Vorstellung hingegen kann man sich kaum machen. Jahrelang in Angst zu leben, tagsüber keinen Muks zu machen und auf engstem Raum mit acht Menschen zu leben, abhängig von der Hilfe anderer. Unvorstellbar, zum Glück.

Die Nacht verbringen wir im Hotel; gradezu dekadent selbstbestimmt. Was führen wir ein gutes, freies Leben, so die Essenz des Tages.

In fremden Betten

Wo anders zu schlafen, und dabei ist es fast egal ob es bei Freunden, im Hotel oder in einem Ferienhaus ist, ist für mich immer ein kleiner Akt der Überwindung. Das A&O ist es, die Matratze nicht zu sehen. Muss ich im Ferienhaus das Laken selber aufziehen, hoffe und bete ich sehr darum, keine ekelhaften Dinge zu finden (ekelhaft bedeutet in diesem Falle: Spuren menschlichen Lebens; aller Art!) Alles in einem versuche ich diesen Schritt im Blindflug vorzunehmen, um eben nichts Schlimmes zu sehen. Unter die Betten gucken oder ähnliches ist Tabu; viel zu gefährlich.

In der ersten Nacht im fremden Bett beginnt mein Kopf dann einen vertrauten und immer wieder verstörenden Film abzuspielen. Wer lag hier schon alles, was ist hier schon alles passiert. Wer hat wie stark geschwitzt, wer vielleicht gepisst, wieviele Kinder gezeugt und … es ist furchtbar! Auch Decke und Kopfkissen versuche ich nach Kräften nicht zu berühren, wer weiß was da alles drin ist. Außerdem habe ich immer ein heimisches Kuschelkissen dabei, auf dem mein Kopf sicher liegen kann; ohne Feind Kontakt.

Auch den Fußboden finde ich in den ersten Tagen ekelhaft, mag ihn nicht barfuß betreten. Nach einigen Tagen gibt sich das dann; alles böse ist dann abgelaufen. Der Tick mit den Betten bleibt, zumindest aber ist es mir noch nie gelungen lange genug in einem fremden Bett zu bleiben um mich wohl zu fühlen. Und so ist jeder Urlaub von der latenten und dann stetig größer werdenden Freude auf mein eigenes Bett begleitet.

Ob das nicht krankhaft ist? Ich glaube nicht; zumindest aber nicht wesentlich. Ein Verhalten beginnt immer dann pathologisch zu werden, wenn es einen im Leben einschränkt und einem Lebensqualität entzieht. Diese Definition ist vollkommen klar und tückisch zu gleich. Denn der Mensch kann kaum etwas so gut, wie sich sein eigenes Verhalten schön zu reden. Alles gut also, ich bin nicht verrückt. Es stört mich schließlich gar nicht! Der Fachausdruck für meinen Tick wäre übrigens Mysophobie – die krankhafte Angst vor Viren, Keimen und Übertragungen aller Art und das damit verbundene Vermeidungsverhalten – aber ich hab das ja gar nicht.

Kinder verboten!!

In immer mehr Hotels sind Kinder verboten. Die Betreiber ernten Hass und Kritik, aber auch viel Lob. Meine Meinung zu diesem Thema ist glasklar!

Mal angenommen, rein hypothetisch natürlich, mein Menne und ich würden ein Wochende wegfahren, allein. Dann würde ich keine Sekunde zögern, in ein Hotel zu fahren, in dem Kinder verboten sind. Ich halte es für vollkommen legitim und nicht diskriminierend, wenn auch diese Sparte bedient wird. Weiter bin ich der sicheren Meinung, dass Angebot und Nachfrage es regeln werden, dass es auch weiterhin genügend Hotels gibt, in denen Kinder willkommen sind. Die Bedürfnisse sind unterschiedlich und der Manager mit Lappi unter dem Arm will nunmal einfach seine Ruhe. Die Familie mit Kindern will die vielleicht auch, machen wir uns aber nichts vor – sie wird sie kaum herstellen können. Vor allem in einem öden, nicht auf Kinder ausgerichteten Hotel.

Denn das ist ja die andere Seite der Medaille. Wäre es aus Gründen der Diskriminierung verboten Kinder auszuschießen, würden Hotels, in denen Kinder eher unerwünscht sind, sich ja trotzdem nicht weiter auf Kinder spezialisieren. Verirrt sich doch eine Familie in den Manager-Schuppen, wird sie bitter enttäuscht sein keine Spielecke, keinen Wickeltisch und keinen Hochstuhl vorzufinden. Mit viel Kraft und Nerven wird sie versuchen ihre Kinder in diesem langweiligen Ambiente ruhig zu halten und es dadurch erst recht nicht schaffen.

Die Antidiskriminierungsstelle regt an, die Familien aufzunehmen und erst in dem Moment des Hauses zu verweisen, wenn es nachweislich so ist, dass die Kinder den Manager stören. Man stelle sich also vor, in Raum A ist Familie Hinz mit ihren Kindern von 1 und 3 Jahren, und in Raum B ist Manager Kunz. Es ist halb sieben am Abend, Kunz will noch schnell skypen und wichtige Dinge besprechen, während Familie  Hinz versucht die Kinder zu Bett zu bringen. Ein Kind schreit, das andere springt im Doppelbett. Es will Fernsehen und Cola aus der Minibar. Mutter sagt 100x „seit ruhig, hier darf man das nicht“, irgendwann platzt Vater der Kragen und er wird laut. Kunz kann so nicht arbeiten und beschwert sich an der Rezeption. Um 19.00 Uhr fliegt Familie Hinz aus dem Hotel. Mit zwei müden Kindern, einem bellendem Vater und einer weinenden Mutter.

Ich weiß nicht was gegen kinderfreie Hotels und Kinderhotels spricht. Aber ich mag auch Raucherkneipen!!

Besenrein 

Nach drei Tagen in der Jugendherberge habe ich grad wieder ein Zinmer besenrein hinterlassen. 

Jedes Mal, wenn ich ein Zimmer oder ein Haus besenrein mache, frage ich mich die selben Fragen: 

Wie rein ist denn eigentlich besenrein? Heißt das: So sauber, dass man danach sofort wischen kann? Das macht doch keiner! 

 Oder heißt das: So sauber, dass der Nachmieter sofort einziehen kann, und wir nix mehr machen müssen? Dann hoffe ich jedes Mal, dass der Vormieter ein besseres Verständnis von ‚besenrein‘ hat als ich. 

Oder heißt das: Ein mal schnell mit dem Besen durch? 

Ich kann mich letztlich nie zu mehr durchringen, als die große Fläche und so ein bisschen drum rum zu fegen. Weil alles andere wäre doch Endreinigung. Und da bekomme ich dann nen Knoten im Kopf. Wenn doch eh alle schlampig fegen, weil es ja nur besenrein sein soll, warum macht man den Scheiss dann nicht gleich vernünftig ?

Duden sagt: „mit dem Besen grob gereinigt“. Und ich sage: Dann ist es nicht sauber und nicht dreckig und ich kapier es immernoch nicht. Aber vielleicht bin ich zu doof für besenrein. Ich bin eher für ‚Vileda-sauber‘.