Weiter atmen

Kennt ihr die Szene aus „Der Herr der Ringe“, in der Aragon, Legolas und Gimli die Gruppe Urukhai verfolgen, die die Hobbits entführt hat? Genau so ging es mir heute. Ich lief und lief, über Berge und Täler, Tag und Nacht ohne Rast, stets die mahnenden Worte Gimlis im Ohr: „Weiter atmen, das ist der Trick! Atmen!“ Mein Martyrium erstreckte sich von 6.10 Uhr bis 8.30 Uhr heute morgen. Tag 5 von Grippe ist zwar der, an dem ich die Kinder wieder versorgen muss, jedoch längst nicht der, an dem es mir wieder gut geht. 

So erwache ich heute morgen halb erfroren und zog mich zunächst an. Schicht um Schicht pellte ich meinen bibbernden Körper in die Klamotten und machte ihm klar, dass krank jetzt Pause hat. Dann ging ich zwei Treppen –atmen..atmen– und schleppte mich durchs Bad. Kleinstes Waschprogramm sollte reichen. Vier Brotdosen und fünf Frühstücke später war ich schweißgebadet und konnte die elenden Klamotten gar nicht schnell genug loswerden. Während ich am Tisch saß und die Entschuldigungen für die Hörnchen schrieb, die ja auch jeweils lange in der Schule gefehlt hatten, rann mir der Schweiß den Rücken runter. Schwindel und Atemnot versuchen mir klar zu machen, dass es eine dumme Idee war ausfzustehen. Ich atmete. 

Nächste Etappe: Rauf gehen, wecken. Vorher ein frisches Shirt anziehen, schnell gemacht. Ich weckte C- und D-Hörnchen (weitestgehend im sitzen) und war mehr als dankbar, dass diese gut mitmachten. Wieder runter, alter ist mir kalt. – atmen…– Ich zog Lage 2-5 wieder an und startete zum Frühstück. In 20 Minuten Frühstück mit den vier Hörnchen schaffte ich es etwa 34 mal sie zur Ruhe aufzurufen; Mama hat krank. Es gelang so lala. A- und B-Hörnchen verabschiedete ich nicht an der Tür wie sonst, da war es zu kalt. 

Das Finale winkte mir fröhlich zu, die Kleinen mussten zum Kindergarten. Um 7.45 Uhr begann ich also mit dem leidigsten Teil, ich diskutierte zwei Kinder in die Klamotten. In viele Klamotten.. weiter atmen.. Pünktlich um 10 vor acht starteten wir zur Garage um dann mit dem Rad zur Kita zu fahren. Ich war dem Tode geweiht und betete, dass keiner hinfallen möge. Alles ging gut. Um 8.15 Uhr verließ ich auf Beinen wie Wackelpudding den Kindergarten. Ein letztes Mal wies ich mich an einfach weiter zu atmen, dann war es geschafft. Bett. 

Mitleid. Danke. 

Get a Grippe

Warscheinlich habe ich es herausgefordert, den Teufel quasi an die Wand gemalt. Ich habe es viel zu oft gelobt und gepriesen. Die Hörnchen waren in den vergangenen Monaten fast nie krank. Der Herbst und auch der Winter waren easy und ich wurde euphorisch. Nun hat das Schicksal zugeschlagen. Und es hat gut ausgeholt. 

Vier mal Grippe, ich hatte es erwähnt. Und sie waren wirklich alle über etliche Tage krank. Uns als Eltern hat dieser Zustand teilweise zurück katapultiert in längst vergangene Zeiten. Kind im Ehebett, nachts umher rennen, stunden langes wach sein. Jahre lang war das die traurige Realität in unseren Nächten, in den letzten 1,5 Jahren ist es so viel ruhiger geworden. Über jeweils einige Monate habe ich nachts in zweistunden Takt gestillt, verbrachte meine Nächte auf dem Flur, im Sessel, auf dem Sofa und nur gelegentlich im Bett. Wie habe ich das überlebt? Nun, nach zwei schlechten Nächten bin ich tot.  Warscheinlich bin ich einfach zu alt für das alles und dies ist die Art des Schicksals mir klar zu machen, dass es gut ist kein Baby mehr zu haben. 

Nachtrag: Wer bekommt die Grippe wenn alle Hörnchen wieder gesund sind???? Genau! Das Mutti. Wie sinnlos!!