Nazis sind scheiße!

An der Straße stand eben ein Auto. Grau mattiert. Unter den schmalen Scheinwerfern waren Aufkleber angebracht, die fließendes Blut zeigten. Links und rechts vom Kennzeichen klebten Eiserne Kreuze, auf der Motorhaube war ebenfalls ein nobles, als Edelstahl gefertigtes Exemplar. Am Rückspiegel hing der Wimpel irgendeiner Vereinigung, Runen zieren das Konterfei. Das Kennzeichen enthielt viele Hs udn achten; wohl das Maximum, das seit dem Verbot bestimmter Kombinationen, zu bekommen ist. Das Auto wirkte ganz ohne Halter schwer bedrohlich.

Das A-Hörnchen sah es genau an, fragte dann, ob das nicht verboten sei. Ich verneinte und erklärte, dass ich es jedoch entsetzlich fände und am liebsten drauf pinkeln würde. A-Hörnchen nickte verständig und sah sich um. „Zu viele Leute! Autos anzupinkeln ist ja leider verboten.“ Hilflos starrten wir den Blech-gewordenen Ausdruck von Hass und Menschenverachtung an, sinnierten darüber, dass ja auch keiner was tut. Nach ein paar Minuten schloss das A-Hörnchen den Moment mit der Feststellung, dass er in Zukunft IMMER „Scheißverein“-Aufkleber mitnehmen werde. Man weiß ja nie.

Früher, in meiner frühen Sturm- und Drangphase, fanden wir es hoch revolutionär und sinnig den Mercedessen die Sterne abzubrechen. Mercedes fahren Bonzen, Bonzen sind Kapitalisten und Kapitalisten sind scheisse. Es war so einfach… Heute fahre ich selber Benz, bin kein Kapitalist und so sicher wie eh und jeh, dass ich Nazis auch in 20, 25, 50 und 100 Jahren noch scheiße finden werde.

Einen Tag an der Front

Wie einige von euch wissen, arbeite ich in verschiedenen Horten als Psychologin. Ich bin dort für einzelne Kinder eingesetzt und habe mit den Aufgaben der Erzieherinnen und Erzieher in der Regel nichts zu tun. Gestern kam alles anders. Ich kam in den Hort und musste feststellen, dass die Erzieherinnen beide krank waren. Schneller als ich sehen konnte stand ich einer Meute Kinder und kurz darauf auch diversen Eltern gegenüber. Meine Aufgabe war es nun dem tobenden Mob Mensch für Mensch mitzuteilen, dass es einen Engpass gibt, es nur eine Notbetreuung gäbe und das Problem auch am Folgetag bestünde. Als Mutter war ich selbst schon oft in einer ähnlichen Situation und jedes Mal habe ich verständnisvoll genickt, ggf. gute Besserung gewünscht und meine Kinder wieder mitgenommen. Was soll ich auch sonst tun, die Verursacher des Problems sind krank, die Überbringer der schlechten Nachricht vollkommen unschuldig und eh gestraft. Und mal im Ernst, krank wird jawohl jeder mal.

Nun gut, ich stand nun einmal dort, mit einem Telefon, einer klugen Liste und einem Kuli und debattierte mich durch eine Reihe von 40 Namen. Drei Eltern zeigten sich betroffen und sprachen ihr Mitleid für meine doofe Situation aus. Vier weitere waren freundlich und holten einfach ihre Kinder. Fünf Eltern waren deutlich „not amused“ und gaben mir in noch deutlicherem Tonfall zu verstehen, dass DAS ein Nachspiel haben würde, auch wenn ich ja nichst dafür könnte, und die restlichen 28 Eltern beschlossen, dass es angemessen wäre mich anzumotzen.

„Unverschämt!“, „Unhaltbare Zustände!“, „Das sollte ich mir mal rausnehmen..“, „Wissen Sie, wie oft das ist in letzter Zeit vorkam?“, „Krankfeiern auf unsere Kosten..!“ und noch viel mehr wurde mir da um die Ohren gehauen. Ich solle mal an einen finanziellen Ausgleich denken und überhaupt, wie ich mir das vorstelle! Innerlich schmunzelte, denn keiner der Idioten dachte auch nur eine Sekunde darüber nach, wem er all das erzählte. Letztlich ist es traurig, denn viel zu oft bekommen die falschen Personen Ärger ab, der nicht für sie bestimmt sind. Die hohen Krankenstände in den Kindergärten, die Überlastung und damit Langsamkeit in der Pflege, mangelhaft bestückte Supermarktregale. In all diesen Fällen, und noch vielen mehr, sind es nicht die Menschen an der Front, die den Missstand zu verschulden haben. Vielmehr sind sie es, die eh schon unter den schlechten Bedingungen und dem Druck leiden. Die schuldigen sind die, die die Strippen hinter den Kulissen ziehen. Genau die, die es auch eh nicht interessiert, was da wer wem ins Gesicht schreit. Es wäre doch ein Schritt wenn jeder einmal tief durchatmet bevor er das nächste mal einen Busfahrer anblaffet, der zwar Verspätung hat, da aber rein gar nichts für kann.