Anarchie? 

Ich habe überlebt. Ein Nachmittag im Indoorspielplatz, demokratisch herbei geführt. Demokratisch entschieden von einer Familie, in der auf das Wohl des einzelnen geachtet wird. In einer heilen Welt. 

Als wir ankamen war der Parkplatz voll. Brechend voll, elend. Wir schafften es unser Schiff zu parken und dann ging es auf ins Vergnügen. Hunderte Menschen in einer alten Tennishalle. Spielgeräte, Fahrzeuge, tosende Gebläse um diverse Gummieattraktionen am Leben zu halten. Hunderte Menschen, die meisten unter sechs Jahre. „Eltern haften für ihre Kinder“ und „bitte nicht ohne Socken“, so das Regelwerk. Ich befand mich in einer gelebten Anarchie. Im Kletterturm Kinder mit Socken, ohne Hose aber mit überquellender Windel. Essensreste, Fäkalien und erbrochene Pommes zieren den Weg. Die Eltern blind. Überall Kolonnen von Dreirädern mit Anhängern und Bobby Cars, hohes Tempo ohne Rücksicht auf Verluste. Wer die Füße nicht rechtzeitig weg bekommt, bekommt blaue Zehen. Gratis. Erwachsene schlagen sich um Stühle, Sitzplätze und das beste Auto für das brüllende Balg. Anarchie? 

Keineswegs. Die Hölle muss es gewesen sein. Denn weder Leo Tolstoi noch Michail Bakunin hatten eine Gesellschaft vor Augen, in der es alle gegen alle herrscht, in der einen Schei** auf das Wohl des anderen gesetzt wird. Eine grausame Atosphäre, in die wir uns mit viel Mühe einen Nachmittag lang einfügen könnten. Einen anstrengenden Nachmittag lang, der uns irgendwie auch zum Arsch auf Zeit machte. Denn letztlich bewache auch ich das BobbyCar vom D-Hörnchen. Denn wenn alle ätzen, ist es am Ende nicht klug nett zu sein. Traurige Welt. 

Sauber argumentiert. 

Eine Fahrradtour war für heute geplant. Dumm wie sich schnell rausstellte. Regen, Wind und Kälte machen es ungemütlich und bah!! Die Hörnchen wussten beim Mittagessen Rat: Wir gehen in einen Indoorspielplatz! Vier Hörnchen jubelten allein bei der Vorstellung, uns erwachsenen schauderte es mächtig! So fiel auch unsere erste Reaktion aus:“Nee! Auf keinen Fall!“ Sofort hatten wir zahlreiche Argumente gegen diese Indoor-Höllen parat und setzten diese den versammelten Hörnchen vor. 

Die Hörnchen brauchten etwas unter einer Sekunde um sich zu einer festen Wand zusammenzuraufen. Und so saßen sie dann da und entkräfteten alle unsere tollen Argumente. „An die Lautstärke gewöhnt man sich, wir geben für andere Sachen viel mehr Geld aus, wir gehen da fast nie hin, das D-Hörnchen kann mit uns großen spielen und außerdem sagt ihr im Sommer immer, dass das Wetter zu gut ist für den Indoorspielplatz. Jetzt ist das Wetter zu schlecht zum raus gehen.“ 

Das hat gesessen. Nach dem Mittag zogen die Hörnchen sich zum Kinderkonferenz zurück, und wir uns zum Elterngespräch. Die Sache war schnell klar, was soll man dagegen schon sagen. Nun erwartet uns also ein Nachmittag in der Hölle. Hip hip, Hurra!

Sparsam und mit offenen Augen 

Ich bin in einer Facebook-Gruppe für ‚kleine Hilfen in unserer Region‘. Dort kommt es immer wieder zu Fragen wie:“ Was kann man mit einem 2 Jährigen heute machen? Zoo, IndoorSpielplatz, Schwimmbad und Kino (!!) hatten wir schon.“

Mich haut sowas um. Mit einem so kleinen Kind kann man so viel machen, so unglaublich vieles was das kleine Gesicht lachen lässt. Steine sammeln, Kantsteine hüpfen, malen, kneten, Spielplatz. Pfützen baden, Gummistiefel ausführen, Flugzeuge angucken, den Bahnhof besuchen. Man kann Höhlen bauen und Laufrad fahren gehen. Man kann Enten am See besuchen und wenn es mal was ganz irres sein soll, dann fährt man in den Park zum Tiergehege. Ich weiß nicht woher der Anspruch kommt, einem kleinen Kind jedes Mal ein riesen Highlight bieten zu müssen. Viel klüger fände ich es, dem kleinen Menschen diese  ganze Welt als Highlight zu verkaufen. Denn für die ersten Jahre sind all die Dinge, die wir schon lange nicht mehr sehen, ein Highlight. Also lasst euch doch von euren Kindern einfach zeigen, was es alles gibt. Denn die wahre Schönheit des Frühlings erkennen nur kleine Kinder, die mit aufgerissenen Augen vor einem Feld Krokusse stehen und es voller Achtung bestaunen. 

Natürlich gibt es Momente für den großen Ausflug. Zoo, Spaßbad und auch IndoorSpielplatz sind irgendwann dran. Geht man aber mit diesen Dingen etwas sparsamer um, hat man am Ende viel länger was davon. Denn schneller als man sich versieht ist auch das dickste Event langweilig und irgendwann hat man alles durch. 

Indoor X-Box

Heute ausflugten wir in den IndoorSpielplatz. Zusammen mit meiner Schwester und ihren Lieben verbrachten wir einen enorm entspannten Tag; fast kinderfrei. 

Denn in den fast acht Stunden, die wir in diesem Ding verbracht haben, hatten wir erstaunlich wenig Kontakt zu unserem Kleinen Volk. Alle waren unterwegs, D-Hörnchen wurde viel von A-Hörnchen bespasst und A-Hörnchen wurde viel durch eine X-Box mit Kinect bespasst, die für die Großen da stand. Großartig!! Na ja, so halb, denn jetzt wollen wir (also A-Hörnchen und ich) eine haben, und der Menne nicht. Plöde!