Das Wunder des Körpers 

In der Straßenbahn erzählt mir das A-Hörnchen, dass der Sexualkunde-Unterricht jetzt in zwei Gruppen stattfände. Ich zeige mich interessiert und erkundige mich, was man denn so als Junge in Sexualkunde lernt. Ganz sicher war ich mir, dass die Antwort allenfalls ein: „Mama! Peinlich!“ sein würde, so wie bisher wenn dieses Thema aufkam. Etwas verwundert war ich hingegen, dass er es überhaupt angesprochen hatte. Und dann legte er los. 

Schwellkörper und deren Funktion, weshalb es wichtig sei, dass Penisse steif würden und wo genau die dann hingehörten. Ohne Scham und Gekicher erklärte er mir den gesamten Akt in akkuraten Fachbegriffen. Kein roter Kopf, kein Stammeln. Selbst Erektionen und Ejakulat konnten ihn nicht aus der Fassung bringen und so erklärte er mir weiter wie dann Eier zu Samen finden und Frauen zu Mamas werden. Selbst eine Abhandlung über Gifte in der Schwangerschaft inklusive Contagan bekam ich. 

Ich staunte nicht schlecht und fragte, ob das ganze gar nicht mehr peinlich und doof wäre. Da holte das A-Hörnchen tief Luft uns sagte im Brustton der Überzeugung: „Mama weißt du, ich finde den Körper und wie das alles funktioniert und so, so interessant! Da ist gar nichts peinlich, das ist ja alles so gedacht!“ Ich war baff! Ich meine, genau so sehe ich das auch. Körper und all ihre Funktionen sind toll und können gar nicht ausgiebig genug bestaunt und benutzt werden. Aus dem Munde meines kleinen Jungen jedoch war das neu und ungewohnt. Nun bin ich stolz; mein Sohn!!!

Ein Iiiin!

Vor etwa einer Woche wollte ich beim Abendbrot mein B-Hörnchen veräppeln. Ich zeigte links von mir auf die Terassentür und sagte vollkommen überrascht:“Guckt mal da!! Ein Pinguin!!“ 

Alle glotzten sofort in die Richtung und ich nutze die Sekunde um dem B-Hörnchen ihre Wurst vom Brot zu zupfen.  Der Lacher war groß, nur das D-Hörnchen verstand nicht, wo denn nun der Pinguin war.  

So erklärte ich ihm also ausführlich, dass ich nur die Schwester veräppeln wollte, und das das ein Witz war. Er nickte eifrig und keiner glaubte, dass er verstand. 

Am nächsten Morgen saßen abermals alle zusammen und mittendrin sagte der Kleinste so ernst wie er nur konnte:“Oh! Ein Iiiin!“ Er zeigte auf die Tür und grinste ultra-breit. Jeden Tag macht er diesen Witz seit dem und wir sind uns inzwischen ganz sicher, dass er verstand. 

Jugendfeindlichkeit

In den letzten Tagen haben wir, dank Ostern viel über Religion gesprochen. Wir versuchen den Kindern ein umfassendes und wertfreies Bild aller Religionen zu vermitteln. So klärten wir hunderttausend Fragen zum Christentum, zu Ostern, zu Weihnachten, zu Karfreitag, zu Allah, zu der Thora und der Bibel und des Korans. Wir sprachen über den Buddhismus über Atheismus und über Schweinefleisch. Über die Kippa und das Kopftuch, über Jesus und Judentum und kamen von Pontius zu Pilatus.

Im laufe des Gespräches erwähnte A-Hörnchen, dass es ja auch Leute gibt, die schlecht über Juden sprechen. Ich schluckte und bejahte. Im Folgenden erklärte ich, dass es sehr dumm wäre schlecht über andere zu sprechen, und das alle Religionen gut und richtig wären und der schlaue Mensch respektiere was andere Menschen glauben usw. Zum Schluß fragte ich ihn, wer denn sowas sagen würde. A-Hörnchen antwortete prompt:“ Viele sagen sowas. Auch Oma. Weil die so viel Schnaps trinken und Müll auf den Boden werfen und laut sind in der Nacht.“

Da hatte mein lieber, kluger Sohn einen mächtigen Knoten im Kopf. Was er meinte waren zweifellos Jugendliche, die in der Tat manchmal doof und nervig sind. Zum Glück meinte er das! Andererseits haben wir somit eine spannende Unterredung in Sachen Toleranz und Fremdenfeindlichkeit gehabt.

Der Mann mit den Kuscheltieren

Bei uns in der Gegend lebt ein Mann, der grob dem Wohnungslosen-Milleu zugehörig ist. Er ist ungepflegt, müffelt und kann schlecht gehen. Sein Körper hat offene Stellen und alles in einem möchte man ihm nicht unbedingt sehr nah kommen. Er geht an einem Rollator welcher meist mit Schnapsflaschen gefüllt ist.

Heute lief der Mann an der Eisdiele vorbei, in der ich grad mit A-, B-, C- und D- Hörnchen saß und mich mit Eis beschmutzte. A-Hörnchen blickte freudig auf und sagte:“Oh, da ist wieder der Mann!“ Ich schaute mich um und sah den eben Beschriebenen. Verwundert fragte ich A-Hörnchen ob er ihn kennen würde. Mein Sohn antwortete:“ Nee, ich glaube der ist ein bisschen verrückt, aber ganz nett. Der hat lauter Kuscheltiere an seinem Wagen.“

Obwohl der Mann mir schon 1000 mal negativ durch sein Auftreten aufgefallen ist, und ich mich für wirklich versiert, tolerant und loyal halte, ist es mir noch nie in den Sinn gekommen, dass er vielleicht ‚einfach nur ein bisschen verrückt und nett‘ ist. Danke A-Hörnchen!

Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht!

„Das Gras wächst nicht schneller

wenn man daran zieht!“

Dieses Afrikanische Sprichwort steht derzeit auf meiner Terassentür geschrieben. Verschieden Erwachsene haben seit dem nach der Bedeutung gefragt; andere haben es einfach hingenommen. Eben hat mich B-Hörnchen verblüfft.

Ich habe ihr den Text vorgelesen. Sie hielt kurz inne und stellte dann kurz und bündig fest:“

Ja. Wenn man dean zieht, dann reißt es ab, oder zerbricht oder man reißt die Wurzel heraus, dann kann man es nicht mehr gießen. Mit Gras muss man einfach normal sein.“

Wie schlau sie ist!! Wenn das die vielen vielen Erwachsenen wüssten, die zerren, ziehen und formen, was wäre es schön. Leider sind ins besondere viele Eltern nicht weise genug es zu befolgen. Kluges, kluges Kind!